Afrikanische Jagdliteratur: Rolf D. Baldus stellt seine Top Ten vor

von Rolf D. Baldus

Der französische Autor und Chefredakteur des Magazins Nouvel Observateur, François Armanet, hat vor ein paar Jahren zweihundert bekannte, teilweise berühmte Schriftstellerinnen und Schriftsteller auf der ganzen Welt gefragt, welche drei Bücher sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden. Die Antworten waren erwartungsgemäß vielfältig. Die Klassiker überwogen. Mit Ovid, Shakespeare, der Bibel und Goethes Faust weist man sich aus als Intellektueller und Mensch von Kultur. Auch die Encyclopaedia Britannica (Orhan Pamuk), ein Märchenbuch (Günter Grass) und ein Telefonbuch (Umberto Ecco) wurden genannt. Nur ein Autor hatte den Mut zuzugeben, ihm erschiene „der größte Porno, den ich finden kann“ als unerlässlich. Mancher wollte ein leeres Heft mitnehmen und selbst schreiben.

Ich stand vor Jahren einmal vor einer ähnlichen Wahl, als ich mir eine Malaria eingefangen hatte und in einer Wildhüter-Station in Afrika übernachten musste. Die Hütte war ansonsten von einem englischen Cockney-Automechaniker bewohnt. Bei Malaria fühlt man sich hundeelend, und ich konnte nicht schlafen. Die Bibliothek des Hauses bestand aus einem Kfz-Handbuch, dem englischsprachigen Klassiker Wo es keinen Arzt gibt und einem Schweden-Krimi. Ich entschied mich für das letztgenannte Werk. Es wurde eine katastrophale Nacht. Eine Malaria lässt mich als Nebenerscheinung des Fiebers ohnehin immer völlig melancholisch werden. Im Buch ging es um brutale Morde, und das gab mir den Rest. Danach hatte ich bei jeder Reise in den Busch immer ein, zwei Bücher im Rucksack. Oft brachte ich sie ungelesen wieder nach Hause mit. Häufiger war ich jedoch sehr froh, dass ich sie dabeihatte, wenn wir mit einem defekten Flugzeug auf einer abgelegenen Piste hängen blieben oder starke Regenfälle einen normalerweise trockenen Sandfluss für einen ganzen Tag mit Hochwasser blockierten.

Ich sammle mir eine Afrika-Bibliothek zusammen

Anders als Hemingway, der Simenons Maigret-Krimis als allerbeste Lektüre für den afrikanischen Busch empfahl, präferiere ich Bücher über Jagd und Naturschutz in Afrika. Mit der Zeit kam eine ganz ordentliche Bibliothek zusammen. Naturgemäß sind die meisten Bücher zum Thema in englischer Sprache. Aber es gibt auch eine Vielzahl deutschsprachiger Bücher über die Afrikajagd. Es sind Originalausgaben deutschsprachiger Jäger oder Übersetzungen ins Deutsche. Früher konnte ein Jagdreisender mit Büchern noch gutes Geld verdienen, und mancher Afrikajäger schrieb sich das nötige Kleingeld für die nächste Safari mit den Erlebnissen der vergangenen zusammen. Im 19. Jahrhundert faszinierte das noch weitgehend unerforschte Afrika das europäische Publikum.

Abb.: Die Erfahrung lehrt: Fängt man erst einmal mit dem Sammeln an, dann sollte man früh genug für ausreichend Stellfläche in den Regalen sorgen; Bildquelle: Rolf D. Baldus

Die Bücher bedeutsamer Abenteurer und Jäger erschienen in hohen Auflagen, und englischsprachige Literatur wurde oft ins Deutsche übersetzt. Theodore Roosevelts Afrikanische Wanderungen kamen 1910 zeitgleich in Englisch und Deutsch auf den Markt. Viele Autoren sind heute samt ihrer Bücher vergessen. Das ist nicht immer, aber oft genug sehr schade. Zusammen mit dem Journalisten Werner Schmitz und einer Reihe echter Afrikakenner habe ich deshalb vor sechs Jahren eine Anthologie der Afrika-Jagdbücher in deutscher Sprache herausgegeben (Auf Safari. Legendäre Afrikajäger von Alvensleben bis Zwilling. Kosmos 2014; 2021 neu aufgelegt). Es war erstaunlich, wie viele Bücher da zusammenkamen, und manches Werk haben wir zweifellos auch übersehen.

