Unendliche Stille – Ein Anglerleben

Buchvorstellung

Thomas McGuane (* 1939) ist nicht nur ein leidenschaftlicher Angler, sondern auch ein Pionier des Salzwasserfliegenfischens. Er fasste den Entschluss Schriftsteller zu werden, um zwei Drittel seiner Lebenszeit mit Angeln verbringen zu können. Sein Schaffen umfasst Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher sowie Essaysammlungen, in denen die Outdooraktivitäten wie – surprise, surprise das Fliegenfischen – eine tragende Rolle spielen. Aufgrund seiner künstlerischen Leistungen ehrte man ihn als Mitglied der  American Academy of Arts and Letters, der National Cutting Horse Association Members Hall of Fame sowie der Fly Fishing Hall of Fame. Drei seiner zehn Romane wurden mit Marlon Brando, Jack Nicholson und Peter Fonda in den Hauptrollen verfilmt. In seinem Buch Unendliche Stille begleitet der Leser den Künstler in 33 Geschichten beim Fliegenfischen. In wieweit seine Passion auch sein Privatleben prägte, kann man sich denken, da er dreimal heiratete und seine elfjährige Tochter lange annahm, das schmutzige „F-Wort“ würde für Fischen stehen…

»Falls Fliegenfischer etwas an dieser Verfeinerung der Seele – die wir so ungern als Sport bezeichnet hören, aber zu schüchtern sind, sie Kunst zu nennen – als überlegen empfinden, dann die Bereitschaft, unser Erleben um fast jeden Preis zu vertiefen. Darum binden wir Fliegen, nicht um durch den Großeinkauf von Haken und Federn Geld zu sparen. Darum können manche von uns ohne den Lackgeruch, der dem Rutenrohr entströmt, wenn wir unsere Ausrüstung vor einem weiteren, heiligen Tag am Wasser montieren, nicht leben. Das Motto jedes ernsthaften Anglers lautet: „Näher, mein Gott, zu dir.“ Seit Jahrtausenden wird vermutet, Angeln und Religion seien verbunden. Wer aber kein höheres Ideal findet, als mehr zu fischen als seine Kumpel und etwas zu fangen, was er als Trophäe an die Wand hängen kann, hat noch viel zu lernen, bevor er das wird, was Izaak Walton einen vollkommenen Angler nennt.
Ich erinnere mich, wie mein Sohn und ich nach kurzem Flug mit einer schönen Grumman Beaver an einem kleinen Tundrateich in Alaska abgesetzt wurden. Der Besitzer hatte das Flugzeug von der österreichischen Forstverwaltung erworben, die die Maschine dreißig Jahre lang kaum in die Luft gebracht hatte. Es war praktisch eine Beaver mit null Flugstunden, die neuwertigste auf Erden, in Alaska eine unvorstellbare Kostbarkeit. Unser kurzer Flug trug uns über die heroischen Weiten des nördlichen Katmai-Nationalparks, ein Gebiet von ergreifender Schönheit. Nichts jemals vorher Gesehenes hatte uns darauf vorbereitet. Unsere Landung hinderte einen Weißkopfseeadler, eine Schar junger Kragenenten hinterrücks zu überfallen und nun flog der Raubvogel wütend hinter uns herum. Man stelle sich einen Teich vor, so klein und intim wie Walden, von dem man hunderte Kilometer in alle Richtungen blicken kann, dazu einen federnden Boden, Berge, die aussehen, als seien sie älter als die Welt selbst, und einen Himmel, der die unendliche Vielfalt der Stimmungen des Nordpazifiks aufweist.
Mir war nicht klar gewesen, dass die Tundra so spannend ist. Wir stiegen aus dem Wasserflugzeug und gingen über einen endlosen, von Blumen und Moos bedeckten Pudding, der erst unter unseren Füßen nachgab, mit zunehmendem Abstand vom See aber die Konsistenz einer Matratze gewann. In dieser Vielschichtigkeit von Gold, Grün, Rosa und Gelb – einem Ausbruch fast unvergleichlicher botanischer Kreativität – bedauerten wir jeden Schritt, den wir setzten. Dieses Land schien nie mit dem Auftauchen des Menschen gerechnet zu haben, sondern nur für alaskische Braunbären und arktische Wölfe geschaffen worden zu sein. Wir nutzten ein kleines Floß, um herumzukommen. Mein Sohn und ich, dazu Don und Dave – ein exzentrisches Klavierduo aus einer Mittelgebirgsstadt im Westen -, wir saßen auf dem Floß, ließen die in Wathosen steckenden Beine ins Wasser baumeln und glitten den kleinen Fluss entlang auf unserem Weg zu den Angelplätzen. An einigen Hochufern sah ich drei Meter über dem Wasser Klauenspuren, wo Bären sich an den Nestern junger Klippenschwalben gelabt hatten. Mit unseren Fliegenruten in den Händen waren wir auf eine Zeitreise gegangen. Das Fischen hatte uns dieses Geschenk gemacht.
Schon früh bin ich zu dem Schluß gekommen, dass Angeln meine Art der Erkundung der Welt ist. Erst hat es mich gelehrt, wie man Flüsse anschaut. Seit einiger Zeit lehrt es mich, wie man Menschen wahrnimmt, auch mich. Leser, die an jene unterrichtende Angelliteratur gewöhnt sind, die ich selber schätze, müssen den Eindruck gewinnen, ich sei ziemlich vom eigentlichen Thema des Angelns abgekommen. Ich spüre einfach, dass sich der Grenzraum des Angelns nicht länger technisch oder geografisch fassen lässt. Die Bibel trägt uns auf, zu beobachten und zu lauschen. Um etwas Ähnliches sollte es auch beim Angeln gehen: darum, die Rituale unseres Sports und unserer Leidenschaft zu nutzen, um einen immer größeren Nachhall in uns selbst zu wecken.«

