Buchvorstellung
„Männer machen Geschichte“, schrieb Heinrich von Treitschke 1879. Im 20. Jahrhundert gewannen struktur- und sozialgeschichtliche Ansätze an Einfluss, die historische Veränderungen aus wirtschaftlichen Prozessen, gesellschaftlichen Verhältnissen und langfristigen Entwicklungen erklärten. Heute werden individuelle Handlungsspielräume, politische Entscheidungen und Biografien wieder stärker berücksichtigt – allerdings nicht als Gegenentwurf zur Strukturgeschichte, sondern in Verbindung mit ihr.
Die Rolle der Bäume in der Weltgeschichte steht dagegen selten im Mittelpunkt der Betrachtung
Unter den Tausenden von Baumarten gibt es ein Quartett, das unsere Zivilisation, Wirtschaft und Politik bemerkenswert nachhaltig geprägt hat: Eiche, Teak, Kautschuk und Mahagoni.
Schon in der Vorzeit nahm der Mensch Einfluss auf die Natur, indem er gezielt bevorzugte Baumarten auswählte und deren Samen über Kontinente hinweg transportierte. Bäume, die die Welt bewegen nimmt uns mit auf eine faszinierende Reise durch die Geschichte dieser botanischen Protagonisten. Das Buch beleuchtet die postglaziale Rückwanderung der Eichen in unsere Breitengrade, zeigt, wie wertvolles Teakholz auf Java koloniale Begehrlichkeiten weckte, beschreibt den abenteuerlichen Transfer des Kautschukbaums vom Amazonas nach Asien und geht der Frage nach, welche Rolle die alten Hochkulturen Amazoniens für die Geschichte des Mahagonis spielten. Wer den tiefen Wurzeln dieser Bäume durch die Epochen folgt, stößt auf Zusammenhänge, über die er zuvor kaum nachgedacht haben dürfte.
Am Beispiel des Teaks: Baum der Ewigkeit, die bessere Eiche
Kaum eine Baumart wurde so früh weit außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets angesiedelt wie der Teak, unter anderem auf Java. Sein Holz ist außerordentlich dauerhaft, und der Baum selbst kann ein für menschliche Maßstäbe biblisches Alter erreichen. In manchen hinduistischen Gemeinschaften gilt er zudem als Ruheort der Seelen bis zu ihrer Wiedergeburt. Vermutlich brachten spätestens im 7. Jahrhundert Brahmanen und buddhistische Mönche gemeinsam mit Tempelbaumeistern Samen des heiligen Baums nach Ostjava, wo damals die Tempelanlagen von Borobudur und Prambanan entstanden.
Weltpolitische Bedeutung gewann der Teak um 1800. Die britische Kriegsflotte war in die Jahre gekommen, während Eichenholz für den Schiffbau knapp wurde – sowohl auf den britischen Inseln als auch in weiten Teilen Europas. Als Alternative bot sich Teak aus den Monsunwäldern Süd- und Südwestasiens an. Natürliche Inhaltsstoffe im Kernholz schützen es vor Pilzbefall und Fäulnis. An der indischen Malabarküste stießen die Briten auf einen Rohstoff, der für ihre maritime Macht von unschätzbarem Wert werden sollte. Einheimische Werften bauten dort im 19. Jahrhundert zahlreiche Schiffe für die britische Marine.
Der Bedarf an Teakholz wuchs gewaltig und verstärkte die wirtschaftlichen und strategischen Interessen Großbritanniens in Asien. Auf die Ausdehnung seiner Herrschaft über den indischen Subkontinent folgte die schrittweise Eroberung Burmas (heute Myanmar), das bis heute über bedeutende natürliche Teakvorkommen verfügt.
Auch der Übergang vom Holz- zum Eisenzeitalter im Schiffbau spielte dem Teak in die Hände. Seine natürlichen Inhaltsstoffe schützen das Holz, während sich Teak gut für den Schiffbau eignet. Eichenholz enthält dagegen Gerbstoffe, die in Verbindung mit Eisen unter bestimmten Bedingungen Korrosionsprozesse begünstigen können. Ende des 19. Jahrhunderts kontrollierte das Britische Empire bedeutende Teakvorräte und festigte damit seine Stellung als führende See- und Handelsmacht.
Resümee
Bäume, die die Welt bewegen ist mehr als eine angenehm lesbare Porträtsammlung von vier Baumarten. Anhand von Eiche, Teak, Kautschuk und Mahagoni eröffnet Christian Küchli einen ungewöhnlichen Zugang zur Weltgeschichte. Die Geschichten dieser Bäume führen mitten hinein in die Verflechtungen von Wirtschaft, Politik, Ökologie und Kultur. Sie zeigen, dass Wälder nicht bloß Kulissen menschlicher Geschichte sind: Ihre Nutzung, ihre Verbreitung und ihre Ausbeutung haben gesellschaftliche Entwicklungen mitgeprägt. Zugleich wird deutlich, wie eng das Schicksal der Menschheit mit den Ökosystemen dieser Erde verwoben ist.
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Christian Küchli

Christian Küchli ist Forstingenieur ETH. Er hat als Berater, Buchautor und Journalist gearbeitet. Der Autor ist weit gereist und kennt vieles aus dem vorliegenden Buch aus eigener Anschauung.
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Anmerkungen

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Titel: Bäume, die die Welt bewegen: Eiche, Teak, Kautschuk und Mahagoni – ein neuer Blick auf die Globalisierung
Autor: Christian Küchli
Verlag: AT Verlag AG
Verlagslink: https://at-verlag.ch/buch/978-3-03902-302-8/christian-kuechli-baeume-die-die-welt-bewegen.html
ISBN: 978-3-03902-302-8
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