Was empfehlen?

Immer wieder werde ich von Jagdfreunden, die selbst eine Sammlung aufbauen wollen oder nur gute Jagdbücher suchen, gefragt, welche Bücher ich empfehlen kann oder für die besten halte. Das ist keine einfache Frage. Die Geschmäcker sind unterschiedlich. Der eine ist an Namibia interessiert, der andere mehr an Ostafrika oder Kamerun. Es gibt die Liebhaber der Jagd im Regenwald, andere begeistern sich für die Abenteuer längst vergangener Zeiten bei der Pirsch auf den Fährten der „Big Five“. Und manch einer hätte es am liebsten literarisch. Da ist das Angebot jedoch übersichtlich. Nicht jeder Afrikajäger, der seine Abenteuer zu Papier brachte, konnte mit der Feder genauso gut umgehen wie mit der Doppelbüchse. Das hat aber viele nicht vom Schreiben abgehalten. Als wir für unser Buch Safari die legendären Jägerinnen und Jäger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz recherchierten, da stellten wir bald fest, wie breit die Palette der Charaktere ist. Wir fanden ehrbare Weidmänner und Weidfrauen, Naturschützer und Wilderer, Entdecker und Elfenbeinhändler, Abenteurer und Agenten, Missionare und Machos, Romantiker und Rebellen und auch eine ganze Reihe übler Gesellen, denen man lieber nicht auf der Pirsch begegnet wäre. Auf jeden Fall ist für jeden Geschmack etwas zu finden. Wenn ich nun meine zehn Lieblingsbücher vorstelle, dann weiß ich, dass ich viele ausgezeichnete Bücher nicht nenne. Bell, Herne, Ionides, Kinloch, Neumann, Selous, Thomson (Mahohboh), Wolhuter und viele andere müssten auch genannt werden. Bei den Deutschsprachigen sollten Denker, Hecker, Neckschiess, Schillings, Zwilling und … nicht vergessen werden.

Jäger lesen nicht?

Eigentlich müsste ich deshalb meine Top 100 präsentieren. Aber mehr als eine Anregung zum Lesen kann ich ohnehin nicht geben. Ein Verleger sagte mir einmal, es lohne sich nicht, Jagdbücher zu drucken, denn „Jäger lesen nicht“. Da ist was dran. Hoffen wir dennoch, dass der Mann unrecht hatte, zumindest ein bisschen. Es lohnt sich, bei den alten Autoren zu schmökern. Nur um es klarzustellen: Es gibt auch erstklassige neue Jagdbücher über Afrika. Allerdings hatten die Alten noch mehr zu jagen. Viele taten das ein Leben lang. Ihr Erfahrungsschatz war deshalb ungleich größer als bei manchem heutigen Jagdtouristen, der glaubt, die Erlebnisse einer Farmjagd in Namibia reichten aus, um literarisch zu wirken.

Bildquelle: Rolf D. Baldus

Meine Hitparade

The End of the Game
1963 von Peter Beard

Als Jugendlichem fiel mir das Buch Tod der Wildnis mit seinen beeindruckenden Schwarz-Weiß-Fotos in die Hand. Es faszinierte und verstörte mich gleichermaßen. So geht es mir auch heute noch, wenn ich The End of the Game, so der Originaltitel, wieder einmal durchblättere. Peter Beard – Fotograf, Playboy, Jäger und Egomane – ist gerade verstorben. Als Künstler, Kulturpessimist und naturbesessener Ästhet stellte er das langsame Sterben der afrikanischen Wildnis als Ergebnis von Zivilisation dar. Sein Buch über die wissenschaftlich etwas verbrämte Krokodiljagd am Turkana-See ist ebenfalls ein echter Klassiker.

Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber
1936 von Ernest Hemingway

Den Nobelpreisträger vorzustellen, erübrigt sich, und seine Jagdliteratur zu bewerten, steht mir nicht zu. Eigentlich egal, welche seiner jagdlichen Geschichten man liest, ob Die grünen Hügel Afrikas oder Schnee auf dem Kilimandscharo. Sie sind alle großartig. Mir gefällt die Erzählung über den gehörnten Feigling und Sonntagsjäger Francis Macomber am besten, der bei der Löwenjagd zum Mann wird und einen halben Tag ein glückliches Leben führt, bis er dann von seiner Frau aus dem Auto heraus erschossen wird. 1933 hatte Hemingway eine dreimonatige Jagdsafari nach Kenia und Tanganjika unternommen. Dort wurde er von Bror Blixen und Philip Percival geführt. 1953 war er dann noch einmal in Afrika, jagte in Kenia und überlebte zwei Flugzeugabstürze an zwei nacheinander folgenden Tagen. Das von seinem Sohn Patrick überarbeitete Manuskript und als Wahrheit im Morgenlicht 38 Jahre nach dem Selbstmord des Autors herausgegebene Buch über seine zweite Safari habe ich vor Jahren angelesen und in die Ecke geschmissen. Jetzt habe ich es für einen zweiten Leseversuch wieder hervorgeholt und siehe da, es gefällt.

Hunter
1952 von John Alexander Hunter

Wie kann ein Mann mit dem Familiennamen „Hunter“ (Jäger) sein bestes Buch nennen? Hunter natürlich. Dass ein österreichischer Verlag mit einer sicherlich verdienstvollen Übersetzung daraus den Titel Die Löwen waren nicht die Schlimmsten (1953 und 2019) verbricht und dem schottischen Autor „Amerikanisch“ als Muttersprache verordnet, hat mir schon öfter Schüttelfrost verursacht. Es gibt noch zwei andere, gleichermaßen lesenswerte Bücher von ihm, die beide auch den „Jäger“ im Titel führen. Hunter war einer jener kolonial-britischen Berufsjäger, Wildhüter und zeitgemäßen Naturschützer, die nach Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten ausgestorben sind. Am bekanntesten wurde er durch den ihm von der Politik verordneten Abschuss von 1 000 Nashörnern, um afrikanischen Viehhirten und Jägern zu Maisäckern zu verhelfen. Nashörner, heute fast ausgestorben, standen damals der Landeskultur und Entwicklung im Wege. Erst danach stellten die „Experten“ fest, dass das Land zwar bestens für Nashörner und anderes Großwild, nicht aber für Landwirtschaft geeignet war.

African Hunter
1975 von James Mellon


Als ich 1977 das schwergewichtige Werk in einem verstaubten indischen Laden in Nairobi fand, da war dies wie eine Offenbarung für mich. Alle Jagdländer Afrikas, alle Wild- und Jagdarten, bekannte Berufsjäger, eine Vielzahl von Safaris wurden vorgestellt. Das war Afrikajagd aus dem Vollen. Als Spross einer schwerreichen Stahldynastie langweilte sich James Mellon nach dem College offenbar. Von 1964 bis 1976 ging er deshalb fast ausschließlich auf Jagd in Afrika und presste seine Erlebnisse zwischen zwei Buchdeckel auf 522 Seiten. Die meisten Trophäen wurden kostspielig präpariert und in einem Container gestapelt. Den habe er nie noch einmal geöffnet, sagte er später in einem seiner raren Interviews. Nach seiner Afrikazeit habe er – mit Ausnahme auf Eichhörnchen – nicht mehr gejagt.

Großwildjagd im alten Afrika
2917 vo Brian Nicholson

grosswildjagd im alten afrika

Der Afrika-Klassiker mit dem Originaltitel The Last of Old Africa (2001) stammt vom langjährigen Warden des Selous-Wildreservats, Brian Nicholson. Ich habe das Buch lediglich ins Deutsche übersetzt und herausgegeben und fühle mich deshalb auch legitimiert, sein Vermächtnis in die Charts aufzunehmen. Brian war Tierfänger, Berufsjäger und Elefanten-Kontrolljäger in Tanganjika, bevor man ihm die Wildtiere eines halben Landes in die Hände legte. Er schoss 1.300 Elefanten zum Ernteschutz, jagte Menschenfresser-Löwen und schuf Afrikas größtes Naturschutzgebiet, das Selous-Wildreservat in Süd-Tansania. Sein im Englischen längst vergriffenes Buch schildert spannend erzählte Jagd aus dem alten Afrika. Dazu passend das schön melancholische Sand Rivers von Peter Matthiessen über eine Safari durch den Selous, die Nicholson noch einmal unternahm, Jahre nachdem man ihn aus dem Reservat hinausgeekelt hatte. Die großen Elefanten waren da schon verschwunden. Gut, dass er heute seinen Selous nicht mehr wiedersehen muss. Die tansanische Regierung zerstört gerade große Teile davon durch Straßen, eine Uranmine und einen Megastaudamm.

