Schwarzwildjagd: Waffen und Munition

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von Bruno Hespeler

Es steckt ein Funke Wahrheit in der Behauptung, dass Jäger, die für jedes Wild eine eigene Waffe im Schrank haben, meist wenig erlegen. Natürlich darf das nicht generalisiert werden. In der Tat bedarf es zur Schwarzwildjagd keiner „Spezialbüchse“. Wirklich schwere Sauen werden ohnehin nicht oft geschossen. Die Masse der Strecke bilden die Frischlinge. Diese fallen wie die Bachen mit der 7 × 57 ebenso um wie mit der .30-06 Winchester. Einer der schwersten Keiler, die ich in nebelverhangener Jugendzeit sah, fiel, ohne einen weiteren Schritt zu tun, maustot um, weil ihm ein simples Teilmantelgeschoss im Kaliber 6,5 × 57 durch die Rippen fuhr.
Trotzdem sollten wir – wenn es dezidiert auf Sauen geht, also beim Ansitz an der Kirrung, bei Mond im Feld oder auf der Druckjagd – besser ein stärkeres Kaliber wählen. Ein brauchbares Kaliber muss sein! Nicht jeder Schuss sitzt dort, wo er soll. Und längst nicht mit jedem tadellosen Schuss fällt die Sau auch tadellos um. Für Nachsuchen ist es jedoch wichtig, mit dem Schuss ein brauchbares Loch für den Schweißaustritt zu schaffen. Das gilt bei Sauen noch mehr als bei anderen Wildarten. Sauen haben meist viel Weißes unter der Schwarte, das kleine, kaum mehr als kalibergroße Ausschüsse und erst recht die Einschüsse unter Umständen schnell verschließen kann.
Gerade im Bereich des Schildes (Blattes) ist die Schwarte besonders dick und häufig mit Schlamm verkrustet. Das kostet dem Geschoss Energie. Selbst der Körper einer geringen Sau leistet ungleich mehr Widerstand als der eines Rehs. Frischlinge können im November 35 oder gar 40 kg wiegen und sind damit schon doppelt so schwer wie ein Reh. Sauen reagieren manchmal aber auch etwas härter als gleichschwere Wiederkäuer. Daher empfehlen sich Kaliber ab 8 mm Geschossdurchmesser, die gute, alte 8 × 57 IS (IRS/IS) eingeschlossen.

 

Schwarzwild Gewehr

Abb.: Waffen für die Saujagd: Sax Kronen-Doppelbüchse im Kaliber 9,3 × 74R (oben); Blaser R 93 Attache im Kaliber 9,3 × 62.

 

Für welchen Waffentyp sich der Jäger entscheidet ist ziemlich egal. Wer regelmäßig auf Drückjagden geht wird sich einen Repetierer passenden Kalibers zulegen oder gar eine Doppelbüchse. Um brauchbar zu sein, muss eine Drückjagdwaffe einen Flintenabzug haben. Den Stecher soll auf Bewegungsjagden der Teufel holen; er ist einfach zu gefährlich. Zwar gibt es auch Kombiabzüge, welche die Eigenschaften beider Abzugstypen vereinen, aber häufig wird dann doch herumgefummelt. Zur Drückjagdwaffe gehört auch ein Drückjagdglas mit geringer Vergrößerung und entsprechendem Absehen. Eigentlich ist die Vergrößerung ohne Belang; es kommt vielmehr auf das Gesichtsfeld an, darauf, das flüchtende Wild rasch erfassen zu können. Heute lassen sich gerade die Schwarzwildjäger – mit Blick auf den Nachtansitz – oft variable Gläser mit bis zu zwölffacher Vergrößerung montieren. Bei Bewegungsjagden wird dann einfach die Vergrößerung reduziert. Wenn man nur ein Gewehr in „sautauglichem“ Kaliber hat, dann mag das angehen. Aber so große und schwere Gläser machen das Gewehr kopflastig, was sich beim Schuss auf flüchtiges Wild nachteilig auswirkt. Häufig hat man aber auch im entscheidenden Augenblick die falsche Vergrößerung eingestellt.
Bedenken sollten wir noch, dass Bewegungsjagden in der eher kalten Jahreszeit stattfinden, in der wir zwangsweise etwas dickere Kleidung tragen. Da wird uns der „Normalschaft“ beim schnellen Anschlag leicht zu lange.
Es muss kein echter Maßschaft sein, entsprechende Kürzung genügt. Wer zu Einzel- und Bewegungsjagd immer dasselbe Gewehr mitnimmt, kann sich mit einer variablen Schaftkappe behelfen.
Bei der Einzeljagd ist die simple Kipplaufwaffe mit einem Kugellauf, also Bockbuchsflinte, Drilling oder Kipplaufbuchse, so brauchbar wie jede „Spezialwaffe“.
Früher, als der Drilling noch die Standardwaffe des deutschen Jägers war, fiel manche Sau einem Flintenlaufgeschoss zum Opfer. Die „Brennecke“ (so wurden Flintenlaufgeschosse pauschal genannt) machten jede Kipplaufwaffe mit Schrotlauf zur Doppelbüchse. Überhaupt hatte man bei einer Gesellschaftsjagd, auch wenn es eine reine Flintenjagd war, ein paar Brennecke im „Sack“ stecken. In Frankreich, aber auch in den Mittelmeerländern wird heute noch gerne das Flintenlaufgeschoss verwendet, zumal einige Länder den Kugelschuss verbieten.
Doch obwohl ich früher bei Gelegenheit selbst gerne das Flintenlaufgeschoss benutzte, habe ich seine Verwendung in späteren Jahren bei Drückjagden verboten. Die dicken Bleibatzen verformen sich zwar, aber sie fliegen, wenn sie nicht ins Erdreich oder ins Holz dringen, unkontrollierbar weiter. Das ist auf Gesellschaftsjagden einfach zu gefährlich.

 

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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Facebook-Gruppe.

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Titel: Schwarzwild heute: Lebensweise – Bejagung – Verwertung – Wildschäden

Autor: Bruno Hespeler

Verlag: BLV Buchverlag GmbH & Co. KG

Verlagslink: https://www.blvverlag.de/detail/index/sArticle/3262

ISBN: 978-3-8354-1802-8

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Verlagsinformation über den Autor: Bruno Hespeler war viele Jahre lang Berufsjäger bei der Bayerischen Staatsforstverwaltung und Revierleiter im Privatforstdienst. Seit über 30 Jahren arbeitet er als freier Journalist und Autor, ist tätig als Berater und Gutachter bei Jägern, Forstverwaltungen und Gebietskörperschaften und leitet Exkursionen zu forstlichen, wildbiologischen und kulturellen Themen mit Schwerpunkten in Friaul und Slowenien.

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Website des Autors: http://www.bhespeler.at/

Der Autor im Deutschen Jagd Lexikon: http://deutsches-jagd-lexikon.de/index.php?title=Hespeler,_Bruno

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Titelbild des Blogbeitrages: Photo by Piotr Wilk on Unsplash

 

 

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