Begriffe und Definitionen der Kynologie und Jagdkynologie

von Joachim Orbach

Im Jagdgebrauchshundwesen werden Begriffe verwendet, die leider auch heute noch oft falsch verstanden werden. Dabei hat sich nichts an der Notwendigkeit geändert, dass alle Hundeführerinnen und Hundeführer unter den verwendeten Begriffen dasselbe verstehen. Deshalb hat der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) bereits im Jahr 1975 gemeinsam mit dem VDH und mit Wissenschaftlern, unter anderem Eberhard Trumler, in einem wissenschaftlichen Ausschuss die wesentlichen Begriffe der Kynologie und Jagdkynologie definiert und erläutert. Dabei flossen auch Erkenntnisse von Nobelpreisträgern wie Prof. Dr. Dr. Konrad Lorenz ein. Nachfolgend finden Sie die Begriffe und Definitionen kurz und übersichtlich.

Abb.: Barca von der Lindeshalde, Steirische Rauhhaarbracke; Bildquelle und Halter: Axel Mueller

Kynologische Begriffe

Vegetative Phase

Die ersten beiden Lebenswochen werden als vegetative Phase bezeichnet.

Übergangsphase

Die Übergangsphase liegt in der dritten Lebenswoche.

Prägungsphase (Prägung)

Sie dauert von der 4. bis zur 8. Lebenswoche. Prägung ist ein auf einen bestimmten, sehr kurzen Zeitraum begrenztes Lernvermögen.

Abb.: Weimaraner Langhaar Welpe nach der Jagd auf Schwarzwild; Bildquelle und Halter: Striezi Slovensky

Sozialisierungsphase (Sozialisierung)

Sie dauert von der 8. bis zur 14./16. Lebenswoche. Unter Sozialisierung verstehen wir ein auf einen bestimmten Zeitraum begrenztes Lernvermögen zur Gemeinschaftsbildung.

Abb.: Petit Bleu de Gascogne; Halter und Bildquelle: Anne Baumgarten

Rangordnungsphase

Sie dauert von der 14. bis zur 20. Lebenswoche. In dieser Zeit wird die Rangordnung festgelegt.

Rudelordnungsphase

Sie dauert von der 20. bis zur 28. Lebenswoche. Es ist die Zeit des Lernens in der Praxis, die über das simulierte Spiel hinausgeht.

Pubertätsphase

Sie dauert von der 28. bis zur 36. Lebenswoche. Es ist die Zeit des Übergangs zu einem neuen Lebensabschnitt.

Abb.: Xella von der Wachholderheide; Deutsch Kurzhaar; Halter und Bildquelle: Edmund Weimer

Kynologische Begriffe (allgemein)

Wesen

Wesen ist die Gesamtheit der angewölften (Erbkoordinaten) und der erworbenen (Erwerbskoordinaten) Verhaltensweisen eines Hundes.

Wesensfestigkeit

Wesensfestigkeit ist eine innere Ausgewogenheit, eine Art Gelassenheit, die selbst bei außergewöhnlichen Umwelteinflüssen bestehen bleibt oder sich schnell wieder einstellt.

Abb.: Cocker Spaniel vom Schwarzen Bock; Bildquelle: Christian Fuhrmann

Wesensschwäche

Wesensschwäche ist ein Zustand angewölfter (angeborener) oder erworbener nervöser Reizbarkeit oder überempfindlicher Reaktion auf alles Ungewöhnliche. Dazu zählen Milieuscheue, Gewitterscheue, Geräuschempfindlichkeit, Scheue gegenüber fremden Personen oder anderen Tieren, jede Art von übersteigertem Misstrauen, Angstbeißen, Weichheit und Ängstlichkeit bei der Ausbildung sowie schreckhaftes Reagieren auf alles Ungewohnte.

