Carolina Rig: Suchmaschine für Räuber

von Sean Perez

Du stehst am Wasser und hast keine Ahnung, wo sich die Räuber gerade aufhalten? Kein Problem – mit dieser Montage findest Du sie garantiert! Das Carolina Rig, auch C-Rig genannt, ist eine fängige Abwandlung vom Texas Rig und wird überwiegend als flexible Suchmontage eingesetzt. Es ermöglicht eine natürliche Präsentation von Gummiködern aller Art, wie Krebsen, Creatures, Shads, Tubes und Würmern.

Carolina Rig 01

Das C-Rig ist kein Neuzugang unter den Angelmontagen. Bereits seit Jahrhzehnten beweist es sein großes Fangpotential. Über den Ursprung und Erfinder des Carolina Rigs ist wenig bekannt. Man geht jedoch davon aus, dass die ersten Versuche mit deisem Rig an den Santee-Cooper-Seen im US-Bundesstaat South Carolina stattfanden, was der Montage zu ihrem Namen verhalf.

Anders als das Texas Rig fristete das C-Rig jahrelang ein eher unscheinbares Dasein. Nur für eine Handvoll amerikanischer Schwarzbarschangler war die Montage ein Begriff, bis sie im Jahr 1985 einem aus Alabama stammenden Profi-Angler, Jack Chancellor, Zum Sieg beim Bassmaster Classic verhalf.

[Krautjunker-Kommentar: Angelwissen über dieses Turnier der Superlative gekürzt.]

Beim Thema Bassmaster Classic und den damit verbundenen Preisgeldern kann man schon zu träumen beginnen, aber nun zurück zu unserem Ursprungsthema: dem C-Rig. Nach dem Turniersieg erfuhr das bis dahin weitgehend unbekannte Rig jede Menge Aufmerksamkeit. Bei eingefleischten Bass-Anglern galt die neue Montage sogar als dem Texas Rig überlegen. Auch wenn beide Montagen im Laufe der Zeit einige Modifikationen erhielten, sind sie dennoch im Kern gleich geblieben.

Carolina ist anders

Im Wesentlichen besteht das Carolina Rig aus den gleichen Komponenten wie das Texas Rig. Der einzige Unterschied: Beim C-Rig sind Haken und Bullet Weight voneinander getrennt. Den Abstand erreicht man durch das Zwischenschalten eines Wirbels. In den USA werden überwiegend schwere Patronenbleie bei der Bass-Angelei eingesetzt. Gewichte zwischen 21 (3/4 oz.) und 28 Gramm (1 oz.) sind keine Seltenheit. Hier bei uns – und vor allem beim Finesse-Fischen – sind leichte Bleie zwischen drei (1/16 oz.) und sieben (1/4 oz.), manchmal auch zehn (3/8 oz.) und 14 Gramm (1/2 oz.) die Regel. Je feiner
und unauffälliger meine Präsentation sein muss, desto kleiner und leichter wähle ich das Blei. Durch den Abstand zwischen Gewicht und Haken wird zum einen die Köderaktion verändert, zum anderen der Aktionsradius des Gummis am flexiblen, beweglichen Vorfach deutlich erhöht.

Carolina Rig 06Abb.: Die Bauteile für beide Rigs sind nahezu identisch. Beim Carolina Rig (oben) kommt jedoch ein zusätzlicher Wirbel zum Einsatz.

 

Diese Eigenschaften sind mitunter der Grund, weswegen das Carolina Rig auch als Suchmontage zu verstehen ist. Anders als bei einer herkömmlichen Jig-Montage kann der Carolina-Köder extrem langsam und natürlich zum Gewässergrund absinken. Er ist einzig und allein durch sein Eigengewicht und das Gewicht des Hakens beschwert. Wählt man einen entsprechend leichten Greifer, lässt sich der Köder schwebend anbieten.

