In 80 Pflanzen um die Welt

Buchvorstellung

Nach dem verdienten Erfolg des auf KRAUTJUNKER mit illustrierten Leseproben vorgestellten Buches In 80 Bäumen um die Welt veröffentlichten der Autor Jonathan Drori und die Illustratorin Lucille Clerc in diesem Jahr In 80 Pflanzen um die Welt.

Bildquelle: KRAUTJUNKER

Auf unterhaltsame Weise porträtiert der renommierte Botaniker Drori – Commander of the Order of the British Empire – 80 Pflanzen rund um diesen Erdenknödel. In den einzelnen Essays werden Fakten über die Botanik, Ökologie, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte verwoben. Historische Anekdoten und persönliche Kommentare inklusive. Der Illustratorin Clerc gelingt es in ihren ausdrucksstarken Collagen Pflanzenbilder mit Zeugnissen der Kulturgeschichte so zu verknüpfen, wie es Fotografen kaum möglich ist.

Bildquelle: Laurence King Verlag GmbH

»Mich fasziniert die Botanik, aber noch lebendiger wird sie für mich, wenn sie mit der menschlichen Historie und Kultur verknüpft wird. Die meisten Geschichten in diesem Buch verraten genauso viel über Menschen wie über Pflanzen: die rührenden und verstörenden über Dieffenbachien, Schlafmohn und Pfauenstrauch; die merkwürdigen Traditionen um Kava-Kava, Greisenbart und Rhododendron; die seltsamen Arten, wie Männer und Frauen auf Alraune, Schokolade und sogar Wermut als Aphrodisiaka verfallen sind; nicht zu vergessen der ulkige Kürbis.

Bildquelle: Laurence King Verlag GmbH

Aber auch die unauffälligeren haben es in sich: Brennessel, Seetang und Torfmoose, mit denen ich meine Reise in England, Schottland und Irland beginne, bevor ich – (grob!) angelehnt an die des Phileas Fogg in Jules Vernes Roman – von meinem Wohnort London Richtung Osten aufbreche.

Bildquelle: Laurence King Verlag GmbH


Die vielleicht erstaunlichste Aktivität der Pflanzen ist die Fotosynthese: Sie nehmen die grundlegendsten Substanzen auf – Kohlendioxid aus der Luft, Wasser und relativ kleine Mengen Nährstoffe über ihre Wurzeln – und nutzen die Kraft des Sonnenlichts, um sie in komplexe Substanzen umzuwandeln, aus denen Holz, Gewebe, Blätter, Früchte und Samen entstehen: all das, worauf wir und alle anderen Lebewesen auf die eine oder andere Weise angewiesen sind. Ein Tier frisst entweder Pflanzen oder etwas, das Pflanzen frisst.

Bildquelle: Laurence King Verlag GmbH


Pflanzen, Tiere, Pilze und noch die kleinste Kreatur hängen in ganz unterschiedlichen, komplexen Lebenssystemen voneinander ab. Doch wie bei dem Spiel Jenga, bei dem die Spieler Bausteine aus einem Turm nehmen, bis er wankt und in sich zusammenfällt, werden unsere Ökosysteme, wenn einzelne Arten gefährdet sind, fragil, bis ein weiterer Stoß sie kollabieren ließe. Doch obwohl unsere Zukunft von den Ökosystemen und ihren Wechselbeziehungen abhängt, bedrohen wir die Artenvielfalt mit unserem Konsum, der Landwirtschaft und dem Klimawandel.«

Bildquelle: KRAUTJUNKER

Wie oft greift man gedankenlos zum AllerweltspflanzeTomate ohne folgendes zu ahnen?