Zweihundertdreiundsechzig mit Witz und Geist geschriebene Seiten, die mehr als nur Abenteuer, Wahnsinn und Tricks des Fliegenfischens beschreiben. Empfehlenswert auch für Leser, die mit Angeln nichts am Hut haben, aber gerne im Kopf eines klugen Beobachters ferne Gewässer auf der Suche nach Beute durchstreifen.

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PRESSESTIMMEN

Roman Moser
Aktionsreich und dabei einfühlsam richtet sich der Blick vom Objekt der Begierde hin auf verschiedene Naturlandschaften mit ihren vielfältigen Bewohnern. Äußerst lesenswert und gespickt voll mit nützlichen Informationen – hierzulande gibt es nichts Vergleichbares.

Elmar Elfers, Fisch & Fliege
Lebendig geschrieben und voller aufschlussreicher Details versehen. Jeder Satz lässt den Leser tief ins Leben des Autors eintauchen und die Unendliche Stille genießen.

Stefan Alt, SCALE Magazine
Der bildhaft-beschreibende Stil und der Blick des Autors auf die Natur, das Fliegenfischen im Allgemeinen und die „kleinen Dinge“ die man dabei erleben darf, erinnern mich an meine eigenen Streifzüge auf der Suche nach Salmoniden & Co, auch wenn ich noch keines der beschriebenen Gewässer in den USA, Island, Kanada und Russland befischt habe. Hautnah! 

Michael Müller, Fliegenfischer Forum
Packend, witzig, selbstironisch, manchmal irre spannend. Als leidenschaftlicher Fliegenfischer wird man jede einzelne dieser Geschichten lieben. 

Tom Fort, Financial Times
Unendliche Stille ist ein lebensbejahendes, schwindelerregend gut geschriebenes Buch. Ich wäre ein stolzer Angler, würde ich Trophäen halb so schwer wie McGuanes 22-pfündige Meerforelle aus dem Rio Grande fangen. Genauso stolz wäre ich, würde ich ein Buch nur halb so gut wie dieses schreiben.

Scotland on Sunday
Wenigen literarischen Werken ist es geglückt, die Essenz des Fliegenfischens einnehmend festzuhalten. Mit diesem einfühlsamen und nachdenklichen Werk ist dem vielgepriesenen amerikanischen Romanschriftsteller Thomas McGuane ein moderner Klassiker gelungen

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Thomas McGuane hält den Vortrag Does Fishing Mean Anything?

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Autorenvorstellung des Verlages

Abb.: Thomas McGuane; Bildquelle: © The Great Bruce Weber 

Aufgewachsen in Michigan und Florida, war Thomas McGuane seit frühester Jugend mit der Fliegenrute unterwegs. Als Heranwachsendem wurde ihm bereits bewusst, dass seine zukünftige Lebensgrundlage im Einklang stehen müsse mit dem Wunsch, so viel Zeit wie möglich am und im Wasser zu verbringen. Wenige Berufe eignen sich dafür besser als der des Schriftstellers. McGuanes literarisches Werk beschäftigt sich vornehmlich mit der amerikanischen Gegenkultur der 60er und 70er Jahre, dem Niedergang des ‚American Way of Life‘, mit Familiendramen und dem Verhältnis von Mensch und Natur im von rasanter Veränderung geprägten Westen der USA. Die Früchte des beruflichen Erfolgs, der sich bereits in jungen Jahren einstellte, wurden gebührend in Zeit und Anschaffungen für das Fliegenfischen investiert. Aus dem Erlös seines Erstlingswerk ‚The Sporting Club‘ kaufte McGuane sich ein Flachbodenboot und wurde so nebenbei zu einem Pionier für die Entwicklung des Fliegen schens auf Bonefish, Tarpon und Permit. Mit dem Verkauf der Filmrechte für dieses Werk erstand er eine Ranch in Montana, um sich im Zentrum des klassischen amerikanischen Fliegenfischens zu bewegen. Ein Schreibtischangler jedenfalls ist Thomas McGuane, der noch während der ersten Jahrzehnte seines schriftstellerischen Daseins zweihundert Tage pro Jahr am Wasser verbrachte, mit Sicherheit nie gewesen.

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Anmerkungen

Titel: Unendliche Stille – Ein Anglerleben

Autor: Thomas McGuane

Übersetzung: Andreas Heckmann

Verlag: Forelle & Äsche Verlag

Verlagslink: https://www.forelleundaesche.com/?s=unendliche+stille

ISBN: 978-3981856620

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Mehr von Forelle & Äsche:

https://krautjunker.com/2019/08/10/ferne-welt/

https://krautjunker.com/2017/08/22/clive-gammon-i-know-a-good-place/

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