Petri Heil: Die Kulturgeschichte des Angelns

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Buchvorstellung von Werner Berens

Petri Heil: Die Kulturgeschichte des Angelns überschreibt Markus Bötefür sein 170 Seiten starkes im Vergangenheits Verlag erschienenes Büchlein. Es enthält eben genau diese Kulturgeschichte und stützt sich dabei auf zahlreiche literarische Quellen, Überlieferungen, Zeichnungen, auf Funde und in Stein gemeißelte Reliefdarstellungen. So kommt der Autor von der Stein- und Bronzezeit bis in die Moderne. Er beschränkt sich dabei (glücklicherweise) nicht auf die Darstellung des Gewesenen und Seienden in nüchterner historischer Abfolge, sondern lässt von der Geschichte des Angelhakens bis zur prognostischen Zukunft des Angelns Anglerpersönlichkeiten und Angeltraditionen einschließlich ihrer Irrungen und Wirrungen auferstehen……. »Im Laufe der Geschichte war Angeln stets mehr als nur ein Hobby oder…….Beschäftigung mit dem Ziel, Fische für die Bratpfanne………zu erbeuten, sondern immer auch eine Form der inneren Einkehr«…..

Dass eine so verstandene Passion seltsame Riten, Aberglauben, Anglerlatein hervorbringt ist nicht verwunderlich und der Autor versteht es, diese dem Leser interessant und spannend zu berichten/zu erzählen. Entsprechende Abbildungen vermitteln eine Anschauung von den ersten –aus moderner Sicht- doch seltsam konstruierten Angelhaken bis zum Rapala-Wobbler.

Das Buch wird auch interessant durch die „zweigleisige“ Herangehensweise an die Geschichte des Angelns: auf der einen steht Seite die Beschreibung des stetigen Bestrebens, das Angelgerät technisch weiter zu entwickeln und zu verbessern:  Aus dem Angelhaken aus Knochen wird der geschmiedete Stahlhaken, aus dem Haselnussstecken das Bambusrohr, die Glasfaser- und Carbonrute. Nylon ersetzt das Haar aus dem Pferdeschweif. Angelrolle als Schnurbehälter und Drillhelfer tauchen erst spät in der Geschichte des Angelns auf. Auf der anderen Seite steht die Funktion des Angelns innerhalb der jeweiligen Gesellschaft. Die Griechen, Römer und Ägypter angelten und verbanden neben dem Nahrungserwerb damit Zerstreuung und Wettbewerb. Der adlige Gentleman am Devon und die Oberklasse an östereichischen Forellengewässern fischten mit Fliege und Spinnrute aus »sportlichen« Gründen- ganz anders als der »minderwertige Würmchenbader« aus dem Arbeiterangelverein. Insofern ist das Büchlein nicht nur eine Dokumentation des technischen Fortschrittes, sondern durchaus auch ein lesenswertes Dokument der Zeitgeschichte. Einige Beispiele aus dem Inhaltsverzeichnis mögen das veranschaulichen: Die Geschichte des Angelhaken……Angeln als höfisches Vergnügen im Mittelalter……..Angelgeräte des 19. Jahrhunderts………Eine Klasse für sich – die Anfänge des Fliegenfischens in Deutschland und Österreich……..Lauri Rapala und die Erfindung moderner Wobbler….

Quintessenz

Neben der Angeltechnik und der jeweiligen gesellschaftlichen Bedeutung des Angelns lernt der Leser auch einige Persönlichkeiten der Angelhistorie kennen – glücklicherweise nicht so ausufernd wie in anderen angelhistorischen Darstellungen. Dem Autor gelingt es, die nackten Fakten historischer Tatsachen in lebendiger Darstellung so zu vermitteln, dass der Leser sich in die jeweilige Zeit mitgenommen fühlt. Allerdings nimmt der Autor sich nicht selbst in die Zeit mit, sondern beurteilt manchmal in einer Sprache ironisierender Wertung aus der Perspektive des „woken“ Zeitgenossens das Geschehen. Dem Angler Bötefür sei es unbenommen, das elitäre Gehabe der Fliegenfischer in den Anfängen des Fliegenfischens unter zeitgemäßen „Gleichmachungsverpflichtungen“ verurteilenswert zu finden. Dem Historiker Bötefür dürfte das nicht unterlaufen. Auch wertende Abqualifizierungen z.B. der Autoren Horrocks »dünkelhafte Sprache« und Zeiler, weil sie damals so dachten und handelten, wie man das heute nicht tun dürfte, sind für Historiker „verboten“. Doch das sind im Rahmen des Ganzen Peanuts. Wer damit zurechtkommt, dass Bötefür nicht nur beschreibt, erklärt und erzählt, sondern auch wertet, findet eine lesenswerte Zeitreise durch die Kulturgeschichte des Angelns, die so ganz nebenbei die eigenen Gewissheiten relativiert, wenn man als Angler mit Hilfe des Buches die Erfahrung macht, dass alles, vor allem auch die anglerische Welt, dem steten Wandel unterworfen ist.

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Verlagsvorstellung des Autors

Markus Bötefür geb. 1965 in Oberhausen. Er studierte Geschichte und Germanistik an der Universität Essen und promovierte dort 1999. Es folgten mehrjährige Lehrtätigkeiten an Schulen und Hochschulen des In- und Auslandes. Zuletzt war er Hochschullehrer für Germanistik an der Prince of Songkla University in Pattani (Südthailand). Neben seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte er zahlreiche Beiträge zur Regionalgeschichte und Geschichte Südostasiens und zu Reisezielen in Asien. Außerdem arbeitet er als Angelguide am Niederrhein und betätigt sich als Krimiautor.

https://www.markus-boetefuer.de/

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Werner Berens

Werner Berens ist Fliegenfischer, Jäger, Autor und Genussmensch, der den erwähnten Tätigkeiten soweit als möglich die lustvollen Momente abzugewinnen versucht, ohne aufgrund kulinarisch attraktiver Beute übermäßig in die falsche Richtung zu wachsen. Als Leser und Schreiber ist er ein Freund fein ziselierter Wortarbeit mit Identifikationssmöglichkeit und Feind von Ingenieurstexten, die sich lesen wie Beipackzettel für Kopfschmerztabletten. Altermäßig reitet er dem Sonnenuntergang am Horizont entgegen und schreibt nur noch gelegentlich Beiträge für das Magazin Fliegenfischen.

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Becher aus Porzellan und Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Petri Heil: Die Kulturgeschichte des Angelns

Autor: Markus Bötefür

Verlag: Vergangenheitsverlag, Berlin

Verlagslink: https://www.vergangenheitsverlag.de/shop/Petri-Heil-Die-Kulturgeschichte-des-Angelns–Ein-Buch-von–147.htm

ISBN: 978-3-86408-254-2

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