Füchse – Unsere wilden Nachbarn

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Buchvorstellung

»Stellen wir uns einen Fuchs vor«, ist die Einleitung zu dem Buch der englischen Ökologin Adele Brand und jeder Mensch hat das clevere rothaarige Raubtier gleich vor Augen, welches seit den ersten Tagen der Menschheit unser wilder Nachbar ist.

Insbesondere englische Autoren lieben es, verzauberte, lebenspralle »Landschaften voller Geheimnis und Poesie« zu schildern, in denen der Fuchs ein Leben führt »umwogt von Legenden, die Freund und Feinde in die Welt gesetzt haben.« Es ist nun einmal so, dass im 21. Jahrhundert die meisten Menschen Wildtiere aus den Massenmedien kennen, wo sie durch unberührte Landschaften streifen.

In der Realität verhält es sich heute allerdings so, dass wir im Anthropozän leben, dem als Zeitalter menschlicher Dominanz. So existieren in England kaum noch unberührte Landschaften. Füchse finden in menschlichen Siedlungen mehr Nahrung und werden weniger bejagt, als auf land- oder forstwirtschaftlichen Flächen. Doch diesen rothaarigen Raubtieren urplötzlich in städtischen Gassen oder dem eigenen Garten zu begegnen, erscheint englischen Städtern oftmals als eine Herausforderung an ihre Vorstellung von Normalität und löst Staunen und Ängste aus.

Abb.: Rotfuchs; Abb.: Photo by Erik Mclean on Unsplash

Womöglich trifft dies insbesondere auf die britische Sicht der Dinge zu, wo seit zwanzig Jahren das Verbot der berittenen Fuchsjagd als unterschwelliger Klassenkampf geführt wird. Rotfüchse sind tatsächlich die größten verbliebenen Raubtiere der britischen Inseln – selbst Wildschweine waren vor kurzem ausgerottet. So scheinen die Insulaner in zwei Gruppen zu zerfallen: Tierliebhaber, die städtische Füchse vermenschlichen und sie füttern und jene, die den Raubwild-Aspekt betonen.

Egal, durch welchen Filter wir sie sehen, Füchse kommen mit uns bestens zurecht und streifen seit jeher in unseren Siedlungen herum. Neben einem Unterschlupf, der sie vor Feinden und dem Wetter schützt, brauchen sie auch nicht viel:
»…am Tag etwa 120 Kilokalorien pro Kilo Körpergewicht. Das entspricht etwa neun Wühlmäusen oder einer Ratte täglich – oder einem Doppel-Cheeseburger mit Pommes. So viel Nahrung fällt auch noch in den trostlosesten Städten ab.«

»Die ersten britischen Füchse haben sich wahrscheinlich an den Kadavern von Europäischen Waldelefanten (siehe: https://krautjunker.com/2020/05/29/300-000-jahre-alter-waldelefant-aus-schoningen-fast-vollstandig-erhalten/) gütlich getan, die von Höhlenlöwen erjagt wurden, und mit Sicherheit haben sie das durchdringende Lachen von Tüpfelhyänen gehört. Wenn Sie sich das nächste Mal wundern, wieso ein Fuchs einfach dasitzt und sie anschaut, statt in Panik wegzulaufen, denken Sie daran, dass diese Tiere schon vor Jahrtausenden mit gefährlichen Raubtieren umgehen mussten. Dabei haben sie ihre ganz eigene Strategie entwickelt: Sie warten in sicherer Distanz und immer im Wissen um nahegelegene Fluchtmöglichkeit, sei es ein Fuchsbau oder eine Lücke im Zaun. Wenn sie im Pleistozän vor jeder Säbelzahnkatze, jedem Europäischen Jaguar und jedem Höhlenbären sofort weggerannt wären, hätte der Energieverschleiß sie zu Krüppeln gemacht.«

»Der Fuchs kein Eindringling in unsere Welt. Vielmehr haben wir mit unseren modernen Ambitionen eine Landschaft, die ihm seit langem vertraut ist, grundlegend verändert.«

»Sie finden sich des Öfteren in menschlichen Gräbern von Kfar Hohoresh im heutigen Israel, deren Alter auf rund 8600 Jahre geschätzt wird. Steinreliefs von Füchsen mit buschigen Schwänzen schmücken auch die Säulen von Göbekli Tepe in der Türkei – diese prähistorische Anlage gilt als ältester Tempel der Welt.«

In den Legenden und Märchen zahlloser Völker – denn das Verbreitungsgebiet der Füchse ist enorm – beglücken, täuschen oder verwirren die schlauen Raubtiere uns Menschen.