Es hat Klack gemacht

Zwischen Blei und Wirbel ziehen wir beim Carolina Rig eine Perle auf. Aber Vorsicht: In unserem Fall ist Perle nicht gleich Perle. In den vollgepackten Regalen vieler Angelshops finden wir die unterschiedlichsten Größen und Farben. Es gibt große und kleine, rote und schwarze Kugeln. Andere wiederum haben einen Perleffekt oder sind gar durchsichtig. Wie auch immer die persönlichen Farbpräferenzen ausfallen, anhand der jeweiligen Gegebenheiten haben wir die Wahl zwischen Glas- und Kunststoffperlen. In den USA werden auch Perlen aus Tungsten für das Carolina Rig verwendet. In Kombination mit einem Bullet Weight aus selbigem Material ist das Klackgeräusch noch lauter. Beim Anjiggen des Carolina Rigs treffen Bullet Weight und Perle aufeinander. Durch den Zusammenprall entsteht ein deutliches Klacken, das für einen zusätzlichen Reiz bei den Räubern sorgt. Vor allem in trüben Gewässern mit geringer Sichtweite bin ich davon überzeugt, dass dieses Geräusch die Fische neugierig macht und sie selbst aus einigen Metern Entfernung anlockt.
Bei trübem Wasser und weichem Grund setze ich auf Glas. Trifft das Blei auf die Perle, entsteht ein markantes akustisches Signal mit hoher Lockwirkung. Plastikkugeln hingegen erzeugen beim Zusammenprall ein dumpfes, weniger auffälliges Geräusch. Das heißt aber nicht, das Kunststoffperlen unnütz wären. Auf steinigem Grund oder bei schweren Bullet Weights sind sie klar im Vorteil, denn anders als bei Glas splittert Kunststoff nicht, wenn es vom Blei einen harten Schlag abbekommt oder auf steinigen Boden trifft. Angeknackste Glasperlen tausche ich sofort aus, im schlimmsten Fall können sie mit ihren scharfen Kanten die Schnur beschädigen. Und noch einen Vorteil haben die Perlen aus Plastik: Das gedämpfte Geräusch sorgt bei vorsichtigen Räubern für weniger Skepsis. Achte also beim Kauf darauf, aus welchem Material die Perlen bestehen und dass die Kugelgröße zur Montage passt – sie sollte in etwa denselben Durchmesser wie das Bullet Weight haben.

Um das Bullet Weight auf der gewünschten Stelle zu halten, verwende ich kleine Gummistopper. Noch raffinierter sind sogenannte „T-Stops“. Die aus Silikon hergestellten Stopper haben die Form eines Nagels – sind dabei aber weich und flexibel. Mit ihnen lässt sich das Bullet Weight an jede beliebige Stelle am Vorfach fixieren und man kann aus einem C-Rig blitzschnell ein T-Rig machen.

Angel-Tipp: An Gewässern mit starkem Angeldruck sind die Fische oft scheu und nur mit Mühe und Fleiß an den Haken zu kriegen. Sie sind misstrauisch und verschmähen
alles, was ihnen unnatürlich erscheint. Wer es mit solchen Bedingungen zu tun hat, lässt einfach die Perle zwischen Bullet Weight und Wirbel weg. Eine geräuschlose (silent) Montage ist ohne lautes Klacken um einiges natürlicher und erweckt weniger Misstrauen bei heiklen Räubern. Wer ihnen die maximale Finesse-Ladung um die Ohren hauen will, reduziert seine Montage aufs Nötigste und verzichtet auf den Wirbel.

 

Carolina Rig 07

Abb.: Schlanke Tungsten Weights, wie hier abgebildet, gleiten besonders leicht durchs dichte Kraut.

Carolina Rig 03

Carolina Rig 05

Abb.: Sogenannte T-Stops ermöglichen einen schnellen Wechsel zwischen T-Rig und C-Rig – ganz ohne den Einsatz eines Wirbels.

