Fuchsjagern

am

Buchvorstellung von Beate A. Fischer

„Wer den Fuchs erlegt, wird Jagdkönig.“ Meine ersten jagdlichen Erfahrungen habe ich in einer reinen Niederwildgegend gemacht, wo der Rehbock der Hirsch des kleinen Mannes ist und die meisten der Alten nicht mal eine Büchse im Schrank haben. Im November ziehen sie über die Felder und Wiesen, die Stiefel werden mit jedem Schritt schwerer vom Lehmboden und eine Mischung aus schwerem Nebel und leichtem Regen liegt in der Luft. Hundegebell und Schrottschüsse zerreißen die Stille. Hasen laufen um ihr Leben und bleiben oft genug Sieger.  

Auf einer meiner ersten Treibjagden schoss ein Jäger aus der Fraktion der jung-dynamischen Raubwildjagdfraktion, auch „Fuchs-Einsatzkommando“ (FEK) genannt, einen Fuchs vorbei. Für ihn war der Tag gelaufen und der Abend teurer, ausnahmsweise mal teurer als für den Jagdkönig, aber der hatte auch keinen Fuchs geschossen, nur die meisten Hasen. Der Fuchs war als von meiner frühjagdlichen Prägung an etwas Besonderes, das Ziel aller Träume. Marderhund und Dachs – als vorkommende Prädatoren haben nie diese Aura des Besonderen. Den Fuchs gilt es zu überlisten, die anderen zu erlegen.

Der Fuchs hat seine besondere Anziehungskraft und dies mag aus sagenumwogenen Fuchsschläue und Listigkeit liegen, an seiner Schönheit der besonderen Farbe des Balges, die Eleganz des Kopfes, die feinen Pranten oder daran, dass der den Fuchs erlegen konnte, schon immer der Held des Tages war.

Bruno Hespeler hat mit seinem im Österreichischen Jagd- und Fischerei-Verlag erschienenen Buch eine Ode an den Fuchs und Fuchsjagd geschrieben. Das Buch hat eine hochwertige Aufmachung, im grauen Leinenschick kommt es daher und verzichtet auf den ständig rutschenden, schlecht sitzenden Schutzumschlag. Es beinhaltet eine grosse Anzahl sehr hochwertiger Fotos, es liegt gut in der Hand und hat mich sofort in den Bann gezogen. Eines der in jeglicher Hinsicht sympathischsten Bücher des Jahres. Ich mag es gar nicht wieder weglegen.

Abb.: Blick ins Buch; Bildquelle: Beate A. Fischer

»Niemand geringerer als Martin Luther machte ihn zur schlauen Hauptperson seiner Fabel Der Löwe, der Fuchs und der Esel.  Dass sich Alfred Brehm intensiv mit ihm beschäftigte, versteht sich von selbst. Doch er tat dies keineswegs nur als Naturforscher.« Auch den Brehm hatte der Fuchs in den Bann gezogen und so schrieb er »Der Beute gegenüber zeigt sich der Fuchs noch grausamer als der Wolf. Er hat die widerliche Gewohnheit der Katzen, mit dem gefangenen Tier, bevor er so tötet, erst lange zu spielen, und es scheint, als bereite ihm die Qual des armen Schlachtopfers ein unsägliches Vergnügen. Namentlich vor den Jungen treibt er argen Mißbrauch mit seinem ergriffenen Wild….«

Die Malerei hat sich dem Fuchs angenommen und in den Kinderliedern spielt er seine Rolle. Von frühester Jugend wurde Kindern die Angst vor Tollwut und Fuchsbandwurm eingebläut und doch ist es ein schönes und elegantes Tier. Die Jagd auf den Fuchs ist etwas ganz Besonderes.

Hespeler beschreibt die Biologie und Verbreitung des Fuchses, die Ranz, die Aufzucht, das erste Flüggewerden der Welpen, Verbreitung und Feinde des Fuchses.

