Kleine Köder, große Schiffe, Teil 2: Partygarnelen und träge Platten

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von Thomas Raak

Nachdem die Mole besichtigt und Angelstellen ausgemacht waren, ging es zurück zur Ferienwohnung, Angel und Köder holen. Da es im letzten Jahr, in einem kleinen Hafen an der Schleimündung (siehe: https://krautjunker.com/2025/06/13/angeln-in-kappeln-an-der-schlei-oder-mannerurlaub-mit-uberraschungen/)recht erfolgreich verlief, wollten wir auch hier, im Rostocker Ortsteil Warnemünde, mit dem Dropshot-Rig angeln und schauen, was beißt. So griffen wir zu leichten Spinruten mit 3000er Rollen mit Geflechtschnur. Neben Dropshot-Rigs mit Seitenarm und mittelgroßem Haken, 15 g und 20 g-Bleie landeten je eine Packung Tauwürmer und Garnelen im Gepäck.

Abb.: Foto: Sonnenuntergang; Bildquelle: Thomas Raak

Als wir mit beginnender Dämmerung den Kai erreichten, war ein imposantes Schiff daran vertäut. Ich musste den Kopf schon ordentlich in den Nacken legen, um bis zur Brücke hochzuschauen. So etwas sieht man auch nicht alle Tage. Da so ein Koloss auch entsprechenden Tiefgang hat, bedeutete das aber auch, dass das Wasser selbst direkt vor unseren Füßen recht tief sein musste. Beim ersten Auswerfen der Montage dauerte es auch einige Zeit, bis das 20g-Blei den Grund erreichte. Ich schätzte die Wassertiefe auf 7-8m, was sehr von Vorteil für das Dropshot-Angeln ist, da die Montage schön aufrecht steht und der Köder, gerade am Seitenarm, nicht über den Grund schleift. Das Stabblei befestigte ich ungefähr einen halben Meter unter dem Haken.

Zuerst beköderte ich mit Tauwürmern, die beim Auswerfen zwar im Wasser landeten, aber in etwa der Hälfte der Fälle nicht dort, wo sie sein sollten. Nämlich am Haken. Mehrfaches Durchstechen oder Auffädeln eines Teils des Wurms änderten daran auch nicht viel. Zu oft verabschiedete sich der Wurm im Flug vom Haken.

Ich verbuchte das unter Anfüttern und griff zu der Packung Partygarnelen. Diese haben ein schön festes Fleisch und bleiben auch bei stärkeren Würfen am Haken. Ich zog die Garnele wie einen Gummifisch auf, die Hakenspitze schaute gut aus dem Rücken heraus und der Schwanz der Garnele zeigte nach hinten unten.

Abb.: Der erste Fang; Bildquelle: Thomas Raak

Zuversichtlich ließ ich jetzt den Köder über dem Grund tanzen, und da wir um diese Uhrzeit fast allein waren, konnten wir einen großen Bereich entlang der Kaimauer beangeln. So dauerte es auch nicht allzu lange, bis ich den ersten Biss an der straffen Schnur spürte. Der Anhieb ging aber ins Leere und die Köderkontrolle zeigte, dass der Schwanz der Garnele abgebissen war. Somit gab es ab sofort nur noch halbe Garnelen als Köder und das zeigte Wirkung. Der nächste Biss wurde wieder mit einem Anhieb quittiert und diesmal saß der Haken. Groß war der Fisch wohl nicht, da ich ihn recht einfach hochkurbeln konnte. Durch die zunehmende Dämmerung war auch erstmal nicht zu erkennen, um was es sich handelte, aber ich hatte eine Ahnung… Als der Fisch über den Rand der Mittelmole ins Licht der Laternen kam, sah ich den runden, flachen Körper und die weiße Bauchseite aufblitzen: Plattfisch.

Plattfische haben ein Mindestmaß von 25 cm, Steinbutt sogar 30 cm. Deshalb zückte ich schnell den Zollstock und sah nicht nur, dass der Fisch maßig war, sondern auch seine Organe durch die weiße Haut schimmern. Es war also eine Kliesche. Zwar nicht sehr groß und im Frühjahr auch nicht sehr dick, aber sicherlich nicht minder lecker. Total happy und aufgeputscht vom Adrenalin verpatzte ich den Stich durch die Wirbelsäule zuerst und die Innereien quollen durch den Schnitt. Aber der zweite saß und die Beute wurde eingetütet.

