Basset Bleu de Gascogne, die blauen Gascogner

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Dieser Blogbeitrag hat seinen Ursprung in der Rezeptvorstellung des saarländischen Kartoffel-Rezeptes „Dibbelabbes“, hergestellt in einem Dutch Oven und vorgestellt in der Facebook-Gruppe von KRAUTJUNKER.

Abb.: Dibbelabbes; Bildquelle: Oliver Sommer

So sehr mir grundsätzlich bei Kartoffelrezepten und Dutch-Oven-Küche das Herz aufgeht, hier sprang mir doch gleich der schöne Hund im Hintergrund ins Auge. Es freut mich sehr, dass sich Oliver Sommer – der Name ist ein nom de guerre, weswegen es auch keine Vorstellung gibt – auf meinen Wunsch die Familie seines Jagdhundes persönlich vorstellt.

von Oliver Sommer

Mein Jagdhund Findus gehört zur Rasse „Basset Bleu de Gascogne“. Über die Rasse selbst findet man im Internet zahlreiche Rassebeschreibungen. Kurz zusammengefasst gehört der Bleu de Gascogne zur Gruppe der Lauf- und Schweißhunde, sie gilt als die älteste in Frankreich bekannte Jagdhundrasse, die auf die Keltenbracke zurückgehen soll. Diese Laufhunde vom südlichen Typ werden in Frankreich im Dutzend billiger gezüchtet und in Meuten eingesetzt. Es gibt sie in drei Größenschlägen: Grand, Petit und Basset, außerdem gibt es noch Griffons, die von der Größe her dem Grand Bleu nahekommen.

Der Basset ist die kurzläufige Variante: als man in Frankreich einen langsameren Hund gebraucht hatte, hat man angefangen, diese kurzbeinigen Bleus zu züchten. Das verwirrt einige: der Begriff „Basset“ (bei französischen Laufhunden wird das auch französisch ausgesprochen, also „Basseeeeh“) bedeutet nur, dass man es mit einer „tief“gebauten Rassevariante zu tun hat (Eselsbrücke: in der Musik ist der Bass tief). Die Hunde, die man als „Bassets“ kennt (meist englisch ausgesprochen, Bässets), sind eine tiefgebaute Variante einer anderen Laufhundrasse. Im Englischen sind „Hounds“ die Hunde für die laute Jagd, also Laufhunde, alles andere sind „Dogs“. Ein Basset Hound ist also eigentlich nur ein kurzläufiger Laufhund, aber unter dem Namen existiert diese Rasse, die man von Detektiv Colombo her kennt (und die bedauerlicherweise auch sehr unter Optikzucht gelitten hat). Unter den französischen Laufhunden gibt es X Basset Varianten. Eine gute Informationsquelle ist der Verein für Französische Laufhunde, da findet man praktisch alle Informationen dazu (www.laufhunde.eu).

Interessant übrigens: französische Siedler haben offensichtlich die Rasse auch nach Amerika exportiert, dort gibt es den „Bluetick Coonhound“, der optisch klar auf den Grand Bleu zurückgeht und der dort als Spezialist für die Jagd auf Waschbären gilt. In der Schweiz gibt es ebenfalls eine Tradition, im bergigen Terrain mit kurzläufigen Laufhunden zu jagen: dort gibt es den Luzerner Niederlaufhund, ebenfalls ganz klar ein Ableger des Bleu de Gascogne.