Charakter

In der Kynologie wird immer noch vom „Charakter“ eines Hundes gesprochen. Der Ausschuss hat sich bereits im Jahr 1975 eingehend mit diesem Ausdruck auseinandergesetzt und ist zu dem eindeutigen Beschluss gekommen, dass der Ausdruck „Charakter“ in Bezug auf den Hund nicht mehr verwendet werden sollte.

Bildquelle: Striezi Slovensky

Temperament

Wir sollten Temperament künftig wie folgt definieren: Ansprechbarkeit, Stärke und Geschwindigkeit der Reaktionen auf äußere und innere Reize (Appetenz- und Reaktionsintensität). Schließlich stellt das Temperament das individualtypische (rassetypische) Bild ererbter Verhaltenszüge dar.

Abb.: Elfie von Altentrüdingen, Parson Russel Terrier; Halter und Bildquelle: Christian Wetzling

Nervenkostüm

Auch dieser Begriff taucht in der Kynologie häufig auf. Der Ausschuss war der Meinung, dass der Begriff im Wesen bereits erfasst und daher als eigener Begriff nicht notwendig ist.

Abb.: Cocker Spaniel vom Schwarzen Bock; Halter und Bildquelle: Christian Fuhrmann

Reiz und Reizschwelle

Die Reizschwelle ist die Leistungsfähigkeit der Sinnesorgane und des ihnen zugeordneten Anteils des Nervensystems. Alle Reize werden allein von Sinnesorganen wie Nase, Ohr und Tastsinn wahrgenommen. Je besser diese sind, umso geringfügigere, „schwellenerniedrigte“ Reize können wahrgenommen werden.

Abb.: Festus vom Wortbach, Basset Fauve de Bretagne; Halter und Bildquelle: J Ot He

Reagieren auf Reize

Alle Reaktionen, die ein Tier auf einen entsprechenden Reiz hin zeigt, werden grundsätzlich von zwei Verhaltenselementen gesteuert: von den angewölften Bewegungsweisen (Erbkoordinaten) und den erlernten Bewegungsweisen (Erwerbskoordinaten). So ist zum Beispiel bei Vorstehhunden das Vorstehen angewölft. Dass der Hund aber bis zuletzt stehen bleiben muss und nicht einspringen darf, kann er über die Abrichtung (Ausbildung) erlernen.

Abb.: Weimaraner; Halter und Bildquelle: Striezi Slovensky

Empfindlichkeit

Empfindlichkeit ist die Eigenschaft eines Hundes, auf bestimmte, zum Teil eng begrenzte Umweltreize zu reagieren. Der auslösende Faktor kann akustischer, optischer oder olfaktorischer (geruchlicher) Art sein.

Scheue

Scheue ist das unerwünschte Fluchtverhalten eines Hundes (schussscheu, milieuscheu, gewitterscheu, handscheu, wildscheu).

Empfindlichkeit und Scheue gegen Sinnesreize

Hunde reagieren auf Geräusche jeder Art oder auch nur auf Geräusche bestimmter Art unterschiedlich und verschieden stark. Inwieweit Hunde mit Empfindlichkeitszeichen jeder Art und Stärke diese Mängel als Erbgut mitbringen, ist bis heute nicht ausreichend geklärt. Grad und Art der Geräuschempfindlichkeit sind durch Haltung und Abrichtung in gewissem Maße beeinflussbar. Daher ist es empfehlenswert, Hunde möglichst in früher Jugend behutsam und schrittweise an Geräusche möglichst jeder Art zu gewöhnen.

Abb.: Detto, Bracco Italiano; Halter und Bildquelle: Markus Holthausen

Schussempfindlich

Schussempfindlich sind Hunde, die auf den Schuss hin mit der Arbeit aufhören und zu ihrem Führer kommen, nach Aufforderung durch den Führer ihre Arbeit aber fortsetzen.

