von Harald Schweim
Unter Gläubigen, Christen, Juden und Muslimen und auch vielen Atheisten herrscht die Einsicht vor, dass die Natur – und damit für Gläubige die Schöpfung – dem Prinzip des Fressens und Gefressen-werdens folgt. Solche Weltsicht haben die Weltreligionen gemeinsam, Christen- und Judentum und auch der Islam. Die Behauptung, dass das Gebot „Du sollst nicht töten“ unumstößlich und überall gelte, ist wohl Blasphemie. Denn sie unterstellt dem Schöpfer, dass seine Schöpfung seine Gebote leugnet.
Die Bibel ist voll von Bekenntnissen zur Jagd. Im Alten Testament (Übersetzung nach Martin Luther) wird Gott mit dem Satz „Macht euch die Erde untertan*“ zitiert. In Bildern und Vergleichen wird häufig auf die Jagd angespielt, besonders in den Psalmen und Sprüchen. Um zum Fleiß zu mahnen, erinnert (Spr 12,27) daran, dass ein fauler Jäger leer ausgeht. Etwa bei Moses 27, 3-4: „So nimm nun dein Gerät, Köcher und Bogen, und geh aufs Feld und jage mir ein Wildbret und mach mir ein Essen, wie ich’s gern habe …“ Oder in Moses 14, 4-5: „Dies aber sind die Tiere, die ihr essen dürft: Rind, Schaf, Ziege, Hirsch, Reh, Damhirsch, Steinbock, Gämse, Auerochs und Antilope.“
In der Tora (in der Bibel die 5. Bücher Mose) wird den Israeliten befohlen, keinerlei Tiere zu essen, die verendet sind oder von Raubtieren gerissen wurden, die zu essenden Tiere müssen rituell geschlachtet sein. Wie das bei nicht domestizierten Wildtieren geschehen soll, erschließt sich mir nicht.
Juden, Muslime und frühe Christen opferten ihrem Gott gerne Tiere. Die Geschichte vom Heiligen Hubertus, der seinem Jagdtrieb im Anblick eines Hirsches abschwor, der ein leuchtendes Kreuz zwischen den Geweihstangen trug, handelt übrigens in Wahrheit von einem Heiden: Es war Eustachius, den solches Erlebnis zum Christen werden ließ. Bischof Hubertus von Lüttich wurde die Legende erst später zugeschrieben.

Die islamische Einstellung zum Jagen ist, dass es erlaubt ist, ein Tier für Nahrungszwecke zu jagen: „Wenn ihr den Weihezustand nicht auf Pilgerreisen seid) abgelegt habt, dann dürft ihr jagen“ (Surah Al-Maa’idah 5:2) „Und wenn ihr beutegreifende Tiere durch Abrichtung von dem gelehrt habt, was Allah euch gelehrt hat, dann esst von dem, was sie für euch fassen, und sprecht den Namen Allahs darüber aus.“ (Surah Al-Maa’idah 5:4) Der Prophet Mohammed sagte „Wenn du deinen abgerichteten Hund zum Jagen losschickst und Allahs Namen dabei erwähnst, dann darfst du das erlegte Wild essen. (Alle Zitate sinngemäß übersetzt). Der Jäger muss Muslim sein, bei Verstand oder von den Leuten der Schrift , Juden und Christen). Es muss eine Waffe zum Jagen benutzt werden: ein scharfes Werkzeug, wie man es auch zum Schlachten benutzt, um das Blut zum Fließen zu bringen. Es muss das Tier mit seiner Klinge verwunden. Wenn das Werkzeug daher stumpf ist wie ein Kieselstein, ein Stock, eine Schlinge, ein Netz oder ein Stück Eisen, ist das Tier nicht erlaubt zu essen, außer wenn es durch eine Kugel erschossen wurde. Denn die Gewehrkugel hat eine Antriebskraft, welche das Tier durchbohrt und das Blut dazu bringt, heraus zu strömen, so wie dies auch eine scharfe Waffe tun würde. Beutegreifer, wie Greifvögel und Jagdhunde sind erlaubte Tiere, die man zum Jagen benutzen darf, sofern sie dazu abgerichtet wurden, sei es dass sie zum Jagen ihre Klauen (bei Vögeln) oder ihre Fänge (bei Hunden) benutzen.

Für christliche Jäger gilt, dass das Waidwerk „im Geschöpf den Schöpfer ehrt“. Es ist bis heute Grundlage der Waidgerechtigkeit, die in diesem Kreis auch für jagende Atheisten gilt und der Nachhaltigkeit des Nahrungmittels Wildbret ebenso wie dem echten Tierschutz.
Alle Jäger nützen den vom Schöpfer gedeckten Tisch. Ihr Mühen gilt – durchaus auch im eigenen Interesse – dem Wohlbefinden ihrer Beute. Um nachhaltig Jagen zu können schützt der Jäger sein Wild vor Übernutzung.

*„Untertan machen“ ist ein Begriff einer vergangenen Zeit. Aus heutiger Sicht wäre angebrachter: Als Bild Gottes, werden die Menschen in die Schöpfung hineingestellt. Das bedeutet nichts Geringeres, als ganz im Sinne Gottes dessen gute lebensspendende Ordnung zu pflegen und zu erhalten. Der der Mensch soll für die übrige Schöpfung Verantwortung tragen und sie verantwortungsbewusst nutzen.
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KRAUTJUNKER-Kommentar: Es war mir eine Freude, diesen interessanten Text lesen und auf diesem Blog veröffentlichen zu dürfen. Ich möchte an dieser Stelle auf das Buch Seelenfischer & Großwildjäger: Jagdabenteuer mit Pater Kunibert Lussy hinweisen.
Allein, so wirklich vollständig erscheint mir das Bild nicht.
Der jüdische Linksintellektuelle und Jäger Paul Parin schreibt in seinem Buch Die Jagd – Licence for Sex and Crime – dass Juden aus religiösen Gründen selten jagen.
Und woran liegt es, dass man, zumindest in Deutschland, Moslems kaum je beim Pilzesammeln oder in Jagdgesellschaften antrifft?
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Harald Schweim

Seit früher Jugend rund um die Jagd vielseitig interessiert. Musiker, Seemann, Hundeführer, Jäger und Pharmazieprofessor.
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Anmerkungen

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