Jagen im Cattle-Country: Farmjagd in Namibia

Buchvorstellung von Werner Berens

Das Buch hat mich überrascht. Erwartet hatte ich einen Leitfaden, in dem mir in staubtrockener Ingenieursdiktion erklärt wird, auf was man in Namibia und speziell in der Cattle-Country genannten Rinderfarmregion jagt und wie man das am besten anstellt. Doch der Autor besitzt die -auch unter Jagdschriftstellern- seltene Fähigkeit erzählend zu erklären, und zwar so spannend und pointiert, dass man im Buch bleibt, wenn man es mit der Absicht, erst einmal kurz hineinzulesen, aufgeschlagen hat und sich fragt, was auf der nächsten Seite Überraschendes lauert.

Nichts Wesentliches bleibt unerwähnt, besser unerzählt. Der Bogen spannt sich von der Betreuung durch den Jagdfarmer über die Trophäensammlung, die kleidungs- und waffentechnisch erforderliche Ausrüstung und die speziellen Bedingungen der Jagd auf jede vorkommende Wildart im Country. Ebenso Thema sind die Goes und No goes in Namibia, die speziellen Bedingungen in einem Land, in dem man anders jagt, jagen muss als im Kottenforst bei Köln. In dieser Hinsicht ist das Buch ein durchaus umfassendes Werk, welches man gelesen haben sollte, bevor man in staubigen namibischen Dornenlandschaften die eigene Belastbarkeit testet und gezwungen wird, Gewohntes und Gedachtes in Frage zu stellen.

Das eigentliche Plus des Buches ist aber, WIE der Autor seinen Leitfaden zum Leser bringt. Eine Liste, in der steht, was man braucht, wie man auf welche Wildart jagt und welche körperlichen und mentalen Herausforderungen den Hochsitzjäger aus Deutschland erwarten, kann jeder, der Telefonbucheinträge zu schreiben vermag. Diese Liste aber so zu erzählen, dass man sich im Land wähnt, während man darüber liest, ist eine überaus seltene Fähigkeit.

In blumiger, manchmal ironisierender Sprache und herrlich direkter Pointiertheit betrachtet der Autor seine und die Verhaltensweisen potentieller Namibiajäger aus ironischer Distanz und rückt das ein oder andere gerade »Machen Sie nicht zu viel in Luxus………..Die Waffe wird beim Transport auf dem Pick-up schon mal ordentlich durchgeschüttelt und bei Nachsuchen bemühen sich die Dornen, das edle Schaftholz nachzuarbeiten. (…) Ein 7×42…ja sogar ein 8×30 sind ausreichend. Die Gläser sind leicht und behindern bei einer Pirsch nicht so extrem wie die uns Ansitzjägern lieb gewordenen Botanisiertrommeln ab 8×56 aufwärts. (…) Der Polizist, der das Formular für die Waffenlizenz ausfüllt, ist in aller Regel um außerordentliche Sorgfalt bemüht. Das Tempo, das der Bengel vorlegt, ist für einen Chef-Chaoten aus Deutschland Anlass genug, den neu erworbenen Daktari-H utroh zu fressen.«

Mit dem gleichen ironischen Abstand schildert der Autor die Unterschiede der Jagd auf Kudu, Hartebest, Springbock, Zebra und alle anderen Wildarten, erzählt dabei im „Vorübergehen“, was man tun und besser lassen sollte. Der Autor stellt gleichzeitig deutsche Vorstellungen von Waidgerechtigkeit in Frage, indem er richtig bemerkt, dass die Verhältnisse im Land, im Country eine andere Art Jagd erfordern als die im Berliner Stadtwald übliche. Und auch das listet er nicht, sondern erzählt es, lässt kurze Situationsschilderungen für sich selbst sprechen- allerdings manchmal aus einer etwas paternalistischen Sicht auf die Eingeborenen. Was wichtig ist: Der Autor verliert das Wesentliche einer Jagd nicht aus den Augen: den Vorrang der Jagd als solcher vor der Trophäe. Eine Jagd kann auch erfolglos enden, muss erfolglos für den Jäger enden können.
»Mir war es am frühen Morgen gelungen, nach einer aufregenden Pirsch im Dickbusch, erst einmal einem guten Bullen das Leben zu schenken. Statt auf das auf ca. 80 Meter verhoffende Stück erfolgreich zu handeln, habe ich einen recht kräftigen und auch einige dünnere Äste auf den Boden gebracht. Und das trotz ausgiebiger Erkundung der potentiellen Flugbahn der 19,0 Gramm TUG.«

Wenn Jagd nicht erfolglos sein kann, weil Gatterwild wegen räumlicher Begrenztheit nichts anderes übrigbleibt als in die Laufmündung zu schauen, ist sie keine Jagd, sondern lediglich Trophäenakquise.  Die Beute, die Trophäe muss Lohn sein, Erinnerung an eine körperliche und mentale Anstrengung, die erfolgreich war.

Nur an einer einzigen Stelle vergisst der Autor diese Einstellung. Ein durch seine Freunde im Land vorbereitetes Geburtstagsgeschenk, eine Überraschung, ein Giraffenbulle, der ohne allzu großen jagdlichen Aufwand und deutlich größerem personellen Aufwand eher öffentlich hingerichtet als gejagt wurde, war die Ausnahme…Doch welcher Jäger hätte in solch einer Situation nein sagen können und wollen?

Quintessenz

Wer zum ersten Mal nach Namibia will, um dort zu jagen, MUSS das Buch lesen. Und wer nicht nach Namibia will, um dort zu jagen, sollte es dennoch lesen. Es fesselt, ob seiner sprachlichen und inhaltlichen Lebendigkeit jenseits aller Listenhaftigkeit. Es eröffnet eine andere Jagdwelt im besten Sinne. Es informiert  und nimmt gleichzeitig erzählend in das Land mit, in dem man noch gar nicht ist. Es malt mit Worten Bilder, die Lust darauf machen, dort zu sein und zu jagen, anders zu jagen als zu Hause und vielleicht sogar besser zu jagen in dem Sinne, dass die Jagd als solche, ihre Anstrengungen und Ansprüche auf Platz 1 der Erlebnisrangfolge stehen. Genau das hat das Buch- bis auf eine Ausnahme – mir vermitteln können.

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Werner Berens

Werner Berens ist Fliegenfischer, Jäger, Autor und Genussmensch, der den erwähnten Tätigkeiten soweit als möglich die lustvollen Momente abzugewinnen versucht, ohne aufgrund kulinarisch attraktiver Beute übermäßig in die falsche Richtung zu wachsen. Als Leser und Schreiber ist er ein Freund fein ziselierter Wortarbeit mit Identifikationssmöglichkeit und Feind von Ingenieurstexten, die sich lesen wie Beipackzettel für Kopfschmerztabletten. Altermäßig reitet er dem Sonnenuntergang am Horizont entgegen und schreibt nur noch gelegentlich Beiträge für das Magazin Fliegenfischen.

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Becher aus Porzellan und Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Jagen im Cattle-Country: Farmjagd in Namibia

Autor: Heinz Adam

Verlag: Neumann Neudamm

Verlagslink: https://www.jana-jagd.de/p/adam-jagen-im-cattle-country

ISBN: ‎ 978-3788820152

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