Trawler

Buchvorstellung

In den Kommentaren der KRAUTJUNKER-Facebook-Gruppe unter der Buchvorstellung von Der Schneeleopard (siehe: https://krautjunker.com/2021/06/01/der-schneeleopard/) kommentierte ein Frank v. Maydell, den ich als den Baltischen Bibliomanen schätze, wie folgt:
„Ja, interessant, das Nebeneinanderhalten der beiden Betrachtungen. Ohne das Buch gelesen zu haben: Man erhält den Eindruck, Pose und Projektion sind dem Autor sehr wichtig, und für das Publikum vermutlich auch Kaufargumente. Ob und daß Pose und Projektion als solche zu schätzen sind, da scheinen sich die Rezensenten uneins. Wer an diesem Sujet Freude hat, dem seien mit Nachdruck empfohlen die „Reiseberichte“ von Redmond O´ Hanlon. Posiert irgendwie auch, natürlich, aber weniger französich heldisch, mehr angelsächsisch ironisch. https://en.wikipedia.org/wiki/Redmond_O%27Hanlon

Aus den Veröffentlichungen bestellte ich mir den Reisebericht Trawler, über das der Klappentext des Buches steht:
»Kann das gutgehen? Redmond O’Hanlon, Mitte Fünfzig, Literaturprofessor und einer der bekanntesten Reiseschriftsteller, der das Meer bislang nur per Autofähre überwand und vom Leben auf hoher See nicht den blassesten Schimmer hat, an Bord eines Trawlers?
Mit typisch britischem Humor begleitet er eine Crew aus Hochseefischern auf ihrem Beutezug im Atlantik. Und stellt sich zwischen den Orkneyinseln und Grönland den denkbar härtesten Bedingungen: Enge. Seekrankheit. Die Jagd auf Fisch und der alles durchdringende Gestank. Schuften bis zum Umfallen, Erschöpfung, Unfälle, Verletzungen. Wellen so hoch, daß Schiffe mittlerer Größe darin verschwinden. Alle zwölf Stunden maximal eine Stunde Schlaf – und das vier Wochen lang. Schreien und Brüllen, bei Tag und bei Nacht. Tosende weiße See, die Luft ein einziger Nebel, schneidender Wind, Wasser von oben und unten, Sicht gleich null. Selbstironisch und weißbegierig nimmt O’Hanlon den Kampf mit den Urgewalten auf, als ein Orkon mit Windstärke zwölf über die Norlantean und ihre Besatzung hinwegfegt…«

Darunter ist ein Ausschnitt aus der Rezension im GUARDIAN eingefügt:
»O’Hanlon ist der beste Kamerad an Bord, den man sich nur wünschen kann: humorvoll, klug und beredet. Sein Buch ist gewürzt mit Anekdoten und Witz. Es geht total unter die Haut und ist schonungslos offen geschrieben. Eine Hommage an den Mut und die Ausdauer der Seeleute. Sie werden Ihre Fish’n Chips von jetzt an mit anderen Augen sehen.«

Das Buch hat mich informativ unterhalten, so dass ich nicht in Versuchung kam, es liegen zu lassen. Wobei ich immer noch nicht recht weiß, wie ich es einsortieren soll, denn der Text besteht zum größten Teil aus seitenlangen wörtlich wiedergegebenen Gesprächen und halluzinierenden Halbwachträumen. Vermutlich soll dies auf gewitzte Art den Kontrast zwischen den hart arbeitenden schweigsamen Seebären und dem schwatzhaften Literaturprofessor mit den Mädchenhänden illustrieren. Auf den Shetland Inseln nennt man Plappermäuler wie O’Hanlon abwertend „Said“ (he said something, er hat geredet).  Die schweigsamen Shelties lachen über Witze wie: „Mensch, da war einer so verliebt in seine Frau, er hätte es ihr beinahe verraten!“

Mit der Erzählform des fast ununterbrochenen Gedanken- und Geredestromes von Trawler wurde ich nicht so recht warm. Hingegen war ich davon berührt, wie nahe mir die einzelnen Mannschaftsmitglieder dieses Himmelfahrtskommandos wurden. Verblüffend dann die jungen Männer auf den Fotos in der Mitte des Buches. Ältere Männer halten so einer Tortur aus härtester Arbeit und Schlafentzug auch körperlich wohl kaum mehr stand. Die Schilderungen der gefangenen Fischarten aus den Tiefen des Nordatlantiks sowie der offenkundig destruktiven EU-Vorschriften, welche die Besatzung zwang, wertvolle und schon tote Fische über Bord zu schmeißen, gaben mir viel zu denken. Es ist faszinierend und traurig, dass die Wissenschaft von dem Grund des Nordatlantiks mit seinen Unterwasser-Gebirgen und -Schluchten sowie den Strömungen und Wasserschichten, noch so wenig weiß. Davor, wie der Autor mit den Mädchenhänden zwei mörderische Wochen lang den »Irrsinn der Hochseefischerei« durchstand und was er mit Witz Wissenswertes zu berichten weiß, ziehe ich den Hut.

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Mehr Videos von Redmond O’Hanlon hier:
https://www.youtube.com/results?search_query=Redmond+O%27Hanlon+(1%2F86)

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Outdoor-Becher aus Emaille. Die Kontaktmail für Anfragen befindet sich im Weblog-Impressum.

Titel: Trawler

Autor: Redmond O’Hanlon

Übersetzung: Jochen Schwarzer

Verlag: Malik; 1. Edition (1. Januar 2005)

ISBN: 978-3890292953

Kommentar: Der Titel ist nur noch antiquarisch erhältlich. Bei Interesse empfehle ich die Suche über https://buchhai.de/.

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