Abb.: Edgar vom Kaiserstoan, Steyrische Rauhaarbracke im 3. Behang; Halter und Bildquelle: Thomas Waysocher

Stark schussempfindlich

Stark schussempfindlich sind Hunde, die auf den Schuss hin mit der Arbeit aufhören und zu ihrem Führer zurückkehren, sich dabei verstört und ängstlich zeigen und nicht mehr dazu zu bewegen sind, weiterzuarbeiten.

Abb.: English Setter beim gemeinsamen Vorstehen; Halter und Bildquelle: Katja Heumann

Schussscheue

Schussscheue Hunde ergreifen bei Abgabe eines Schusses sofort die Flucht. In der Regel sind sie auch nach einer gewissen Zeit nicht bereit, zum Führer zurückzukehren und sich anleinen zu lassen.

Gewitterscheue

Sicher empfinden auch Hunde Witterungsschwankungen und sind bei aufziehendem Gewitter besonders empfindlich. Diese Empfindlichkeit in ausgeprägter Form ist als Gewitterscheue zu bezeichnen.

Abb.: Vulkan von St. Vit, Großer Münsterländer; Halter und Bildquelle: Christoph Stumpf

Milieuscheue

In ungewohnter Umgebung zeigen sich fast alle Hunde mehr oder weniger beeindruckt. Sie sind vorsichtig, zeigen nicht ihr übliches Verhalten und reagieren ängstlich oder gar aggressiv. Dieses Verhalten kann als Milieuscheue bezeichnet werden, wenn der Hund deutliche Anzeichen von Angst und Fluchtverhalten zeigt.

Schärfe

Generell gesehen ist Schärfe die stets gegenwärtige Bereitschaft zur kämpferischen Auseinandersetzung. Aus der Praxis muss festgehalten werden, dass Schärfe ausschließlich angewölft ist.

Abb.: Deutsch Langhaar Lotte vom Deutschen Orden; Sandra Lothes

Schärfe und „Überschärfe“

Je nach Art und Intensität der äußeren Reizwirkung kommt es zu einer mehr oder weniger starken Kampfstimmung, zum Beispiel Haarsträuben, Zähnefletschen oder bösem Knurren. Diese Kampfstimmung ist im Wesen begründet. Bei wesensfesten Hunden stellt sich die Harmonie, wie wir sie wünschen, nach kurzer Zeit wieder ein. Bei wesensschwachen Hunden dagegen kann die Kampfstimmung zur blinden Raserei ausarten.

Bildquelle und Halter: Sonja Oltmanns

Die „Scheinschärfe“ des Angstbeißers

Unerwünscht ist die „Scheinschärfe“. Man trifft sie öfter an, als zugegeben wird. Als Beispiel sei hier der Angstbeißer genannt. Angstbeißen hat mit Schärfe überhaupt nichts zu tun. Beim Angstbeißen handelt es sich ausschließlich um eine Aggressionshandlung aus Angst!

Mannschärfe

Mannschärfe ist die Bereitschaft des Hundes zur kämpferischen Auseinandersetzung speziell mit dem Menschen oder auch die Eigenschaft des Hundes, jeder scheinbaren oder tatsächlichen Bedrohung durch den Menschen aktiv entgegenzutreten.

Abb.: Labrador Retriever aus Arbeitslinie; Halter und Bildquelle: Cornial Truffer

Härte

Nach Prof. Dr. E. Seiferle, Zürich, ist „Härte“ die Fähigkeit, unlustvolle Empfindungen und Erlebnisse wie Schmerz, Strafe oder Niederlage im Kampf hinzunehmen, ohne sich im Augenblick oder auf Dauer wesentlich beeindrucken zu lassen. Mit der Gleichsetzung von „Härte“ und „Schärfe“ war der Begriffswirrwarr vollkommen. Gewiss gibt es Grenzbereiche, in denen der Unterschied nicht genau festzustellen ist. Auf alle Fälle ist zu beachten, dass ein harter Hund nicht unbedingt auch ein scharfer Hund sein muss. Dies gilt natürlich auch im umgekehrten Sinn.

