Angelabenteuer Amazonas-Gebiet: Expedition Arapaima

von Jakub Vágner

Der bekannte TV-Angler Jakub Vágner war überzeugter Wels-Angler, bis ein ganz besonderer Fisch sein Herz eroberte. Die Rede ist vom Arapaima, der in den abgelegensten Regionen des Amazonas vorkommt. Hier erzählt er von der Faszination, die dieser gewaltige Fisch auf ihn ausübt, und wie er den ersten Arapaima seines Lebens an den Haken bekam.

Abb.: Augen auf beim Angeln! Arapaimas tauchen regelmäßig an der Wasseroberfläche auf.

Nur wenige Flecken der Erde sind vom Menschen unberührt geblieben. Der Mensch erforscht, macht Entdeckungen und überwindet Grenzen, gleichzeitig zerstört er. Seine Taten können für die Welt positiv sein, aber auch Katastrophen herbeiführen. Auf Reisen sieht man den Einfluss des Menschen auf die Natur nur zu deutlich.

KINDHEITSTRÄUME GEHEN IN ERFÜLLUNG

Kinderträume sind bekanntlich die schönsten Träume. Jeder von uns hatte sie. Manche gehen bereits während der Kindheit in Erfüllung, andere erst im Laufe des Lebens. Das Amazonasgebiet – dieses Wort weckt in mir bis heute große Gefühle, Kindheitserinnerungen und Träume, die so mannigfaltig sind wie die Farben. Abenteurer längst vergangener Zeiten wurden an den Amazonas gelockt und bis heute geht von diesem Gebiet eine magische Anziehungskraft aus.

NICHT NUR WELSEN

Mein Leben war über lange Jahre hinweg vor allem mit Welsen verknüpft. Ich liebte diese Fische über alles. Ich reiste um die Welt und versuchte dabei stets, entweder möglichst viele oder die größten Welse zu finden. Oder ich machte mich an Orte auf, die, was den Welsfang betraf, noch „unberührt“ waren. Mein Vater lag wohl richtig mit seiner Behauptung, ich hätte anstelle eines Gehirns einen Wels im Kopf. Meine Leidenschaft war so groß, dass ich bereit war, auf vieles zu verzichten. Schule, Familie, Privatleben, das spielte für mich damals keine Rolle. Diese Haltung versteht sicher nicht jeder, aber meine Gefühle waren so stark, dass mich nichts vom Wasser fernhalten konnte. Selbst in meinen kühnsten Träumen hätte ich nicht gedacht, dass es einmal einen anderen Fisch als den Wels für mich geben könnte.

GROSSE WELS-FASZINATION

Lassen Sie mich von einer Begebenheit aus meiner Kindheit erzählen. Schon als Kind war ich von Fischen fasziniert. In einem Buch stieß ich auf den Arapaima Gigas. Es handelte sich um einen Reisebericht, der mit einer Skizze angereichert war. Ich weiß noch, dass ich vollkommen fasziniert von diesem gigantischen Exemplar war. Das Gefühl, das dieser Artikel bei mir auslöste, habe ich nie vergessen. Ich kann heute noch meine Augen schließen und das seltsame gezeichnete Lebewesen erwacht vor meinem inneren Auge zum Leben. Es verging die Zeit, meine Faszination an Fischen blieb, die Welse eroberten mein Leben und der Arapaima wurde in der Schublade der Kinderträume abgelegt.

Viele Jahre später schaltete ich rein zufällig den Fernseher ein und es genügten zwei Worte des Sprechers, die mich nervös werden ließen: Amazonien und Arapaima. Der Dokumentarfilm, der gerade lief, hieß „Jungle Hooks“«. Ich habe ihn mir bis heute bestimmt tausendmal angesehen. Jeremy Wade, der britische Filmemacher, der mit seinen TV-Serien „Fluss-Monster“ und „Jungle Hooks“ sehr bekannt wurde, bemühte sich nahezu zwei Jahre darum, frei lebende Arapaimas zu finden. Sein Dokumentarfilm fesselte mich. Wade hatte Arapaimas in Gefangenschaft aufgezeichnet, einen Arapaima fing er in einem Zuchtweiher der Indianer, doch er hatte sein Ziel nicht erreicht. Der Arapaima war bereits zu selten geworden.

