Das Geheimnis der Winterschläfer – Reisen in eine verborgene Welt

Buchvorstellung von
@vomWaldindenMund

Auf Schietwetter und ein knappes Essensangebot mit längeren Schlafpausen zu reagieren, ist ein reizvolles Lebensmodell. Würden wir Menschen es beherrschen, wie viele Reiseveranstalter hätte es vor Klagen bewahrt? Das Titelbild von Das Geheimnis der Winterschläfer ziert oben einen possierlichen Bilchbeutler, der immer dann längere Schlafphasen einlegt, wenn ihm das Wetter oder das Nahrungsangebot nicht zusagen.

Die Biologin Lisa Warneke schreibt aus ihrem Erlebten als Forscherin zur vergleichenden Tierphysiologie und angelt sich am Thema Winterschlaf auf eine kurzweilige Art und Weise rund um den Globus. Nette Anekdoten und interessante Fakten aus dem Tierreich, die auch mir als Veterinärmedizinerin mehrheitlich neu waren, sprudeln nur so aus ihr heraus. Dabei taucht die Autorin bis auf die Molekülebene in den Zellstoffwechsel ein, erklärt die Mitochondrien als kleine Kraftwerke und warum man ungesättigte Fettsäuren braucht, um Winterschlaf halten zu können. Vieles zum Thema Winterschlaf ist allerdings nach wie vor ungeklärt, weshalb es auch noch zwecklos ist, zu versuchen als Mensch einen dem Winterschlaf-ähnlichen Zustand erreichen zu wollen, egal wieviel „extra vergine Olivenöl“ man zu sich nimmt. Für Mediziner und Raumfahrttechniker sind die Möglichkeit zum Torpor (= Fachausdruck für Winterschlaf) durch Primaten ein sehr gefragtes Forschungsgebiet.

Das Buch liest sich wie ein in Prosa bunt ausgeschmücktes Fachbuch mit starken biographischen Zügen und lässt sich wohl am besten mit dem Wortkonstrukt Infotainment beschreiben: eine unterhaltsame Art der Wissensvermittlung.

Die moderne Winterschlafforschung ist zum Glück aus den Kinderschuhen raus, so dass kleine, implantierte Sender, die die Körpertemperatur und die Position des Tieres übermitteln, wagemutige Forscher, die in Höhlen geklettert sind, um schlafenden Bären Thermometer in den Hintern zu stecken, abgelöst haben. Mit der Hand in einem Bärenhintern zu sterben, ist mehr, als man von dem idealistischsten Wissenschaftler erwarten darf. Dennoch nehmen die Feldforscher noch einiges an Strapazen auf sich, wenn sie sich durch Schneestürme in eisiger Kälte zu ihrer Ausrüstung am Höhleneingang kämpfen müssen, oder tagelang im verregneten Hamburger Stadtpark ausharren, um keinen Igel aus dem Sendebereich zu verlieren.

Aus diesen Untersuchungen geht unter anderem hervor, dass Igel im Winterschlaf 99% ihres normalen Energieverbrauch einsparen, dass das kritische Herbst-Gewicht der Igel um den Winter zu überstehen in jedem Land ein anderes ist (250-600 Gramm) und dass neunmal mehr Igel in den Städten als auf dem Land leben, obwohl es dem einzelnen Igel in der Stadt nicht unbedingt besser geht („die Stadt als ökologische Falle“).

Auch Fledermäuse sind beliebte Objekte in der Winterschlafforschung- Immerhin sind sie ein Erfolgsmodell der Evolution: es gibt 1000 Fledermausarten auf 5000 Säugetierarten, jedes fünfte Säugetier ist eine Fledermaus, und die Fledermäuse können ihre Herzfrequenz von 1.000 Schlägen pro Minute während des Fliegens, auf fünf Schläge pro Minute absenken, wenn sie im Winterschlaf kopfüber in einer Höhle hängen! Beginnt eine Fledermaus herum zu krabbeln, sich umzudrehen, um sich nicht über den eigenen Kopf zu pieseln, dann stört sie die dicht gepackten Schlafnachbarn so sehr, dass ein anstrengendes und kräfteraubendes Aufwachen der ganzen Kolonie die Folge sein kann.