Halter und Bildquelle: Hunter Stone

Weichheit

Weichheit ist nach Seiferle die Eigenschaft, sich von unlustvollen Empfindungen oder beängstigenden Erlebnissen stark oder nachhaltig beeinflussen zu lassen.

Abb.: English Springer Spaniel; Bildquelle und Halter: Sandra Bender

Gefolgschaftstreue

Genauso wie die Rangordnung im 4. Lebensmonat für alle künftigen Zeiten gefestigt wird, bildet sich jetzt für alle Zeiten auch eine Art Arbeitsteilung im Rudel heraus. Daher wird man gerade in der Rudelordnungsphase streng und genau darauf achten müssen, dass der Hund Gefolgschaftstreue und Unterordnung als normalen Lebenszuschnitt begreifen lernt. Damit wird auch die Gefolgschaftstreue gegenüber dem Rudeloberhaupt (Führer) verständlich.

Abb.: Florian vom Fuchstanz, Deutscher Wachtel; Bildquelle und Halter: Antje Wutzke

Unterordnung

Unterordnung ist eine angewölfte Verhaltensweise, die das Zusammenleben aller sozial lebenden Tiere erst ermöglicht und somit für diese die wichtigste Verhaltensweise schlechthin darstellt. Sie bestimmt die Rangfolge im Rudel und ist für gemeinsam jagende Tiere unabdingbar, bei diesen also besonders ausgeprägt. Ein hohes Maß an Unterordnung zeigt der Hund, der auch auf Arbeitsgebieten, die ihm von der Veranlagung her weniger liegen, bereit ist, das von ihm verlangte Verhalten zu erbringen. Im Gegensatz zum Diensthundewesen findet der Begriff „Unterordnung“ in der Jagdkynologie kaum Anwendung.

Abb.: Weimaraner; Halter und Bildquelle: Martin Haltmeier

Gehorsam

Unter Gehorsam versteht man die ständige Bereitschaft des Hundes, sich in jeder Situation den Wünschen (Befehlen, Weisungen) seines Führers schnell und sicher zu unterwerfen. Während Unterordnung und Führigkeit vom Hund zum Meuteführer Mensch gehen, also angeboten werden, verlangt der Meuteführer Mensch beim Gehorsam vom Hund, dass er seinen Anordnungen und Kommandos sofort, bedingungslos und zuverlässig nachkommt. Dabei spielen die Bereitschaft zur Unterordnung und die Führigkeit allerdings eine nicht geringe Rolle.

Abb.: Isolde von Hubertus, Weimaraner Kurzhaar; Bildquelle: Melanie Burger

Führigkeit

Führigkeit ist die Bereitschaft des Hundes, dem von ihm anerkannten Meuteführer Mensch ohne Zwangseinwirkung zu dienen. Sie zeigt sich ausschließlich in der Zusammenarbeit mit seinem Führer. Ein führiger Hund geht bereitwillig auf jeden Wunsch seines Führers ein. Er hält bei der Arbeit ohne Aufforderung stets Verbindung zu ihm. Während zwischen Unterordnung und Führigkeit gewisse, nicht zu trennende Zusammenhänge bestehen, trifft dies auf den Gehorsam nicht zu. Der Begriff „Führigkeit“ findet überwiegend im Jagdgebrauchshundwesen Anwendung.

Abb.: Unix, Deutsch Kurzhaar; Halter und Bildquelle: Daniel Schoch

Arbeitsfreude

Die Arbeitsfreude des Hundes zeigt sich in seiner lustbetonten Bereitschaft, auf die Absichten des Führers der Zweiermeute einzugehen. Im Wesentlichen ist sie in einer sachgemäßen Aufzucht und Erziehung begründet, die den Hund zu einer Arbeitseinstellung bringt, mit seinem Führer Angenehmes zu erleben. Bei Jagdhunden setzt man zusätzlich ausreichend angewölfte Jagdpassion voraus.