Der Name „Bleu“ kommt von dem kurzhaarigen Grauschimmel-Fell (mit schwarzen Platten), das je nach Lichteinfall tatsächlich blau wirkt. Meiner hat aber überwiegend einen schwarzen Buckel, daher ist mein Hund eher schwarz als blau. Insgesamt sind diese Hunde sehr hübsch anzuschauen, das bunte Gesicht hat Bracken-Vieraugen und die hohe Stirn verleiht ihnen ein aristokratisches Aussehen. Diese alten Laufhunde entsprechen dem Hubertushund-Typ: alles ist auf Nasenarbeit ausgelegt. Die Schlappohren helfen, die Fährte aufzuwirbeln, ebenso die doppelte Kehlwamme, die Hängelefzen und  das lockere Fell. Als zwingend spur- und fährtenlauter, arbeitswilliger Stöberhund hat Findus schon auf x Drückjagdeinsätze so manche Sau oder Reh vor die Schützen gebracht. Ich gehe zusammen mit ihm durch: dabei bleibt man fit, es ist spannender als auf dem Schützenstand und friert nicht so schnell. Er sucht relativ nah, geht aber auf warmer Fährte schon mal auf die Reise. Wenn er dann auf dem Rückweg ist, sieht man über das Ortungssystem schön, wie er mit der Nase wieder Anschluss sucht, indem er sich so lange einbögelt, bis er meine Rückfährte findet und darauf schnurstracks wieder retour kommt, um sich sein Lob abzuholen.

Eine ganz aparte Besonderheit der Bleus ist ihr Spurlaut: ein langes, tiefes und sehr lautes Heulen ertönt, sobald er auf warmer Fährte arbeitet. Hört sich eher nach dem Brüllen eines Seehundes an als nach einem Jagdhund. Auf den Drückjagden, auf denen ich Jahr für Jahr als Hundeführer durchgehe, kennt man ihn deswegen schon und die Jägersleut haben -genau wie ich- eine Freude, wenn das Heulen ertönt. In Frankreich gilt der Blaue Gascogner als „hurleur à la bonheur“.

Vom Wesen her sind die Bleus Meutehunde, also sehr sozialverträglich und freundlich. Gegenüber Menschen hat mein Findus noch nie Misstöne angeschlagen und er erträgt geduldig die Kinder.

Allerdings muss man wissen, was man sich mit einem Laufhund antut. Was man allgemein Bracken nachsagt (von wegen „Brackengehorsam“), haben Bleus schonmal in potenzierter Form. Mein Findus ist komplett nasengesteuert, mit nahezu autistischen Zügen! Er hat von je her ein unbändiges, ungestümes Verlangen, alles zu beschnuppern, und sobald die Nase ein Signal erhält, schalten die Ohren auf Durchzug. Abrufen ist dann Glücksache, die Bindung zu einem Laufhund und die Garantie, dass er (irgendwann) mal wieder zurückkommt, funktioniert nur über eine gute Bindung zum Führer, aber nicht über sklavischen Gehorsam. Gegenüber harter Dressur ist er zuerst kurz irritiert, dann schaltet er auf stur und lehnt irgendwann die Zusammenarbeit ab. Daher gelten diese Hunde als eigensinnig oder schwer erziehbar, es ist aber auch Tatsache, dass Brackenführer meist die entspannteren Hundeführer als Führer von Vorstehern o. ä. sind, weil man halt achselzuckend hilflos ist, sobald diese Hunde in Jagdmodus geschaltet haben. Ich muss das halt in Kauf nehmen und das Augenrollen der anderen ertragen, wenn ich meinen Hund x mal rufen muss (und er genau das Gegenteil macht, von dem, was er soll) oder er halt gerade irgendeinen Duft spannender findet als mein Kommando. Das hatte ich zu Anfang auch ein wenig unterschätzt und bin tatsächlich manchmal verzweifelt.