An Impossible Dream
2001 von Ian Parker & Stan Bleazard

Die beiden Herausgeber haben gerade noch rechtzeitig, bevor die alte Garde der kenianischen Wildhüter sich in andere Jagdgefilde verabschiedete, mit 15 Kollegen Geschichte und Geschichten des kolonialen Wildschutzes in Kenia erzählt. Abenteuer, Tragödie, Jagd, Safari, Lebenslust und Naturschutz – eine bunte Mischung. Schlecht bezahlt, unter härtesten Bedingungen arbeitend, lebten sie das Leben ihrer Wahl – die große Freiheit im Busch, Seite an Seite mit dem afrikanischen Wild. „Unsere Wildhüter-Tage waren ein Riesenvergnügen. Aus gutem Grund wurden wir um das Leben, das wir führten, beneidet. Eine Zeitlang waren wir wirklich vom Glück geküsst.“ Wir Spätgeborenen können von ihren Erlebnissen nur träumen.

Horn of the Hunter
2013 von Robert Ruark

Der amerikanische Journalist unternahm 14 Jagdreisen nach Ostafrika und Mosambik. Weit davon entfernt, als „Hemingway für Arme“, so einige Spötter, gelten zu müssen, ist Robert Ruark als Autor vielleicht nicht ganz so brillant wie sein großes Vorbild. Nobelpreisträger Hemingway jagte 15 Jahre vor ihm und zwar nur zweimal in Ostafrika. Mit dem Blick des Büffels, wie Horn of the Hunter (1953) in der vorzüglichen Übersetzung heißt, sollte man anfangen, bevor man Ruarks afrikanisches Gesamtwerk verschlingt, das auch Romane über den Mau-Mau-Aufstand und „Uhuru“ in Kenia enthält. In den USA hat das Buch über eine zweimonatige Jagdreise Kultstatus unter Jägern und gilt als eines der einflussreichsten und besten des vergangenen Jahrhunderts. Dort findet sich auch die berühmteste Metapher über „Syncerus caffer“: „Er guckt, als schuldest Du ihm Geld.“ Eine Cuvée aus unterschiedlichen Veröffentlichungen (Use enough gun, 1966) wurde ab 1968 auf Deutsch mit dem Titel Safari von verschiedenen Publikumsverlagen in fünfstelligen Auflagen herausgebracht. Heute, fünf Jahrzehnte später, ist das nicht mehr vorstellbar. Natürlich entspricht Ruark als „alter weißer Mann“ allen Stereotypen der aktuellen „Political Correctness“ … Der jagende Schriftsteller hätte sich wohl dabei gefühlt und noch einen doppelten Bourbon eingegossen. Er starb 1965 im Alter von 50 Jahren an Leberzirrhose.

Wild und Wilde im Herzen Afrikas
1910 von Hans Schomburgk

Schomburgks ungeschminkter Bericht über zwölf Jahre Jagd- und Forschungsreisen zu Fuß und mit dem Fahrrad im südlichen und östlichen Afrika mit dem zwar zutreffenden, aber heute spektakulär unkorrekten Titel gehört zu den besten Jagdbüchern in deutscher Sprache. Es ist gleichzeitig eines der billigsten. Ab zehn Euro kann man die 1925 offenbar in hoher Auflage gedruckte Ausgabe eines Bücherklubs erwerben. Der Kenner greift zur seltenen Originalausgabe aus 1910. Doch dann wird es in Euro dreistellig. An die 30 weitere Bücher zeigen, dass Schomburgk Afrika verbunden blieb. Seine Abenteuer aus Wild und Wilde hat das Berliner Schlitzohr immer wieder recycelt. Wer nur Platz für ein einziges Buch in seinem Jagdrucksack hat, der packe Wild und Wilde ein.