Mein Mitangler fing kurze Zeit später auch eine Kliesche in ähnlicher Größe und wir beschlossen den ersten Angeltag zu beenden.

Abb.: Klieschen bereit zum Ausnehmen; Bildquelle: Thomas Raak

Die nächsten beiden Tage standen zwar im Zeichen des Herings, aber da wir dabei recht erfolgreich waren fand sich am späten Nachmittag und Abend immer noch Zeit für die Jagd auf Plattfische. Der ein oder andere fand dabei auch ihren Weg an Land und in die Pfanne.

Abb.: Plattfisch gebraten mit Salzkartoffeln; Bildquelle: Thomas Raak

Den letzten Urlaubstag widmeten wir uns ganz diesen etwas sonderbar aussehendem Meeresbewohner. Auch andere Angler auf der Mole stellten dieser Fischart mit Buttvorfach und Würmern nach, allerdings, wie die Heringsangler, weit draußen Richtung Fahrrinne. So zogen sie dann auch nicht selten eine Grundel an Land, die mit grimmigem Gesicht wieder ins Wasser befördert wurde.

Abb.: Plattfisch mit Dopshot-Blei. Den Köder auszuspucken hat nicht geholfen; Bildquelle: Thomas Raak

Mein Angelfreund und ich blieben bei der bewährten Taktik „ufernah“ zu angeln. Wir warfen unsere Dropshot-Montagen, jetzt mit Garnele als Köder, nicht weiter als 15-20 Meter weit aus und ließen sie dann durch leichte Rutenbewegungen über dem Grund tanzen. Nur ganz langsam kurbelte ich dabei die Schnur ein, und bewegte die Montage in Zeitlupe auf mich zu. Das führte manchmal dazu, dass das 20 g-Stabblei im Grund versank (kugel- oder birnenförmig wäre wohl die bessere Wahl gewesen). Dann bog sich die Rutenspitze etwas stärker nach unten, bis sich das Blei schlagartig aus dem Schlick befreite und einen größeren Hüpfer machte.

Abb.: Große (faule) Flunder; Bildquelle: Thomas Raak

Als wieder einmal das Gewicht vermutlich im Boden steckte und die Rutenspitze sich nach unten bog, blieb der Hüpfer aber aus und stärkerer Druck mit der Rute änderte daran auch nichts. In der Schnur waren keine Bewegungen spürbar, so ging ich zuerst von einem Hänger aus. Da sich die Schnur aber, wenn auch unter Spannung, aufspulen ließ, dachte ich, ich hätte Unrat oder ähnliches am Haken. Was war ich erfreut, als der vermeintliche Unrat an die Wasseroberfläche kam und sich als ordentlicher Plattfisch entpuppte. Jetzt bewegte er sich auch endlich mal und kämpfte gegen den Zug meiner Angelschnur an. Das half ihm aber nichts und er landete Sekunden später auf dem Beton der Mole. Wieder kramte ich schnell das Längenmessgerät heraus, aber nicht um zu schauen, ob er maßig war… Satte 40cm maß dieser faule Bursche und ich ging im Kopf kurz die verfügbaren Pfannengrößen durch.

Leider brach mein Haken ab, als ich den Fisch abhakte und ich musste ein Vorfach ohne Seitenarm montieren. Die Bisse spürte ich jetzt zwar etwas deutlicher, aber der Anhieb ging dafür ins Leere. Auch die Schnur lockerer zu lassen, wenn ich merkte, dass was an meiner Garnele knabberte, half nicht weiter. Kurzerhand nahm ich den Haken und ca. 10 cm vom Vorfach darüber und darunter, knotete eine Schlaufe in die Montage – fertig war der Seitenarm. Dass ich damit nicht allzu viel falsch gemacht habe, zeige sich ein paar Minuten später, als der Anhieb saß und der nächste flache Flossenträger gelandet wurde.

Abb.: Faulenzerangeln mit am Kai abgelegter Angel; Bildquelle: Thomas Raak

Weil es am letzten Tag so gut lief, gönnte ich mir nicht nur ein Mittagsschläfchen, sondern ging dann mehr und mehr ins Faulenzerangeln über. Das heißt, ich animierte den Köder etwas und legte dann die Angel mit straffer Schnur ab. Bei einem Biss zuckte die Rutenspitze nach unten. Aber man musste schon etwas genauer hinschauen, da die Fische insgesamt recht träge, um nicht zu sagen faul waren.