Abb.: Rotfuchs; Photo by Tj Holowaychuk on Unsplash

Selbst Leser, die meinen, schon einiges über Füchse zu wissen, werden auf unterhaltsame Art mit Neuem konfrontiert.
»Fuchsurin riecht stechend, was an dem darin enthaltenen Methylsulfit und zwei anderen flüchtigen Inhaltsstoffen liegt. Nach frischen Regenfällen sind von Füchsen markierte Areale besonders geruchsintensiv. Auch große Hitze intensiviert den Geruch. In den USA wird diese Eigenschaft des Fuchsurins interessanterweise gegen Diebe eingesetzt. Vielen kommerziellen amerikanischen Baumplantagen und auch einigen Universitäten werden immer wieder Kiefern gestohlen, offenbar als kostenlose Weihnachtsbäume. Mittel der Wahl ist, die Bäume mit dem Urin von Füchsen einzusprühen. Draußen in der kühlen Dezemberluft wirkt der Baum vollkommen harmlos. Doch wenn ein Dieb ihn fällt und sein kuschelig warmes Wohnzimmer damit schmückt, dann – drücken wir es so aus – wird dieses Weihnachtsfest allen Nasen unvergesslich in Erinnerung bleiben.«

Laut der Autorin ist es ein tauglicheres Mittel als die Jagd, Füchse zu vertreiben, indem man mit dem ungiftigen Wirkstoff namens Scoot die Duftmarken von Füchsen auslöscht. Denn wo es keine Grenzen gibt, verschwindet das Eigentum und somit bald der Eigentümer. Liest sich schon irgendwie aktuell politisch.

Immer mehr versteht man das evolutionäre Erfolgsmodell Fuchs. Seinen Körperbau und Sinnesapparat, das komplexe Sozialverhalten, seine Jagd- und Fluchtstrategien… Deutlich wird die Plastizität seiner Überlebensstrategien, so dass Adle Brand am Ende resümiert:
»Anpassungsfähigkeit. Das ist die eigentliche Gabe der Füchse.«

Abb.: Blick ins Buch; Bildquelle: C.H.Beck

Der ehemalige Ministerpräsident Indiens, Atal Bihari Vajpayee, sagte einmal, »Freunde kann man ändern, Nachbarn nicht.« Von daher ist es gut, viel über unsere wilden Nachbarn zu wissen, um sich im Guten wie im Schlechten keine Illusionen zu machen.

*

PRESSESTIMMEN

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Kai Spanke
In erster Linie möchte die Ökologin Verständnis für ihren Protagonisten wecken (…) ein faszinierendes Kaleidoskop.

Sunday Times
Ein wunderbares Buch.

Kirkus Review
Was Sie schon immer über den Fuchs wissen wollten.

FALTER, Klaus Nüchtern
Ob Höhlenmalerei, Mythos oder Märchen: Der Fuchs beschäftigt unsere Fantasie wie kaum einanderes Tier

Goslarsche Zeitung
In elf Kapiteln vermittelt Brand alles, was man braucht, um die Lebensweise der Tiere besser zu verstehen. (…) Ein kurzweiliges und spannendes Buch.

Neue Zürcher Zeitung, Andrea Lüthi
Ihre persönlichen Schilderungen sind voller unterhaltsamer Anekdoten.

NEWS Buchtipp
In flotter Erzählweise schildert (Adele Brand) das Leben der Füchse (…) ein wunderbares Plädoyer für Meister Reineke.

BUNTE, C. Dreckmann
Adele Brand schreibt bezaubernd über Reineke Fuchs.

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Tobias Rüther
(…) ihrem engagierten Buch ist der fast verzweifelte Wunsch anzumerken, eine hocherhitzte Debatte über den Raum, den man Wildtieren lassen muss, auszukühlen.

New York Times Book Review
Teils poetisch, teils direkt, witzig und wissenschaftlich fundiert (…) eine Ode an dieses vertraute und doch geheimnisvolle Wesen.

Publishers Weekly
Adele Brand bietet in diesem klugen, zugänglichen Buch einen höchst lebhaften Blick auf den Fuchs.

*

VERLAGSVORSTELLUNG DER AUTORIN

Abb.: Adele Brand; © Foto: Gillian Brand

Adele Brand ist Ökologin und hat schon als Kind in ihren Tagebüchern über Füchse geschrieben, die die Passion ihres Lebens wurden. Sie hat Füchse auf vier Kontinenten studiert, Forschungsprojekte in fünf verschiedenen Ländern geleitet, verwaiste Fuchswelpen aufgezogen und verletzte Füchse gepflegt. Bei all dem setzt sie sich leidenschaftlich dafür ein, die Verbindung der Menschen mit der Tierwelt zu stärken.

*

Adle Brands C.H.Beck-Fragenbogen 17aus63

1. Was haben Sie im Studium fürs Leben gelernt?
Wenn jemand eine dramatische Behauptung über eine wissenschaftliche Angelegenheit aufstellt, schau dir immer die Ausgangsdaten an, um zu prüfen, ob diese Behauptung wirklich stimmt.

2. Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Himbeerenpflücken auf einem Bauernhof in der Nähe.

3. Wie sieht ein gelungener Tag in Ihrem Leben aus?
Ein langer Spaziergang in einer Landschaft mit Wildblumen und zerklüfteten Bergen, dann ein gemütliches Gespräch in der Familie und schließlich ein wenig Schreiben mit heißer Schokolade.

4. Was möchten sie immer wieder tun?
Es ist für mich eine Tradition, jedes Jahr nach dem Orion und den anderen gut sichtbaren Konstellationen des Winterhimmels Ausschau zu halten. Astronomie ist eine faszinierende Sache.

5. Was ertragen Sie nur mit Humor?
Den Bahnservice in meiner Gegend. Vielleicht war er mal pünktlich, als meine Vorfahren ihn benutzten, aber seit Menschengedenken war er das nicht mehr.

6. Welche drei Geister würden Sie gern zum Dinner einladen?
Einen der Maler, die in der Höhle von Lascaux gearbeitet haben, den ersten Pfarrer der eintausend Jahre alten Kirche in meinem Dorf und Jules Verne.

7. Der beste Ort der Welt, der beste Ort in Ihrem Dorf?
Es fällt mir schwer, nur einen zu wählen, denn viele Orte haben mich aus unterschiedlichen Gründen beeindruckt. Die windgepeitschten Prärien im Süden Kanadas, das herrschaftliche Mattertal in der Schweiz und die zeitvergessenen Dörfer Transsilvaniens kommen mir gerade in den Sinn. In meinem Dorf gibt es einen alten Fußweg, der durch Wiesen voller wilder Pflanzen und Tiere führt.

8. Welche Künstler beeindrucken Sie?
Ist es sehr seltsam, wenn ich antworte: das Meer? Von den winzigsten Mustern im Sand bis hin zu den Brandungstoren vor der kalkhaltigen Südküste Großbritanniens ist es eine Quelle der Inspiration und des Staunens.

9. Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Menschen am meisten?
Empathie, Glaubwürdigkeit und Gedankentiefe.

10. Ihr liebstes Smalltalk-Thema?
In der Praxis wahrscheinlich das Wetter (wie bei den meisten Briten!).

11. Ein unvergesslicher Ort, an dem Sie waren?
Es gibt ein Dorf in der Wildnis Westkanadas, in dem ich das Beste und das Schlimmste im Zusammenleben von Menschen und Wildtieren gesehen habe. Ich habe dort einen Sommer lang gelebt und bekam vieles zu sehen, was schwierig war – und mich animierte, mich für die Verringerung von Konflikten zwischen Menschen und Wildtieren einzusetzen.

12. Was für eine Art Leser waren Sie als Kind?
In der Schule war ich dafür bekannt, die Pausen im Gang mit einem Buch zu verbringen! Ich war ein großer Fan der Chroniken von Narnia (C. S. Lewis) und der Reihe Swallows and Amazons (Arthur Ransome). Ich las auch viele Sachbücher über Tiere, und je dicker das Buch, desto besser!

13. Welche Bücher stehen gerade ganz weit oben auf Ihrer Leseliste?
Im Moment freue ich mich auf die Lektüre von The Missing Lynx. The Past and Future of Britain’s Lost Mammals von Ross Barnett.

14. Ihr Lieblingsmuseum?
Ich denke, hier sollte ich einfach die ganze Stadt York nominieren, weil sie voll von ausgezeichneten Museen ist.

15. Ihr Lieblingskomponist?
Edward Elgar. Auch das Werk von Ludovico Einaudi mag ich sehr.

16. Welches Buch würde niemand in Ihrer Bibliothek erwarten
Life in the Medieval Cloister von Julie Kerr. Ich erkunde gerne das Leben der Menschen in der Vergangenheit.

17. Ein Buch, das Ihr Leben verändert hat?
Wolf Country. Eleven Years Tracking the Algonquin Wolves von den beiden kanadischen Biologen John und Mary Theberge. Ein beeindruckender und ernüchternder Einblick nicht nur in eine bedrohte Tierart, sondern auch in die Frage, wie man reagiert, wenn Menschen eine leidenschaftliche Feindschaft gegenüber wilden Tieren entwickeln. Wegen dieses Buches habe ich mich im kanadischen Naturschutz engagiert, und das hat mein Verständnis von Wildtieren auch in Europa geprägt.

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine lebhafte Facebook-Gruppe, sondern jetzt auch Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Füchse – Unsere wilden Nachbarn

Autorin: Adele Brand

Übersetzung: Beate Schäfer

Verlag: C.H.Beck

Verlagslink: https://www.chbeck.de/brand-verborgene-welt-fuechse/product/30312671

ISBN: 978-3-406-75113-4

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