Wer sucht, der findet

Mit dem C-Rig haben wir ein mächtiges Fangwerkzeug in unserem Köderarsenal. Während ich die Vorteile vom Texas Rig an mir bereits bekannten Hotspots und Strukturen ausnutze, setze ich das Carolina Rig ein, um:
• die Bodenbeschaffenheit des Gewässers zu ermitteln
• markante Unterwasserstrukturen zu finden
• mit einer langsamen, natürlichen Präsentation möglichst viel Fläche nach (passiven) Fischen abzusuchen

Das Carolina Rig eignet sich besonders gut, um die Strukturen Deines Gewässers zu erforschen. Indem Du die Montage langsam schleifst oder leicht anjiggst, sorgst Du immer wieder für den nötigen Grundkontakt und kannst so den Boden Stück für Stück abtasten. Berührt das Blei nach dem Absinken den Grund oder trifft es auf ein Hindernis, geben Dir die vom Blei übertragenen Impulse Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit und Strukturen im Gewässer. Nur an krautreichen Stellen kommt das C-Rig schnell an seine Grenzen. Bei starker Vegetation schneidet das kompakte Texas Rig in Sachen Führung und Bisserkennung besser ab. Beim Carolina Rig besteht hier die Gefahr, dass sich das bewegliche Vorfach schnell verheddert und Bisse schlecht oder gar nicht erst wahrgenommen werden.

 

Carolina Rig Sean Perez

Abb.: Unauffällig fängt: Bei viel Sonnenschein verderben mattierte Bleie und Weights den Fischen nicht durch unnatürliches Glänzen und Aufblitzen den Appetit.

 

[KRAUTJUNKER-Kommentar: Die Abschnitte „Die nötige Härte“ samt „Angeltipp“ sowie „Vom fängigen Leichtgewicht zur schnellen Suchmaschine“ und „Tackle“ samt „Tackle-Tipp“ mit Binde-Grafiken“ wurden aus diesem Blogbeitrag gekürzt.]

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Verlagsvorstellung des Autors: 
Sean Perez wurde etwas südlich von New York, im Schatten des »Big Apple«, geboren und wuchs an der Ostküste der Vereinigten Staaten auf. Dort machte er seine ersten Finesse-Erfahrungen beim Schwarzbarschangeln. Schon mit vier Jahren begann sein anglerischer Werdegang, als er zum Geburtstag die erste Angelrute bekam. Ab diesem schicksalhaften Tag verbrachte Perez nahezu jede freie Sekunde mit dem für ihn schönsten Hobby der Welt: dem Angeln. Nach seiner Studienzeit sammelte er mehrere Jahre Redaktionserfahrung beim »BLINKER«, 2014 ging er den Schritt in die Selbstständigkeit und leitet seitdem den Angelgerätegroßhandel »Clickbaits GmbH«. Seine Angelerlebnisse teilt Sean Perez weiterhin als freier Autor, unter anderem in der Zeitschrift »Rute & Rolle«. Ins Visier nimmt er bei seinen Streifzügen an die Gewässer vor allem Raubfische wie Barsch, Zander und Forelle, während bei Angelreisen ins Ausland der feurige Black Bass im Mittelpunkt steht. Das Finesse-Angeln, eine moderne Art des Spinnangelns, ist sein Spezialgebiet.

http://misterfinesse.de/

https://marjorie-wiki.de/wiki/Sean_Perez

 

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook.

Finesse-Angeln

Titel: Finesse Angeln – Raubfische clever fangen

Autor: Sean Perez

Fotos: S. Perez und A. Winter

Verlag:  Müller Rüschlikon

Verlagslink: https://www.motorbuch-versand.de/product_info.php/info/p10784_Finesse-Angeln.html

ISBN: 978-3-275-02121-5

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Erste Veröffentlichung: https://krautjunker.com/2018/08/24/texas-rig-der-finesse-klassiker/

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