Pondoro
1956 von John Taylor

„Pondoro“ oder „Löwe“ nannten die Einheimischen den irren Iren, der sich aus einer geadelten Oberschichtsfamilie in den tiefsten Busch nach Malawi und Mosambik verzogen hatte. Dort lebte er 30 Jahre lang unter den Afrikanern, fernab Seinesgleichen, und jagte. Den Lebensunterhalt verdiente er mit dem Tausch von Wildfleisch, als Elfenbeinjäger und gelegentlich mit einem Buch. Pondoro widmete er seinem Fährtenleser und Gewehrträger, mit dem er sich in „unverbrüchlicher Freundschaft“ verbunden fühlte und mit dem er sich im Busch, wie er schreibt, die Decke teilte. Auch sein Buch über Großwildbüchsen und Afrikakaliber ist noch heute lesenswert. Wegen seiner Homosexualität deportierte ihn die britische Kolonialadministration schließlich nach London, wo er im Elend starb.

In blauen Fernen
Vivienne von Wattenwyl

Eine schöne junge Frau aus bestem Berner Hause geht mit ihrem jagdbesessenen Vater 1923 auf eine siebenmonatige Fußsafari durch Kenia. Er jagt, sie präpariert. Besonders die Löwen haben es ihm angetan. Der neunzehnte wird ihm zum Verhängnis. Beide sterben. Die 23-jährige Vivienne macht weiter. Sie jagt jetzt selbst und will die Sammlung komplettieren, die ihr Vater dem Naturkundemuseum in Bern zugesagt hat. Vor allem fehlt noch ein Breitmaulnashorn, für das sie eine Sondererlaubnis hat. Schließlich erwischt sie einen alten, reifen Bullen. Ihre Sammlung kann man noch heute als Dioramen im Museum in Bern anschauen. Über ihre Erlebnisse, ihre Gefühle, ihre inneren Kämpfe berichtet ihr Buch Out in the Blue (1927) oder In blaue Fernen. Später jagt sie nicht mehr. Auf der nächsten Afrikareise fotografiert sie nur noch. Die Büchse hat sie weggelegt. Für zwei Monate zieht sie sich in eine einsame Hütte, hoch auf dem Mount Kenya gelegen, zurück. Ihr Ziel: Sie will Freundschaft mit den Tieren schließen. Und mit der Erde will sie sprechen. So heißt dann auch ihr zweites Buch (1935), das zumindest origineller als Wohllebens Märchenbücher ist.

Abb.: Eine ziemlich vollständige Schomburgk-Sammlung (mittlere Reihe). Schomburgk hat wohl mehr Bücher als jeder andere deutschsprachige Afrikajäger veröffentlicht. Das „Schlitzohr“ war ein Meister im „Recyceln“ schon veröffentlichter Erlebnisse; Bildquelle: Rolf D. Baldus

Diana mit Schreibfeder und Großwildbüchse

In meiner Liste kommt nur eine Frau vor. Aber immerhin –naturgemäß sind Frauen nicht so sehr als Autorinnen von AfrikaJagdbüchern vertreten. Aber es gibt sie. Die Herbert-Kusinen, die als Two Dianas in Somaliland (1908) mit .500 Express-Doppelbüchsen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts am Horn von Afrika jagten, oder die flamboyante Filmemacherin Osa Johnson (1941), die ihrem Mann den angreifenden Elefanten vor den Füßen stoppte. Der Gatte hatte vorbeigeschossen, und die Gattin musste erst die Kamera weglegen, bevor sie die Winchester ergreifen konnte.

Margarethe von Eckenbrecher (1912), die mit ihrem Mann zusammen 1911 eine tausend Kilometer lange Jagdsafari zu Fuß durch das südliche Tanganjika durchführt, hat mich besonders beeindruckt. Die glamouröse dänische Berufsjägerin Natasha Illum Berg (2001) und die passionierte Dortmunder Jägerin Cordelia Kraeling (2019) sind zwei Beispiele aus der Gegenwart. Kenneth P. Czech hat die Großwildjägerinnen, die mit Rifle and Petticoat (2002) zwischen 1880 und 1940 unterwegs waren, vorgestellt, während Fiona Capstick in ihrem Buch Diana Files (2004) gar die Geschichte der Jägerinnen durch die Zeitgeschichte dokumentiert hat.

Tipps für die eigenen Top Ten

Wer sich fragt, wie sie oder er die meist vergriffenen Bücher erwerben kann, der hat es im Zeitalter des Internets einfach. Früher musste man Dutzende von Antiquariaten durchstöbern und Flohmärkte absuchen, bis man eine Handvoll zusammen hatte. Heute geht man bei Google, Ebay, ZVAB und – leider – auch Amazon auf Pirsch und hat bald weitgehende Marktübersicht. Die Antiquariate vermarkten ihr Angebot dort. Viele der uns interessierenden Werke sind nur in vergleichsweise kleinen Auflagen erschienen. Deshalb muss man manchmal einen langen Atem haben, bis man sein Wunschbuch gefunden hat. Vorsicht: Wenn ein Buch selten ist und nur einmal als Angebot auftaucht, dann stellen schlaue Händler den Preis auch schon einmal auf dreistellig oder noch mehr um. Dann ist es besser, zu warten.

