Hasenfibel

am

Buchvorstellung von Beate A. Fischer

Die von den Autoren Klansek und Herberstein vorgelegte Hasenfibel ist ein fakten- und kenntnisreiches Sachbuch über den Feldhasen, ein kleines, unter Jägern gut bekanntes, oft verkanntes Wildtier.

Der Hase besiedelte als Kulturfolger des Menschen, die von diesem gerodeten und urbar gemachten Flächen. Er ist ein Offenlandbewohner, der strukturreiche Landschaften schätzt und sich gern an Bewuchsgrenzen z.B. Ackerlinien aufhält. Meist ist der Hase allein und nachts unterwegs.

Unter günstigen Bedingungen kann sich der Feldhase rasant vermehren, die Häsin setzt bis zu viermal im Jahr 3-4 Junge. Immer schnellere und breitere landwirtschaftliche Maschinen sowie fliegende Beutegreifer, Fuchs, Marderhund sowie wildernden Hunde und Katzen und der Straßenverkehr, lassen 70-90 % des Nachwuchses die ersten Wochen nicht überleben.

Die Junghasen werden die ersten vier Wochen 1-2 mal am Tag von der Häsin mit fettreicher Milch gesäugt. Den Rest des Tages verbringen sie reglos mehr oder weniger gut versteckt. Es sind die gefährlichsten Wochen im Leben des Feldhasen. Schnell laufen können die kleinen noch nicht und werden so zu leichter Beute.

Der Hase äugt nicht gut, dafür sind sein Gespür für Bodenerschütterungen und sein Gehörsinn sehr gut ausgeprägt. Auch die Nase ist gut ausgestattet.

Er treibt intensive Fellpflege, die auch dazu dient, das Körpersekret auf dem ganzen Körper zu verteilen und damit das Revier zu markieren.

Die Rammelzeit ist von Januar bis in den Herbst hinein. Die Häsin kann bereits in den letzten Tagen der Tragzeit wieder befruchtet werden.

Der Kot der Hasen besteht aus Losung und dem protein-und bakterienreichen Blinddarmkot, der wieder aufgenommen wie ein Katalysator auf schwer verdauliche Pflanzenteile wirkt. Ihren Harn lecken die Hasen gern ebenfalls wieder auf, um den eigenen Gesundheitszustand zu prüfen.

Interessant sind auch die Sinnesäußerungen des Hasen; Klagen, ein Ton wie ein Babyschrei signalisiert den Todeskampf. Die sog. Hasenklage wird daher von Jägern simuliert als Lockruf wiedergegeben zur Raubwildjagd eingesetzt. Das Zucken der Blume wiederum zeigt wie beim Hund das Wedeln des Schwanzes, Wohlgefallen an.

Der Wildkörper des Hasen ist 2,5-5 kg schwer und 50.75 cm lang. Er kann bis zu 60 km/h schnell laufen und ist zweimal im Jahr im Haarwechsel. Die Schneidezähne des Hasen wachsen sein Leben lang gegen den natürlichen Abrieb. Verliert der Hase einen Zahn, fehlt der Gegenbiss und der gegenüberliegende Zahn wächst bis der Hase nicht mehr fressen kann. Ein Todesurteil.

Die Altersbestimmung des adulten Hasen ist schwierig, während die Junghasen im Gesicht das typische Kindchenschema aufweisen. Unter Jägern bekannt ist „Strohsche Zeichen“, eine Verknöcherung am Bein, das sich im ersten Lebensjahr verwächst. Die Verfärbung des Bindegewebes ins weiß-gelbliche zeigt den älteren Hasen. Profis bestimmen das Alter am Augenlinsengewicht des adulten Hasen – zwischen 270-450 mg.

Abb.: Hasenfibel; Bildquelle: Beate A. Fischer

Die Bejagung des Hasen ist in vielen Revieren aufgrund niedriger Besatzzahlen oft gar nicht mehr oder nur noch im Ansitz möglich. Ist der Hasenbesatz gut, bietet sich das Zählen der Bestände im Frühjahr und im Herbst an, um einen Überblick über die Bestände zu bekommen. Die einen schwören auf die Hasenzählung mit dem Scheinwerfer, die neueste Technik wie Wärmebildkameras versprechen ebenfalls zuverlässige Ergebnisse. Da Hasen meist nachtaktiv sind, sollte die Zählung 1-2 Stunden nach Sonnenuntergang durchgeführt und der Besatz in den Schlägen der Revierkarte vermerkt werden.

