Wild

Buchvorstellung

In der Wildnis Alaskas, die in ihrer weglosen Weite und dem frostigen Klima dem eiszeitliche Europa der ersten Menschen ähnelt, lebt die siebzehnjährige Tracy mit ihren Eltern und ihrem Bruder. In dem unberührten Land am Polarkreis gibt es nur wenige Siedlungen und ein spärliches Straßennetz, auf dem die Einwohner mit Allrad-Pickups verkehren. Nationalsport ist das Schlittenhunderennen. Die Eltern von Tracy züchten Schlittenhunde und ernähren sich von der Jagd.

Tracy ist ein wildes Kind, welches jede freie Minute unter freiem Himmel in der Natur verbringt. Bevor sie lernte Bücher zu lesen, lernte zu den nördlichen Wald zu lesen. Wie einst ihr Vater, möchte sie das Iditarod gewinnen, das längste Schlittenhunderennen der Welt und da weiß, was Hunden im Kopf rumgeht, stehen ihre Chancen gut. Seit sie stehen kann, fährt sie hinten auf dem Schlitten mit. Seit ihrem zehnten Lebensjahr geht sie alleine auf den Trail, auch über mehrere Tage. In ihrer freien Zeit durchstreift sie pirschend und Fallen stellend die Wälder. Seitdem sie mit vier oder fünf Jahren instinktiv begann das Blut ihrer Beute zu trinken nimmt sie dadurch deren Erinnerungen und Lebensenergie auf.

»Auf diese Weise lernte ich von den Tieren, die ich erbeutete, was ich wissen musste. Manche Dinge hatte ich auch aus Büchern. Du schlägst ein Buch auf, saugst die Worte ein und weisst danach, wie man eine Totschlagfalle baut oder einen Unterschlupf im Schnee findet. Es ist wie Trinken, du nimmst es in dir auf, und dann ist es Teil von dir.
Auch bei der anderen Art von Lernen nimmst due es in dir auf. Es ist warm und strömt durch dich hindurch, es durchzuckt deine Muskeln und schärft deine Sinne, und plötzlich siehst du ganz klar, nicht nur mit den Augen, sondern mit deinem ganzen Ich, und due weisst Sachen, die du vorher nicht gewusst hast. Wie ein Eichhörnchen sich seinen Weg sucht, wenn es von Ast zu Ast springt. Dass eine Maus dich hört, lange bevor sie dich sieht. Dass ein Schneeschuhhase im Zickzack rennt anstatt auf einer geraden Linie, um damit seine Jäger zu verwirren. Und jedes Stück Wiese macht die nächste Jagd leichter.«

Ist sie gezwungen, auf die Jagd zu verzichten und zu Hause zu bleiben, geht es ihr elend.
»Ich wurde erst launisch, dann krank, mein Magen ausgehöhlt und kalt. Nachts träumte ich davon, wie ich auf allen vieren durch den Wald lief und meine scharfen Zähne in die Haut meiner Beute versenkte. Am Morgen wachte ich erschöpft auf, aschfahl und hungriger als je zuvor.«

Ohne Vorwarnung kollidiert sie in ihrer Waldeinsamkeit mit einem Fremden, dem sie in Notwehr ihr Messer in den Leib rammt. Ein junger Herumtreiber namens Jesse beginnt für Kost und Logis auf dem Hof zu arbeiten. Tracy verliebt sich in Jesse, der ebenfalls mit dem Fremden unschöne Erfahrungen erlitt und lebt seitdem in der sich steigernden Furcht vor dessen Rache, die sich ins Paranoide steigert. Schließlich kommt es zu einer Katastrophe und das Ende ganz anders ist, als angenommen.

Den Roman Wild kann man keinem klassischen Genre zuordnen. Es ist Nature Writing, in dem Naturerfahrungen und biographische Erlebnisse verknüpft werden. Es ist ein Horror-Roman, der aber keine klassisch bösen Monster kennt. Es ist ein Thriller, den man als Country Noir oder Black Country bezeichnen kann. John Irving beschreibt diesen Roman als „ungewöhnliche Liebesgeschichte und gruseligen Horrorthriller, der sowohl an die Brontë-Schwestern wie an Stephen King gemahnt“. Das Buch ist in der Ich-Perspektive einer extremen und animalischen Persönlichkeit geschrieben, in deren Kopf die Realität in Visionen abgleitet. Viele Stellen musste ich mehrfach lesen, um sie richtig einordnen zu können. Wild ist keine leichte und angenehme Lektüre und erfordert Konzentration sowie Lesekompetenz. Das Buch über die animalische Tracy ist faszinierend, zugleich verstörend und voller unglaublicher Wendungen.

„Seltsam, aber so steht es geschrieben“ war immer der letzte Satz in den Gespenster-Comics und könnte auch am Ende dieser düsteren und wilden Lektüre stehen.

*

Pressetimmen

Eine faszinierende Variante des zurzeit hoch im Kurs stehenden »Nature Writing«, ein Roman, der seine »paranormalen« Elemente dazu benutzt, um tradierte Abgrenzungen zu schleifen beziehungsweise zu ignorieren: die Grenzen zwischen Mensch und Natur, zwischen Intellekt und Instinkt, die Grenzen zwischen Geschlechterrollen und Geschlechteridentitäten.
— Thomas Wörtche, Deutschlandfunk Kultur

Eine einzigartige Interpretation des Country Noir.
— Publishers Weekly

Ein grosser Roman über Identität und ihre Grenzen.
— Canal+

Ein eindringlicher, phantastischer Roman, der von einem Mädchen getragen wird, das nach Blut und nach Liebe dürstet.
— L’Obs

Eine Hymne auf die Natur, aber auch ein phantastischer Roman und ein Thriller, der seinem Titel alle Ehre macht.
— Libération

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe sowie Becher aus Porzellan und Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel: Wild

Autorin: Jamey Bradbury

Übersetzung: Lydia Dimitrow

Verlag: Lenos Verlag

Verlagslink: https://lenos.ch/buecher/wild

ISBN: 978-3-03925-024-0

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