SCHWIERIGE RECHERCHE

Mein Erlebnis aus der Kindheit erwachte somit auf einmal zu neuem Leben, ebenso wie die Zeichnung aus dem alten Buch. Ich wollte diesen Fisch. Es folgten nun einige Jahre der Vorbereitung, hunderte Telefonate, E-Mails und Briefe. Trotz der langen Zeit hatte ich das Gefühl, dass ich wenig brauchbare Informationen über das Leben oder das Vorkommen der Arapaimas zusammengetragen hatte.

DIE NADEL IM HEUHAUFEN

Die Fahndung nach den Arapaimas glich der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Ich fand importierte Arapaimas in Asien, in Aquarien in Europa und kleinere Exemplare in südamerikanischen Zuchtweihern. Es schien jedoch, als gäbe es keine Arapaimas in freier Wildbahn mehr. Die vertrauenswürdigsten Informationen erhielt ich schließlich von südamerikanischen Biologen. Ihre Nachricht munterte mich jedoch nicht allzu sehr auf. Die ursprüngliche Population der Arapaimas war im größten Teil des Amazonas-Regenwaldes nahezu ausgerottet worden, denn ihr Fleisch wurde sehr geschätzt. Nur kleine Populationen fernab jeglicher Zivilisation hatten überlebt.

BEINAHE AUSGEROTTETE ARAPAIMA-POPULATION

Mir wurden außerdem Berichte übergeben über zufällig zu Tode gekommene Fische, deren Gewicht nur selten die 100-Kilo-Grenze überstieg. 100-Kilo-Fische waren im 19. Jahrhundert noch an der Tagesordnung und es existierten nachweislich auch einzelne Exemplare, die Längen bis zu drei Metern erreichten und bis zu 200 Kilogramm wogen.

DIE ERSTE EXPEDITION

Ich brach mit meinem Kameramann Jirka Středa zu einer Expedition auf, die ich im Nachhinein als absolut verrückt betrachte und die in vielerlei Hinsicht lebensgefährlich war. Wir begaben uns ohne die nötigen Informationen in den Urwald, der größer war, als der gesamte europäische Kontinent. Wir hofften, den Fisch zu finden, der selbst für die südamerikanischen Ichthyologen ein Geheimnis war.
Wir begaben uns an Orte, deren Koordinaten wir zwar im GPS-Gerät speicherten, die wir allerdings vorher lediglich auf der Landkarte gesehen hatten. Ins Amazonas-Gebiet reisten wir mit einer großen Boeing, in Südamerika selbst flogen wir dann in mittelgroßen bis kleinen Maschinen. Es waren Fluggeräte dabei, die einem ein eher mulmiges Gefühl vermittelten. Wir legten tausende Kilometer in Jeeps, großen, mittelgroßen und kleinen Kanus und zu Fuß durch den Urwald zurück.

Abb.: Mit dem Kanu macht man sich auf die Suche nach den hungrigen Fischen; Fotoquelle: Jakub Vágner

Ich hatte mir bis dahin nur schwer eine Expedition vorstellen können, bei der ich meine Angelrute erst nach sieben Tagen einsetzen würde. Wir überwanden Entfernungen, die für uns bis dahin unvorstellbar waren.