Ob aus der Winterschlafforschung jemals ein praktischer Nutzen für die Menschheit generiert wird, oder ob es als Grundlagenforschung um des Wissens Willen gesehen wird, muss sich noch zeigen. Für das Verständnis der eigenen Umwelt, insbesondere des Tierreiches im Kontext zu extremen Lebensräumen, ist das Buch auf alle Fälle ein Gewinn und ich ertappe mich regelmäßig dabei, das neu erworbene Wissen bei passender Gelegenheit eloquent ins Gespräch einzubringen: ein optimales Buch für Besserwisser eben.

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PRESSESTIMMEN

DIE WELT
Gerade weil das Buch kein systematisches Nachschlagewerk ist, weckt es Interesse für den Winterschlaf und dessen ungeahnte Qualitäten.

SPIEGEL ONLINE
Ein Buch, das Lust macht, sich auch einmal mit den kleinen Entdeckungsmöglichkeiten im eigenen Umfeld zu beschäftigen.

DEUTSCHLANDRADIO KULTUR
Ein grandioser Lese-Spaß!

DEUTSCHLANDFUNK
Lisa Warneckes (…) spannender Wissenschaftsreport (…) führt uns zu verborgenen Welten, die in Madagaskar, Australien, Kanada, aber auch direkt vor der Haustür in städtischen Parks liegen.

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Buchvorstellung von
Dr. Janine Brunner
@vomWaldindenMund

Als Tierärztin bleiben einem ernährungstechnisch drei Optionen, wenn man mit sich selbst im reinen sein möchte: entweder vegan zu leben, selbst Nutzvieh zu halten und zu Hause zu schlachten oder jagen zu gehen. Für alle anderen Wege weiß man durch das Tiermedizinstudium schlichtweg zu gut Bescheid.

Ich habe mich vor vielen Jahren für den dritten dieser Wege entschieden. Einmal wach gerüttelt wie Lebensmittel im großen Stil produziert werden, zieht sich das Thema schnell durchs ganze Leben: nach der Jagd kam der Gemüsegarten. Es folgten Obstbäume, Beerensträucher, dann ein jagender Imker und seine Bienen. Fehlt nur noch eine Kuh.

So kam es, dass die Nahrungsmittelbeschaffung, Verarbeitung und Zubereitung mittlerweile einen großen Teil unserer Zeit in Anspruch nimmt.

Im Jahr 2019 haben wir als @vomWaldindenMund begonnen auf Facebook und Instagram über die Jagd, die Arbeit unserer Jagdhunde, die Honigbienen, die Natur um uns herum, aber vor allem über gutes Essen zu berichten.

Wir genießen das Glück in den großen Spessart-Wäldern jagen zu dürfen, haben dort einen Pirschbezirk wo sich Sauen und Rotwild an den Suhlen die Klinke in die Hand geben. Manchmal passen gar nicht alle Sauen einer Rotte auf die Bilder der Wildkamera, so viele möchten gerne aufs Foto.

Nur leider hat das Wild scheinbar ein ausgeklügeltes Jäger-Frühwarnsystem, so dass wir die allermeiste Zeit vergebens im Wald sitzen und den Bäumen beim Wachsen zu sehen.

Um nicht ganz ohne Beute heimgehen zu müssen, suche ich nach frustrierenden Ansitzen Pilze. Daraus wurde eine kleine Sucht, so dass ich nicht mehr im Hellen auf Wild pirschen kann, ohne den Blick ständig am Waldboden haften zu haben, anstatt in der Ferne nach Reh, Sau und Hirsch Ausschau zu halten. Vermutlich wird mein Blick von einem inneren Realismus gelenkt: es ist viel wahrscheinlicher ausreichend essbare Pilze im Wald zu finden, als eine passende, erlegbare vierbeinige Beute.

https://www.facebook.com/VomWaldInDenMund/

https://www.instagram.com/vomwaldindenmund/

Text und Foto:  Dr. Janine Brunner

Lektorat und alle Fehler: KRAUTJUNKER-Blog

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Facebook-Gruppe.

Titel: Das Geheimnis der Winterschläfer – Reisen in eine verborgene Welt

Autorin: Lisa Warnecke

Verlag: C.H.Beck

Verlagslink: https://www.chbeck.de/warnecke-geheimnis-winterschlaefer/product/20297946

ISBN: 978-3406713286

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Lesetipp dazu:
https://www.tagesspiegel.de/wissen/winterschlaf-schlafen-bis-der-fruehling-kommt/20714552.html

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