»Auf dem Land, draußen, wo sich immer wieder begegnen, zeigen sich die meisten Katzen höchst gelassen. Beim Ansitz habe ich es oft erlebt, wie sich Fuchs und Katze näherkamen, wobei die Katze höchst selten vorsorglich die Flucht ergriff oder Schutz auf einem Baum suchte. Eher blieben sie sitzen und machten, wenn der Fuchs näherkam, einen Buckel machten, fauchten oder auch einen Ausfall auf den Fuchs zu.«

Bei der Jagd am Luderplatz;
»„Schichtbeginn“ meistens so um 19 Uhr herum. Drei Stunden betrug die „reguläre“ Arbeitszeit; manchmal dauerte es auch länger. Kommoder, nur brusthoher Ansitzsack, der nicht einengte, Schultern und Arme freiließ und eine Mufftasche hatte, und dazu eine Gummiwärmflasche für die Füße waren Standard.
Irgendwann ein Fuchs, oben, von links nach rechts über die Wiese fast bei Kathrins Haus. Zielstrebig war er unterwegs, von keinen noch so verlockenden Mauspfiff zeichnend. Weit außerhalb der Schrotte und für die Kugel zu flott…
Später ein zweiter Fuchs, wieder von oben links, aber bolzgerade zum Luderplatz herunter. Schon hatte er den Pflock erreicht, der in der weißen Einförmigkeit 30 Meter markierte. Noch zehn Meter, da schnappte er sich den ersten Forellenkopf, kaute kräftig und genussvoll darauf herum, drehte sich quer und hatte wohl nicht gemerkt, dass er inzwischen tot war…«

Hespeler verwebt Wissensvermittlung mit eigenen Jagderfahrungen. Seine Jagderzählungen haben die Spannung und Zartheit des obigen Ausschnittes. Sie sind unaufgeregt und voll tiefsitzenden Humors, Freude über die Jagd, den Erfolg, die Finesse des Auslesens und strategischen Planes. Wie ein Fuchs….

Mein Freund hatte die Baujagd nach vielen Jahren und unzähligen Wintereinsätzen eigentlich an den Nagel gehängt. Ich sah im Internet eine Wurfanzeige in der Nähe, wir fuhren hin, mein damals einjähriger Vizsla suchte uns einen Welpen aus und hatte von nun an immer Zähne in den Läufen, im Rücken, an der Kehle und einen Fitnesstrainer. Ein Foxterrier hatte den Weg in unser Haus gefunden. Die Bauprüfung meisterte er als Bester und gleich im ersten Jahr hob er einen Bau mit elf Marderhundwelpen nebst Elterntieren aus. Bosse ist im Feld unerbittlich und zuhause ein Schmusehund. Wenn Bosse nicht in den Bau geht, dann ist da nichts drin und wenn was drin ist, kommt es heraus.      

Von allen Bauhunden, die ich erleben durfte war Bosse der Besonnenste und unaufgeregt Hartnäckigste. Einen Jagdterrier holten wir mit der Motorsäge aus einem hohlen Baum. Während wir sägten, brachte der Terrier den Fuchs um und stieg dann durch das vorsichtig eingeschnittene Loch heraus…

»Nun suchen Füchse, vor allem Rüden, ihre Baue ja tatsächlich auch in der warmen Jahreszeit auf, auch wenn ihn wirklich annehmen. Sie markieren auf dem Bau und schliefen gelegentlich wohl auch kurz durch. Da genügt, um sie für einen passionierten Junghund interessant zu machen. Was mich als Bub nachdenklich stimmte war, dass der Hund die ihm angebotenen Baue zwar zunehmend passionierter absuchte, manchmal auch kurz Laut gab – besonders wenn ich ihn von außen anrüdete – aber nie ein Fuchs sprang. Das änderte sich im ersten Winter, als der gute „Elch“ so knapp ein Jahr alt war. Allerdings sprang der Fuchs auch dann nicht immer. Lautes „Kläffen“ bedeutete nicht zwingend, dass auch ein Fuchs drin steckte. Ich hatte es ihm durch meine Unerfahrenheit anerzogen.«

Ich erinnere mich an eine Fuchsjagd am Bau, 10 – 15 Jäger standen um den Bau herum, traten sich die Füße warm, der Schnee trieb große Flocken, das Thermometer war tief. Alle hatten schon den heißen „Pharisäer“ in der Kneipe im Sinn, aber vorher sollte noch der „Voß“ mit. Der Bauhund steckte im Bau. Und einer der Alten rief, „Wann kommt er den endlich, es ist kalt.“ Und ein anderer rief zurück, „Gleich, ich hör´ den Hund schon“. Wer nicht sprang, an diesem kalten Frühwintertag, war der Fuchs.