Zum eigenen Recherchieren gibt es eine ganze Reihe von weiterführenden Werken. Für die deutschsprachige Literatur eignet sich das schon genannte Buch Auf Safari, wenn man noch etwas warten will, bis es bei KOSMOS wieder neu erscheint. Nachschlagen kann man auch in der kommentierten Bibliografie afrikanischer Jagdbücher aus der Zeit von 1785 bis 1950 von Kenneth Czech (1999) oder in der Sportsman’s Library (Stephen J. Bodio, 2013). Informativ sind auch die Buchseiten in den Websites https://www.shakariconnection.com oder http://www.namibiana.de. Gute Verlage für Afrika-Literatur, bei denen es sich lohnt, einmal das Verzeichnis durchzusehen, sind der Verlag Neumann-Neudamm, Safari-Press mit Rowland Ward oder Trophy Room Books. Da viele Klassiker inzwischen nur noch schwer zu haben sind, gibt es nun auch Nachdrucke. Indien produziert da einiges. Nützlich auch einmal bei fines-mundi.de vorbeizuschauen, einer Buch-Manufaktur, die alte, wertvolle Literatur als Reprint anbietet, darunter Afrikabücher.

Dann gibt es eine Reihe von Übersichten über die afrikanische Jagd, die Berufsjäger und die Abenteurer, die dort gejagt haben, weil früher in der afrikanischen Wildnis das Reisen ohne Jagd zur Ernährung gar nicht möglich war. Viele Bücher sind dort zu finden, wenn auch einige recht selten und entsprechend teuer sind. Zu nennen wäre Legends of the African Frontier: 1800 bis 1945 (2008) von David Chandler. Hilfreich auch Brian Herne (White Hunters: The Golden Age of African Safaris; 2011) oder Anthony Dyer mit Men for all Seasons (2006), der die „legendären Ladies“ nicht auslässt. Ein Schnäppchen ist Bartle Bull mit Safari: A Chronicle of Adventure (1988).

Das Jagdbuch im Jagdrucksack

In meiner Jagd im Erholungswald Siebengebirge muss man mindestens zehnmal sitzen, um ein Stück Rehwild zu erlegen. Im Rucksack steckt deshalb immer ein Exemplar aus meiner Kollektion von ungefähr fünfzig ungelesenen Afrika-Jagdbüchern, damit ich nicht immer nur der Amsel zuhöre oder die Baumläufer beobachte. Oft genug verpasse ich dann beim Schmökern den Rehbock, wenn er sich kurz einmal sehen lässt. Ich gönne ihm das literaturbedingte Weiterleben von Herzen.

*

Rolf D. Baldus

Dr. Rolf D. Baldus ist ein deutscher Diplom-Volkswirt und Jagd- und Wildschutzfachmann. Jahrgang 1949. Jagdschein 1966. Studium der Volkswirtschaftslehre und Promotion (1976) an der Philipps-Universität Marburg. Forschung und Lehre an der Universität Marburg, Leitung eines mittelständischen Betriebes, internationale Beratungstätigkeit, Referent und Referatsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Referatsleiter im Bundeskanzleramt sowie 13 Jahre Projektleiter Wildschutz und Regierungsberater in Tansania. Wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie zahlreiche Bücher und Artikel zu Jagd und Naturschutz in Afrika. Zwei Jahrzehnte ehrenamtliche Tätigkeit für den Internationalen Jagdrat (CIC). Präsident der CIC-Kommission für Tropenwild und Berater von vier CIC-Präsidenten in Afrikafragen. Lebt heute im Naturschutzgebiet Siebengebirge am Rhein.

***

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es eine Facebook-Gruppe.


Titel: Jagdzeit, Nr. 45 (Ausgabe 4/2020)

Weblink: https://www.jagdzeit.de/produkte/ausgabe-45


Entdecke mehr von KRAUTJUNKER

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Kommentar verfassen