Abb.: Vielfältige Beute; Bildquelle: Thomas Raak

Von unerwünschten Beifängen blieben wir zwar nicht gänzlich verschont, aber es waren in 4 Tagen nicht mal eine Handvoll Grundeln und eine Aalmutter. Platten legten wir insgesamt 16 Stück auf die Schuppen und mit Scholle, Flunder und Kliesche sogar recht vielfältig.

Abb.: Gebratener Plattfisch; Bildquelle: Thomas Raak

Gebratene Scholle mit Salsiccia, Pellkartoffelsalat und Rahm-Sauerkraut

Zutaten für 2 Portionen
2 Schollen
5 Salsiccia-Würste mit Fenchel (ca. 300g)
50g Butterschmalz
150g frisches Sauerkraut
100ml Schlag- oder Kaffeesahne
6-7 Kartoffeln
1 Glas Gewürzgurken
3 Zwiebeln
2-3 EL mittelscharfer Senf
100ml Brühe
milder Essig
100ml Öl
Salz, Pfeffer, Mehl, Zucker, Majoran
Schnittlauch oder Petersilie

Abb.: Pellkartoffelsalat; Bildquelle: Thomas Raak

Zubereitung: 

Die Pellkartoffeln in Salzwasser kochen.

Die Zwiebeln würfeln und in einer Pfanne mit etwas Öl anschwitzen, bis sie schön glasig sind.

Senf zugeben und unterrühren, mit Salz und Pfeffer würzen und kurz heiß werden lassen.

Mit der Brühe ablöschen und aufkochen.

Die Pfanne vom Herd nehmen und 1 EL Zucker, einen guten Schluck Essig oder Gurkenwasser und ca. 1 TL Majoran zugeben und unterrühren. Das Öl zugeben (wer es nicht so gehaltvoll mag, nimmt weniger als 100 ml), gut vermengen und in eine größere Schüssel geben.

Die Kartoffeln noch heiß pellen und in gefällige Stücke schneiden, 5-8 Gewürzgurken (je nach Größe und Geschmack) fein würfeln und beides in die Schüssel mit dem Sud geben und durchmischen, bis alles gut benetzt ist.

Die Kräuter fein hacken, darüber streuen oder unterrühren. Mit Salz, Pfeffer, Senf und Essig/Gurkenwasser abschmecken. Es darf gern etwas kräftiger sein, da die Kartoffeln noch nachziehen. Nicht kaltstellen.

Abb.: Salsiccia und Butterschmalz; Bildquelle: Thomas Raak

Die Salsiccias grob würfeln und in einer großen Pfanne bei schwacher Hitze langsam auslassen. Wenn das Fett zum Großteil aus den Würsten ausgetreten ist, ein gutes Stück Butterschmalz zugeben. Die Hitze hochdrehen und die Salsiccia-Stückchen anbraten, bis sie knusprig werden. In eine kleine Schüssel geben, das Fett aber in der Pfanne belassen, bzw. zurückgeben.

Abb.: Eine große Bratpfanne ist bei Plattfischen vorteilhaft; Bildquelle: Thomas Raak

Die ausgenommenen Schollen mit Salz und Pfeffer würzen, mehlieren und mit der dunklen Seite in die heiße Pfanne geben und so lange auf dieser Seite braten, bis sie mindestens bis zur Mittelgräte durchgegart sind. Jetzt wenden und die andere Seite kurz goldbraun braten.

Die Fische aus der Pfanne nehmen, Hitze etwas zurücknehmen und das Sauerkraut reingeben. Das Kraut soll nur warm werden, nicht richtig braten. Salzen, pfeffern und die Sahne drüber gießen und unter ständigem Rühren aufkochen. Kurz köcheln lassen, bis die Soße schön sämig ist.

Die Scholle, den Kartoffelsalat und das Rahm-Sauerkraut auf einem Teller anrichten, die knusprigen Salsiccia-Stückchen darüber streuen und die Geschmacksvielfalt genießen. Alternativ kann man statt dem Kartoffelsalat auch Salzkartoffeln servieren.

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Thomas Raak

Wenn es um gutes Essen geht, ist der Lausitzer dabei. Gärtnern, Angeln und stundenlange Kochsessions, drinnen wie draußen, mit guter Musik und dem ein oder anderen Getränk sind seine Leidenschaften. Und Essen natürlich. Ansonsten sitzt er mit seinen beiden Katzen auch gern mal auf der Couch oder im Lesesessel.

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