  • Tomaten gehören zu der für ihre Gifte berüchtigten Familie Nachtschattengewächse. Die lecker schmeckenden Tomatenblätter sind aufgrund ihres Gehalts an Alkaloiden ungenießbar.
  • Tomaten kann man sowohl als Früchte wie auch als Gemüse bezeichnen.
  • Bestäubt werden können sie nicht von Honigbienen sondern nur von Hummeln, da deren Flügelschläge die Frequenz eines eingestrichenen C beträgt, bei dem die Pollen herausgeschüttelt werden.
  • Ursprünglich handelte es sich um erbsengroße Beeren an langen Ranken, welche an Südamerikas Nordwestküste wuchsen.
  • Vor der Ankunft der Spanier wurden sie zu flachen, faltigen und fleischigen Zuchtformen kultiviert. Die Maya bezeichneten sie als tomatl, was „dickes Wasser“ bedeutet.
  • Für Italiener war alles aus Übersee „maurisch“, daher nannt man sie pomo die moro, „maurische Frucht“. Heute eingeschmolzen zu pomodoro.
  • Die Engländer hielten sie bis Anfang des 19. Jahrhunderts für giftig und züchteten sie nur aufgrund ihrer kuriosen Schönheit und Originalität.
  • Der größte Kult um Tomaten wird immer noch in Spanien betrieben, was sie nicht nur in einer Vielzahl traditioneller Rezepte niederschlägt.
    »Der Stolz auf die Tomate und die Liebe zu ihr gipfeln in der Tomatina, einem Sommerfest, das seit 1945 in Buñol bei Valencia stattfindet und ein sehr spanisches Vergnügen ist. Lkw laden auf dem zentralen Platz Tausende Tonnen überreifer, matschiger Tomaten ab, mit denen sich in einer körperbetonten, äußerst sinnlichen roten Orgie zwei Teams (nicht im strengen Sinne) bewerfen. Beim Anblick von so viel Tomate fällt es schwer, nicht an die Unterwerfung Mittelamerikas zu denken und auch an das dabei geflossene Blut.«
Bildquelle: KRAUTJUNKER

Oder das unbeliebte Allerweltsunkraut Brennnessel?

  • Aus den oft schulterhohen Stielen werden seit alters her Textilien gewebt. Archäologen fanden in Dänemark schöne Nesselstoffe, in die eingeäscherte Leichname gehüllt wurden. Deutsche und Österreicher sollten im Ersten Weltkrieg als Ersatz für knappe Baumwolle Brennnesseln pflücken.
  • Das Wort „Nessel“ leichtet sich vom indoeuropäischen Wort für „verdrillt“ her.
  • Die Blätter und Stiele der Brennnesseln sind mit winzigen, glasharten Härchen bedeckt. Bricht man sie ab, geben diese winzige Kügelchen ab, welche ein Kontaktgift abgeben, welches einen mehrere Stunden quälen kann.
  • Da das Gift große Tiere abschreckt, bilden Brennnesseln ein geschütztes Habitat für viele Insekten und vor allem Schmetterlinge.
  • Da sie besonders gut auf phosphathaltiger Erde gedeihen sind sie erfolgreiche Kulturfolger und verraten Forensikern sogar, wo Leichen verscharrt wurden.
  • Die bedauernswerten römischen Legionäre die am Hadrianswall die Nordgrenze des Reiches verteidigen mussten, bekämpften ihren Rheumatismus, die kriechende Kälte und vielleicht auch Langeweile mit „Urtifikation“: Sie peitschten sich mit Brennnesseln aus. Auf manche Menschen wirkt der Schmerz aphrodisierend. Auch heute betreiben manche Pervers… Briten, für die zur Lust etwas Schmerz gehört Urtifikation.
  • »Die Brennnessel ist irgendwie typisch englisch – teils aufgrund ihrer potenziellen Exzentrik und Komik, teils aber auch, weil sie Englands harmlos grüner, lieblicher Landschaft ein willkommenes Quäntchen maßvoller, milder Tücke verleiht.«

Bildquelle: Laurence King Verlag GmbH

Ebenso wie sein Vorgängerband liest man In 80 Pflanzen um die Welt eigentlich nicht in einem durch, sondern immer mal wieder eine oder auch eine Handvoll Pflanzenporträts sozusagen quer durch den Garten. Das Buch ist aufgrund seines herrlich illustrierten Infotainments ein Schatzkästlein für Botanikbegeisterte und Bibliophile.

Bildquelle: Laurence King Verlag GmbH

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: In 80 Pflanzen um die Welt

Autor: Jonathan Drori

Illustratorin: Lucille Clerc

Verlag: Laurence King Verlag GmbH

Verlagslink: https://www.laurencekingverlag.de/produkt/in-80-pflanzen-um-die-welt/

ISBN: 978-3962441746

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