Die Hasenfibel ist ein bisschen nüchtern im Ton geschrieben, aber auch ich, die ich mich viel mit dem Hasen beschäftigt habe, habe noch Neues gelernt. Ein feines kleines Buch für Jungjäger, Niederwildjäger oder als Dankeschön für eine Jagdeinladung. 

Bei uns wird der Feldhase in der Treibjagd als Vorsteh- oder Kesseltreiben bzw. mit einer Streife bejagt. Die Bestände sind sehr stabil, es gibt viel Grünland und immer auch Flächen die kaum maschinell bearbeitet werden. Die Hasen haben hier gute Bedingungen. Die Hasenjagd ist ein gesellschaftliches Ereignis, wer dabei ist, gehört im Dorf dazu. Gegenüber der Drückjagd ist die Hasenjagd sehr viel geselliger und interessante. Jeder hat die Gelegenheit Beute zu machen und alle sind gemeinsam unterwegs. Das gibt dann auch immer viel Gesprächsstoff beim abendlichen Schüsseltreiben.

Abb.: Hasenjagd; Bildquelle: Beate A. Fischer
Abb.: Hasenjagd; Bildquelle: Beate A. Fischer

Leider ist der vorliegende Band nicht so hochwertig aufgemacht wie viele Bücher des Verlages. Der Feldhase hätte es verdient. Nach ca. 60 Seiten Text mit Zeichnungen folgt ein Bildteil mit wunderbaren Hasenfotografien.

Abb.: Hasenfibel; Bildquelle: Beate A. Fischer

Da ich vor allem für die Küche jage und sich viele mit der Zubereitung von Hasen schwer tun ein paar Anregungen aus meiner Hasenküche:

Ich verarbeite Keulen und Rücken getrennt. Das Fleisch hat so unterschiedliche Garpunkte, dass entweder die Keule zäh oder der Rücken trocken wird. Mutter Art mit Speck gespickt, ist nicht mein Ding.

Die ausgelösten Rücken schmecken kurzgebraten aus der Pfanne sehr gut. Ich mache sie in Eierpfannkuchenteig gerollt in der Auflaufform 25-30 Minuten bei 200 Grad gegart oder nach ein paar Tagen in der Pökellake im Smoker geräuchert.

Die Keulen sind sehr lecker gekocht, ausgelöst im Hasensalat, Asia-Style mit Glasnudeln, Sprossen und Sojasauce oder mit sauren Gurken, klein geschnittenen Gemüsen in leckerem Essig-Öl- oder Joghurt-Mayo-Dressing. Ein delikates Hasenrezept ist das Fleisch der Keulen auszulösen, in mundgerechten Stücken zu schmoren mit dunkler Schokolade, kurz vor dem Ende der Garzeit klein gewürfelten grünen Paprika dazu.

Abb.: Feldhase serviert; Bildquelle: Beate A. Fischer

Der Feldhase ist tot, lang lebe der Feldhase …..

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Beate A. Fischer

Beate A. Fischer, geboren 1973, Jägerin seit 6 Jahren, Hundeführerin – verliebt in einem Vizsla sowie Co- und Stiefmutter eines Fox, schießt leidenschaftlich gern Jagdparcour und Flugwild, außerdem hat sich die afrikanische Sonne in ihr Herz gebrannt. Sie lebt im kühlen Nordfriesland auf einem Resthof, arbeitet als Rechtsanwältin und schreibt manchmal auch mal andere schöne Texte. 

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe und Outdoor-Becher aus Emaille. Kontaktmail für Anfragen siehe Impressum.

Titel:

Autoren: Erich Klansek & Paul Herberstein

Verlag: Österreichischer Jagd- u. Fischerei-Verlag

Verlagslink: https://www.jagd.at/?seite=buch&id=683

ISBN: 978-3852081236

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