Abb.: Blick ins Buch; Bildquelle: Beate A. Fischer

»Auch mein allererster Hund war ein Terrier, und damals schwor ich, mich nie mehr mit einem Vertreter dieser Rasse abzugeben – 95 Prozent Schärfe und 5 Prozent Hirn! Doch der Hinweis auf mangelnde Schärfe machte mich neugierig. Wenn ein Züchter einen Junghund anbot, weil dieser angeblich untauglich war, dann durfte man hoffen! Wir beide, Heidi und ich, schauten uns also, trotz des immer noch gültigen Vorsatzes, die Hündin an. Irgendwie hatten wir beide ein gutes Gefühl und nahmen sie mit ins Allgäu. Um es kurz zu machen: Iris wurde ein mehr als nur brauchbare Jagdbegleiterin.«

Januar und Februar sind in den Niederwildrevieren traditionell die Monate der Raubwildjagden. Mein Jagdfreund Gerd – „der Mann mit dem richtigen Hund“ hatte mich und meinen Hund letztes Jahr auf eine Treibjagd auf Füchse im Wald eingeladen. Auf Gesellschaftsjagden geht man bekanntlich wegen der Gesellschaft und wenn man was schießt, dann ist das auch ganz schön. Auf jeden Fall startete der Tag mit einem frühen üppigen Frühstück bei Gerd und er endete mit einem Fuchs auf Strecke, nicht auf meiner, aber gesehen habe ich ihn immerhin. Die Hunde drückten ihn aus der Dickung und die Front kam zum Schuss. So ein Glück sonst wären 45 Jäger als Schneider nach Hause gegangen, so waren es nur 44. Und wir waren um einen herrlichen Jagdtag reicher, saßen zum Aufwärmen bei Grog mit Schnaps, Würstchen und Kartoffelsalat. Die Treibjagdjagd auf Fuchs ist im Wald eine anspruchsvolle Angelegenheit, es schmiegt sich weniger Lehm an die Stiefel, dafür greifen Brombeeren nach Jacke und Hose. Den Hund stört es wenig, seine Weste hing an dem Tier wie an einer Lumpenpuppe. Also alle hatten Spaß und freuten sich an dem Fuchs auf der Strecke.

Abb.: Hunde auf Treibjagd; Bildquelle: Beate A. Fischer

Eine andere Jagd führt mich und die Hunde in ein Naturschutzgebiet, also Jäger wollten sie da nicht, aber das Raubwild sollte die Bruten im Frühjahr nicht stören, musste also irgendwie weg. Auf keinen Fall sollte die Strecke verblasen werden. Kaum waren die Jäger am Sammelplatz, waren auch die Hörner draußen, wir lassen uns nicht um ein „Fuchs tot“ bringen.  

»Wenn wir in meiner Bubenzeit auf Niederwild jagten, dann reichten wir drei noch prüfungs- und waffenlos Jungjäger als Treiber nicht aus. Da mussten noch ein paar Bauern oder Rentner nicht aus. Da mussten schon noch ein paar Bauern oder Rentner mit durchgehen. Jeder hatte einen Stock, mit dem er an die Bäume klopfte, und alle gaben wir mehr oder weniger zivilisationsferne Laute von uns: „hop, hopp, hopp“ oder „brrrr“ oder „hus, hus, hus“. Meist sauste noch, giftig Laut gebend, der ein oder andere Hund im Treiben herum. Bei reinen Fuchstreiben hingegen, die bei uns im Jänner, manchmal sogar noch in der ersten Februarhälfte stattfanden, gingen wir zu zweit, allenfalls zu dritt durch. Da waren keine „Externen“ notwendig. Wir machten auch keinen Lärm.«

Nils Kradel, der Pfeifchenbauer aus Reinbek kommt jedes Jahr mit 1-2 neuen Modellen, Mauspfeifchen und Hasenklage etc. auf den Markt. Meinen ersten Lockjagderfolg hatte ich an der Falle. Abends gepfiffen, der Fuchs stand zu und Schnapp hinein ins Betonrohr. Ich war begeistert. Es klappte tatsächlich noch ein paar Mal. Ein paar Hühnerköpfe im Betonrohr taten wohl ihr Übriges.

