Asiatisch kochen

Die asiatischen Küchen bringen die am meisten durchdachten, gesündesten und schmackhaftesten Gerichte dieses Erdenknödels hervor. Kurioserweise schmecken gerade in europäischen Asia-Restaurants, mit ihren durchschnittlich fünfhundert angebotenen Speisen, alle Gerichte oft mehr oder weniger gleich. Ich vermute zwei Gründe.

  1. Die meisten europäischen Asia-Köche sind in Wirklichkeit vietnamesische Kfz-Mechaniker oder chinesische Buchhalter, die hier in der Fremde für schmales Geld kochen.
  2. Sie sind pragmatisch und intelligent genug um zu wissen, dass die meisten Langnasen dann doch nicht so stark von authentischen Aromen gefordert werden möchten.

Leckerschmecker, die original asiatisch essen möchten und nie weiter östlich gelangten, als bis Dresden oder allenfalls Frankfurt (Oder), bleibt somit kaum eine andere Wahl, als selbst zum Kochlöffel zu greifen. Noch Adenauer vermutete Asian östlich der Elbe, heute wissen wir, dass es weit abgelegener liegt.

Zwischen dem Appetit und dem Tellergericht türmt sich jedoch eine Hemmschwelle von der Höhe eines Mittelgebirges auf. Das notwendige Kochgeschirr, wie ein Wok, muss angeschafft werden, viele Zutaten sind unvertraut und auch beim Zubereiten hat man nie Mama über die zarte Schulter in der Kittelschürze schauen dürfen.

Doch keine Bange, KRAUTJUNKER, der Weblog für Grenzüberschreitungen hat hier eine Empfehlung: Für alle diese Fälle gibt es „Asiatisch kochen“ von Jody Vassallo. Die Autorin, von der Jamie Oliver erklärt, ihre „Rezepte kämen von Herzen“, hat bereits mehrere international aufgelegte Kochbücher geschrieben. Ihr Markenzeichen sind Rezepte, die gleichermaßen simpel wie clever konzipiert sind.

Das zwei Kilogramm schwere Buch, mit seinen fast 530 Seiten, beinhaltet 300 Rezepte aus Thailand, Japan, China und Korea. Das sind erst einmal Eckdaten, die einschüchtern. Fremde Länder, unvertraute Sprachen und befremdliche Sitten. Essen die nicht alles was vier Beine hat, außer den Stühlen, auf denen sie sitzen (wenn sie nicht auf dem Boden hocken)? Hat man den Wälzer jedoch erst einmal in die Hand genommen, schwindet die Unsicherheit. Das Buch weist ein quadratisch-praktisches Format auf und ist ausgesprochen didaktisch und bildreich aufgebaut. Zu nahezu jedem Absatz gibt es ein Bild, so dass es sich fast wie ein Lern-Comic für Bremer Gesamtschüler liest.

Nach bebilderten Einsteigerexkursen zum Reis kochen und Wok einbrennen werden simple Rezepte der bereits genannten Länder vorgestellt. Auch hier startet jedes Kapitel mit reich und übersichtlich bebilderten Vorstellungen der wichtigsten Produkte und Küchenutensilien. Die daran anschließenden Rezepte selbst sind in „sehr einfach“, „einfach“ und „schwierig“ unterteilt. Beispielsweise in der Thai-Küche 17 mal „sehr einfach“, 44 mal „einfach“ und einmal „schwierig“ (Frühlingsrollen frittiert – auch keine Atomphysik). In den Stempeln mit der Unterteilung in die Schwierigkeitsgrade sind noch die Zeitangaben für „Zubereitung“, „Kochen“ und „Ruhen“ abgedruckt, was sehr klar und hilfreich ist. Die japanische Küche beginnt nach Produkten und Küchenutensilien mit der Vorstellung der Grundrezepte Sushireis, Dashi-Brühe, Tamago und Sashimi schneiden. So müssen diese Schritte nicht jedes Mal in den Rezepten wiederholt werden. Jedes Rezept ist auf einer Doppelseite erklärt: Links das Ergebnis und rechts in drei Schritten die Zubereitung. Mit dem zeitlichen Aufwand kann kein China-Taxi mithalten – frischer und origineller schmeckt es sowieso.

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Trotz dieser technischen Qualitäten ist mir das Buch nicht vollends ans Herz gewachsen. Zuerst einmal ist Asiatisch kochen eine sehr logische Rezeptsammlung mit klarer Struktur und ohne persönliche oder kulturelle Note. Ein weiterer Punkt: Obwohl ich sehr großen Respekt vor den asiatischen Kulturen und ihren Küchen pflege, bleiben sie mir doch immer etwas fremd und erreichen nicht mein wildes westfälisches Herz. Mamas Hühnersuppe hängt die koreanische Nudelbrühe mit Fleischbällchen und Zitronengras ab, Grünkohl mit Pinkel schmeckt mir besser als Kimchi und Ossobuco alla milanese find ich besser als Rindfleisch Szechuan. Das ist natürlich meine ganz persönliche und subjektive Wahrnehmung. Sie sagt mehr über mich und meinen Hintergrund aus, als über die asiatischen Küchen. Aber es ist meine Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit im Wildschwein- und Kartoffelland Westfalen.

Unter dem Strich erhält man jedoch mit Asiatisch kochen für vergleichsweise schmales Geld eine große Sammlung an guten asiatischen Grundrezepten für jeden Tag. Schlage das Buch aufs Geratewohl auf und Du findest immer ein Rezept, welches Du sofort begreifst, flink und einfach zubereiten kannst und welches gut schmeckt. Ein nicht zu vernachlässigender weiterer Pluspunkt: Nach den Weihnachtstagen mit ihren traditionellen und kostenintensiven Völlereien sind dies fast alles Speisen, die einen den Gürtel enger schnallen lassen, kein Völlegefühl bescheren und die Börse schonen.

 

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook.

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Titel: Asiatisch kochen

Autorinnen: Jody Vassallo, Emily Ezekiel

Fotos: Deidre Ronney

Verlag: AT Verlag

ISBN: 978-3-03800-892-7

Verlagslink: https://at-verlag.ch/buch/978-3-03800-892-7/Jody_Vassallo_Asiatisch_kochen.html

Rezept aus dem Buch: https://krautjunker.com/2016/11/27/dim-sum-mit-huhn-und-shiitakepilzen/

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