Nymphenfischen – Geheimnisse entlarvt

Hätte mir vor zwanzig Jahren ein humanistisch gebildeter Freund verkündet, wir würden Nymphen fischen gehen, um Geheimnisse zu entlarven, wäre ich dem optimistischen Trugschluss erlegen, er wolle mit mir zu einer Togaparty, auf der hinreißende junge Frauen feierten, notdürftig verhüllt mit Bettlaken und raffinierten Masken. So kann ein junger Mensch sich irren, der mehr Zeit mit Büchern als in der Natur verbringt. Oder mit hinreißenden jungen Frauen.

Nymphen, das  waren für mich die überirdischen weiblichen Wesen der griechisch-römischen Mythologie. Je nach Stimmung und Hormonstau wäre mir vielleicht auch Vladimir Nabokovs Lolita oder die Softsexfilmchen des David Hamilton in den Sinn gekommen. Kennt die noch jemand? Halbnackte Mädchen in Pastellfarben und Weichzeichner schmusen bei sentimentaler Fahrstuhlmusik und flüstern sich dabei romantischen Unsinn zu. Unglaublich, womit Jungs ihre Zeit verplempern mussten, bevor es das Internet gab.

Mittlerweile sind einige Jahre die Weser herunter geflossen. Scharfen Teenie-Bräuten ist der Gedanke fremder denn je, mich auf ihre erotischen Kostümpartys einzuladen und wie ich mich zu einem familiär gebundenen Silberrücken entwickelte, wich mein Interesse an zwanzigjährigen Nymphomaninnen unter anderen dem am Angeln. Seelenfrieden durch Testosteronabbau ist der Buddhismus des kleinen Mannes. Immerhin bin ich noch nicht so fertig mit den Frauen, dass ich mit dem Golfspielen angefangen habe.

Soviel zu den Nymphen in den Vorstellungswelten junger Männer im Hormonstau. Was tierische Nymphen sind, darüber pflegen ebenso Wissenschaftler und Angler ganz unterschiedliche Auffassungen. Entomologen bezeichnen mit diesem Begriff ausschließlich das letzte Stadium vor dem Schlupf bei aquatischen Insekten wie Eintagsfliegen, Steinfliegen und Libellen. Angler sind da naturgemäß nicht ganz so akademisch, sondern ergebnisorientierter. Für sie sind es alle Larven, die eine für „Nymphen“ charakteristische stromlinienförmige Form erlangt haben und in das Beuteraster von Fischen fallen. Die oft selbst geknüpften Imitate, welche Angler hakenbewehrt ans Ende ihrer Vorfächer knüpfen, sehen der natürlichen Nahrung der Fische manchmal mehr, häufig weniger ähnlich. Wer fängt, ist im Recht, denn „Welches Fischnährtier steht zu welcher Zeit, in welcher Form, Farbe, Größe und Menge zur Verfügung? Finde die Antwort auf diese Frage und du wirst erfolgreich sein!“

Das Nymphenfischen selbst ist eine spezielle Form des Fliegenfischens mit einer mehr als hundertjährigen Geschichte, die ihren Ursprung in Großbritannien hat. Die ersten Nachweise über das Fliegenfischen stammen aus der Antike. Das Nassfischen blickte dabei auf eine längere Tradition zurück und hatte seinerzeit seine Hochburg in Nordengland. Da noch keine geeigneten Schwimmmittel zur Verfügung standen, wurde jede frisch ans Vorfach geknüpfte Fliege früher oder später unter Wasser geführt.
Das Trockenfischen war eine neuere Entwicklung aus Südengland und wurde dort vor allem von gehobenen gesellschaftlichen Kreisen an einzigartigen Gewässern kultiviert, den glasklaren, von Wasserpflanzen durchzogenen und besonders nahrungsreichen Kreideflüssen Südenglands.

Das klassische Fliegenfischen mit der Trockenfliege war ein feiner und vornehmer Sport für konservative Gentlemen. Mit auf der Oberfläche treibenden Fliegen kultivierten sie den elitären Code des „reinen Fliegenfischens“. Es waren betuchte und distinguierte Herren, die es sich leisten konnten, wochenlang an kristallklaren Gewässern auf den Oberflächenschlupf zu warten, ohne Beute zu machen. Der Schotte W.C. Stewart, Sohn mittelständischer Eltern und Angler mit Herz und Hand, war nicht im Besitz dieses Privilegs. Der Fang von Forellen war seine Lebensgrundlage und kein Statussport.

„Agiert der Trockenfliegenfischer in einer zweidimensionalen Welt aus Distanz und Breite, eröffnet sich dem Nymphenfischer mit der Tiefe des Wassers eine dritte Dimension. Ziehen wir Fließgeschwindigkeit als weitere Komponente hinzu, ergibt sich für den Nymphenfischer ein komplexes Zusammenspiel physikalischer Kräfte, die zwischen der künstlichen Nymphe und der angezielten Beute stehen.“ Und weiter: „Erfolg beim Nymphenfischen ist gleichzusetzen mit der Fähigkeit des Anglers Gewässer zu lesen. Wo man seine Fliege platziert, ist das Einzige, was zählt.“

Wie sich diese Angeltechnik gegen gesellschaftliche Widerstände und technische Mängel entwickelt hat, ist ein Kapitel für sich. Gemeinsam damit, was man im 21. Jahrhundert über den Lebensraum und das Verhalten der Fische weiß und wie der Angler mit seiner Ausrüstung und Techniken darauf reagiert sollte, füllt dieses Wissen ein ganzes Buch. Bloß dieses Buch gab es nicht. „Soll es richtig werden, mach es selbst“, dachten sich drei begeisterte Fliegenfischer, die es nicht nur schrieben, sondern auch gleich dafür einen Verlag gründeten.

Tankred Rinder (siehe: https://www.forelleundaesche.com/) hat mit seinen Mitstreitern Alexander Keus (siehe: http://www.flybei.de/) und Sven Ostermann (siehe: http://www.effa.info/de/sven-ostermann.html) das erste Kompendium deutscher Sprache für das Nymphenfischen geschaffen. Gelungen gestaltet wurde es von dem angelndem Illustrator Veit Dresmann.

Nymphenfischen S.076

Da ich nicht über die Vermessenheit verfüge, das Buch zu rezensieren, werde ich in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder einzelne Leseproben auf KRAUTJUNKER veröffentlichen. Ich finde Leseproben sind ohnehin eine faire Art einer Buchvorstellung, denn sie bieten dem Leser selbst die Möglichkeit zu urteilen, ob der Titel seinem Geschmack und Bedürfnissen entspricht. Den Anfang macht dabei ein Beitrag über die Historie des Nymphenfischens.

Mein Fazit: Nymphenfischen ist ein feuchter Männertraum, auch wenn dies in jedem Lebensalter etwas anderes bedeutet.

 

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KRAUTJUNKERAnmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook.

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Titel: Nymphenfischen – Geheimnisse entlarvt

Autoren: Tankred Rinder, Alexander Keus, Sven Ostermann

Illustration: Veit Dresmann

Verlag: Forelle & Äsche Verlag

ISBN: 978-3981856606

Verlagslink: http://www.nymphenfischen.com/screen/product

 

„Soll es richtig werden, mach es selbst“: https://www.forelleundaesche.com/2016/12/19/buch-nymphenfischen-geheimnisse-entlarvt-veroeffentlichung/

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