Der jagdliche Einsatzbereich ist klar: alles, wozu man die Nase einsetzen kann. Stöbern, jagen und suchen. Diese Hunde sind für die laute Jagd gezüchtet, sie bringen keine Enten und sie apportieren keine Füchse (Ausnahmen bestätigen die Regel): sie gehen in den Busch und heulen alles raus, was Hufe oder Löffel hat und verfolgen es laut. Aufgrund des ausgeprägten Finderwillens und der Arbeitsfreude sind die Bleus auch für die Nachsuche geeignet (und natürlich auch im Rettungshundebereich, als Ortungshunde, Flächensucher, Mantrailer etc.). Allerdings muss man bei Nachsuchen wissen, wo die Grenze für die Hunde liegen. Die Wildschärfe ist bei Laufhunden meist nicht besonders ausgeprägt. Man hatte halt kein Interesse, dass eine Meute einen Hirsch kilometerweit von den Jägern entfernt irgendwann stellt und sich dann dranhängt. Darum kann ich mit meinem Hund zumindest Rehe (die hetzt er und hält sie zumindest fest, bis ich da bin) nachsuchen. Bei Sauen sehe ich aber außer für sichere Totsuchen von seinem Einsatz ab: es nutzt mir nichts, wenn er eine kranke Sau von Wundbett zu Wundbett hetzt, aber sie nicht fasst. Ich lasse also die Finger von solchen Suchen, habe aber auf Rehwild schon einige Glanztaten von Findus erlebt (Verkehrsunfall Reh ohne Pirschzeichen nach 1.500m tot gefunden, oder ein laufkrankes Reh bei einer Drückjagd gefunden, gehetzt, praktisch zu mir brackiert (war im Ortungssystem schön zu sehen) und dann gehalten, bis ich es abfangen konnte).

Oft wird man gefragt, wie man zu so einer Exotenrasse -zumindest in Deutschland- kommt. Ich hatte mir nicht gezielt die Rasse ausgesucht und dann einen Züchter aufgestöbert, sondern es ist Zufall, dass ich an diese Rasse geraten bin. Meine Frau und ich stammen aus dem Saarland, und in dem saarländischen Dorf, in dem meine Schwiegereltern leben, hatte der dort ansässige Förster, Jürgen Mennig, diese Hunde schon lange gezüchtet. Mittlerweile züchtet er (leider) nicht mehr, aber aufgrund der geringen Zuchtbasis tauchen praktisch in nahezu allen Zuchtlinien von Basset Bleus soweit östlich der Gascogne seine Hunde vom Zwinger „Forsthaus Ostertal“ auf.

Ich kannte seine Hunde schon von vor zig Jahren, als ich jagdlich noch überhaupt nicht interessiert war, vom Wandern an seinem Gehöft entlang unter lautstarker Begleitung der Bleus, die dort frei liefen. Nachdem dann vor ein paar Jahren der Wunsch nach einem Jagdhund in Erfüllung gehen sollte, für Totsuchen und zum Stöbern, hatte ich mich sofort wieder an diese wunderschönen Hunde mit dem merkwürdigen Laut erinnert und Kontakt zu Jürgen Mennig aufgenommen. Nach einigen Besuchen im Saarland, viel Recherche über die Rasse und vielen Gesprächen mit ihm und anderen Bleu Besitzern war ich dann wild entschlossen, dass so ein Hund mein Jagdbegleiter werden soll. Ein Jahr später konnte ich dann meinen Rüden Findus aus dem letzten Wurf vom Forsthaus Ostertal im Saarland abholen.

Da das auch mein erster Jagdhund ist, den ich abführe, war mir klar, dass ich auch viel werde lernen müssen, denn es heißt ja: beim ersten Hund lernt der Hundeführer, beim zweiten Hund lernt der Hund, und der dritte Hund wird dann richtig gut. Ich habe mich gemeinsam mit ihm durch dies spannende Ausbildung durchgeschafft und sind mittlerweile ein super Team geworden. Ich habe ihn erfolgreich durch die jagdliche Brauchbarkeitsprüfung für Nachsuchen im Schalenwild geführt, ihn im Schwarzwildgatter eingejagt. Die Rasse ist übrigens nicht beim JGHV organisiert, taucht aber in der Liste der anerkannten ausländischen Rassen auf und kann somit auf fast allen Prüfungen vorgestellt werden.

Nachdem wir nun jagdlich zusammen auch schon einiges erlebt haben, sind wir uns sehr ans Herz gewachsen. Sein freundliches anhängliches Wesen ist so angenehm, er wird von der ganzen Familie geliebt, und besonders für die Kinder ist er der beste Hund der Welt. Aber das sagen ja alle Hundebesitzer über ihren Hund…

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Facebook-Gruppe.

Text und Fotos: Oliver Sommer (der in Wirklichkeit anders heißt)

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