Am Zielort angelangt, hatten wir ein seltsames, gar mulmiges Gefühl. Wir kamen uns vor, als wären wir am Ende der Welt angelangt. Für uns war klar: Sollten wir krank werden, wäre das unser Ende. Und damit meine ich hier nicht das Ende der Expedition. Wir fragten uns, ob hier überhaupt Arapaimas lebten. Die Fische könnten sich auch 1000 Kilometer weiter entfernt aufhalten, schließlich ist diese Entfernung für das Amazonas-Gebiet kein großes Ding.
Die Morgendämmerung setzte ein, der Nebel umhüllte die gewaltigen Bäume, so dass man nur den unteren Teil ihrer Stämme erkennen konnte. Die dichten Baumkronen der Baumriesen ließen nur wenige Sonnenstrahlen durchscheinen, das Leben erwachte langsam.

DURCH DEN DICHTEN DSCHUNGEL

Im Urwald tönten die Zikaden, die Papageien stimmten ihr Konzert an, auch die ersten Affen begannen zu brüllen. Wir fuhren in einem kleinen, wackeligen Kanu durch die Lagune und durchschnitten mit unserem Paddel die Nebelschwaden.
Vor lauter Nervosität konnten wir kaum atmen. Wir befanden uns mitten im schönsten Film, den wir jemals gesehen hatten. Es war eine Szene, die wir – wenn überhaupt – nur aus Abenteuerromanen kannten. Es war der Augenblick, in dem mein Kindheitstraum in Erfüllung ging.

DA IST ER!

Auf einmal sahen wir keine zehn Meter vor uns eine gigantische Silhouette. Wir waren wie gelähmt. Mein Herz begann zu rasen. Zum ersten Mal in meinem Leben weinte ich, als ich einen Fisch sah. Ich schämte mich nicht für meine Tränen. In diesem Moment konnte ich meine Gefühle kaum in Worte fassen – ich war einfach nur glücklich. Schlagartig vergaßen wir den Fischfang. Wir sahen dieses unglaubliche Lebewesen, das ohne Anzeichen, eine Evolution durchlaufen zu haben, das Zeitalter der Dinosaurier überlebt hatte. Ein Lebewesen, das größer war als das Kanu, und mit einem unbeschreiblichen Geräusch wieder abtauchte. Ich hätte vor Freude schreien können, denn ich hatte gerade den Arapaima Gigas zu Gesicht bekommen.
Der Jagdinstinkt packte uns, aber es war bereits zu spät. Ich zitterte so stark, dass ich kaum in der Lage war, meine Angelrute zu halten.

*

[TEXTKÜRZUNG: Diese Leseprobe endet hier. Zum Kapitel gehört das eigentliche Angelabenteuer, viele Fotos, Reiseinformationen mit Weblinks und einen Steckbrief des riesigen Raubfisches.]

Abb.: Von diesem Fisch hat Jakub Vágner geträumt, als er sich auf den Weg ins Amazonas-Gebiet machte.

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HINWEIS: Das Töten wild lebender Tiere ist vom Gesetzgeber streng reglementiert. Der tierschutzgerechte Umgang mit Fischen wird Dir bei den Vorbereitungskursen zur staatlichen Fischerprüfung vermittelt. Sei Dir immer Deiner Verantwortung bewusst, die Dir mit dem hier beschriebenen Wissen anvertraut wird.

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook

Angelabenteuer Echte Kerle DMAX

Titel: DMAX Angel-Abenteuer weltweit für echte Kerle

Autoren: Gregor Bradler und Olivier Portrat

Text und Fotos dieses Kapitels: Jakub Vágner

Verlag: Müller Rüschlikon

Verlagslink: https://www.motorbuch-versand.de/product_info.php/info/11114

ISBN: 978-3-275-02141-3

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Bereits veröffentlichte Leseproben:

https://krautjunker.com/2018/10/20/angelabenteuer-mongolei-flusswoelfe-und-einzigartige-hechte/

https://krautjunker.com/2019/01/03/angelabenteuer-spanien-der-ebro-alles-im-fluss/

https://krautjunker.com/2019/02/01/angelabenteuer-lappland-das-paradies-der-arktis/

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Mehr zu Jakub Vágner:

Instagram: https://www.instagram.com/jakubvagner_official/?hl=de

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