»Und natürlich hört der Jäger auch draußen im Revier einmal einen Hasen klagen, den der Fuchs gerade greift. Ob unser Klagen echt klingt, können wir ebenfalls an der Reaktion der Dorfkatzen oder sogar Hunde testen.«    

Hespeler nimmt uns mit auf die Pirsch im Schneehemd, die Beizjagd auf Fuchs und das Brackieren und Ansitzen im Feld. Er kommt am Ende des Buches auf die Verwertung der Bälge. Warum schiessen wir den Fuchs, Tierschützer und Jagdgegner kommen immer wieder mit der Frage. Aus Spaß oder zum Schutz des Niederwildes, zur Vermeidung von Krankheiten wie Staupe und Räude oder auch zur Ernte reifer Bälge. Jeder mag eine eigene Philosophie damit verbinden.

Ich habe Freude an schönen Bälgen und lasse jedes Jahr ein paar ausgewählte vom Gerber zurecht machen. Es ist auch der Respekt vor der Kreatur. Ich bin kein Schädlingsbekämpfer – Respekt vor jeder Kreatur, die ich erlege, ist ein wesentlicher Teil der Jagd. Oft sind es bei uns kräftige Rüden mit dunkler Färbung, schön gezeichnete Bälge. Sie hängen bei mir in der Stube. Manche finde es abartig. Eine Frau auf einer Lesung musste sich umsetzen, sie konnte den Anblick nicht ertragen.

Ich erinnere mich als ich, zwei Füchse zum Streifen auf dem Hof stand, beide Arme voll Schweiß, das Skalpell in der Hand. Es kommt die Postfrau mit einer Hand voll Briefe auf den Hof gefahren, will sie mir zureichen, lacht, „Ich tue sie in den Kasten.“. Ich lache auch und sie fährt wieder.

»Allerdings ist keineswegs von jedem Fuchs, der im Hochwinter erlegt wird, der Balg auch verwertbar. Besonders unter den Jungfüchsen sind relativ viele, deren Bälge das teure Gerben nicht lohnen. Manche Füchse sind einfach auch so zerschossen, dass ihre Entsorgung durchaus zu rechtfertigen und vernünftig ist. Warum aber wirft ein Jäger, der im November ohne rot zu werden die Hubertusmesse besucht, um dort den Schöpfer im Geschöpfe zu ehren, einen Fuchs in vollem, prächtigen Winterbalg in den Container? Man kann auch anders fragen: Warum schießt er ihn?«

Abb.: Fuchsbälger; Bildquelle: Beate A. Fischer

Hespeler legt ein Buch vor, dass das Wissen eines Berufsjägers, die Leidenschaft eines Waidmannes und Liebe und Respekt der ganzen belebten Natur gegenüber miteinander vereint. Erzählungen aus einem Jägerleben wechseln sich ab mit kenntnisreichen Beschreibungen des Wesens und Lebens des Fuchses. Ein Buch geschrieben für jung-dynamische Raubwildjäger genauso wie für Städter, die den Fuchs nur als Kulturfolger auf der nächtlichen Straßenkreuzung kennen. Hochwildjäger, die den Fuchs nicht bejagen, aus den Angst den Hirsch zu verprellen, sollen bitte unbedingt die Finger davon lassen.

*

KRAUTJUNKER-Rezensentin:

Beate A. Fischer, geboren 1973, Jägerin seit 6 Jahren, Hundeführerin – verliebt in einem Vizsla sowie Co- und Stiefmutter eines Fox, schießt leidenschaftlich gern Jagdparcour und Flugwild, außerdem hat sich die afrikanische Sonne in ihr Herz gebrannt. Sie lebt im kühlen Nordfriesland auf einem Resthof, arbeitet als Rechtsanwältin und schreibt manchmal auch mal andere schöne Texte. 

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Titel: Fuchsjagern

Autor: Bruno Hespeler

Verlag: Österreichischer Jagd- und Fischerei-Verlag

Verlagslink: https://www.jagd.at/?seite=buch&id=778&fbclid=IwAR2NY5B0hmGFNZaB9uFRVuFZZFD49A42Gh27OfkcS05DG8fVkywdrJDJNGg

ISBN: 978-3-85208-154-0

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