Abb.: Bracco Italiano steht Rebhuhn vor; Halter und Bildquelle: Jeanette Koepsel

Jagdkynologische Begriffe

Spur- und Fährtenwille

Spur- und Fährtenwille ist die Grundeigenschaft aller jagenden Hunde.

Abb.: Leonidas von Königsmark, Deutsch Kurzhaar; Halter und Bildquelle: Karin Neukirchen-Stratmann

Spur- und Fährtentreue

Spur- und Fährtentreue ist die Fähigkeit des Hundes, sich auf der Ansatzfährte oder Spur so zu konzentrieren, dass Verleitungen, also die Witterung anderen Wildes, ohne wesentlichen Einfluss auf seine Arbeit bleiben. Spurtreue beweist der Hund auf der Fuchs- oder Hasenspur, Fährtentreue auf der Wundfährte. Der Hund lässt sich durch andere Fährten nicht verleiten, selbst wenn diese frischer sind.

Abb.: Hubertus Noble Iaro, Gordon Setter; Halter und Bildquelle: Silvia Slazenger

Spur- und Fährtenlaut

Spurlaut (auf der Spur von Fuchs, Hase und Kaninchen) und Fährtenlaut (auf der Fährte von Schalenwild) ist das regelmäßige, möglichst anhaltende Lautgeben des Hundes auf der warmen Spur beziehungsweise Fährte, ohne dass er das Wild zuvor eräugt hat. Das kann auch im Wind in unmittelbarer Anlehnung an die Spur beziehungsweise Fährte geschehen.

Abb.: Weimaraner Langhaar; Halter und Bildquelle: Striezi Slovensky

Sichtlaut

Bei diesen Hunden genügt der Anreiz, der allein durch die nasenmäßige Verbindung mit der Bodenspur beziehungsweise -fährte ausgelöst wird, nicht, um die Bereitschaft zum Lautgeben auszulösen. Solche Hunde brauchen zusätzlich den Sichtreiz als Anreiz.

Hetzlaut

Dieser Ausdruck wird nur dann richtig verwendet, wenn es sich um Nachsuchen auf der Wundfährte von Schalenwild handelt.

Abb.: Winnie, Beagle: Halter und Bildquelle: Constantin Müller

Standlaut

Nach dem Schnallen hetzt der Hund das kranke Stück so lange, bis es sich stellt. Kann der Hund das kranke Stück nicht abtun, so bannt er es durch anhaltendes Lautgeben an den Platz und ruft damit den Meuteführer herbei. Dies bezeichnet man als „Standlaut“. Ebenso wird der Begriff „Standlaut“ für den Erdhund verwendet, der im Bau vor dem Raubwild liegt.

Abb.: Mika vom Westerbach, Magyar Viszla; Halter und Bildquelle: Horatio Lehmann

Waidlaut

Als bedenkliche Lautäußerung ist der Waidlaut anzusehen. Diesen Laut lösen nicht nur die Wahrnehmung des Wildes durch das Auge (Sichtlaut), das Ohr (Zwischenstufe Sichtlaut/Spurlaut) oder die Nase (Spur- oder Fährtenlaut) aus. Oft genügt schon das Schnallen des Hundes, damit sich die angestaute Passion im Lautgeben entlädt.

Abb.: Cerby, Curly Coated Retriever; Halter und Bildquelle: Anne Spielhofen

Baulaut

Auch der Baulaut ist eine bedenkliche Lautäußerung. Man versteht darunter das Lautgeben des Erdhundes im Bau, obwohl er das Raubwild noch gar nicht wahrgenommen hat.

Abb.: Traudl vom Eisenstein, Rauhaardackel; Bildquelle und Halter: Bertram Graf v. Quadt

Wildschärfe

Unter Wildschärfe verstehen wir die Fähigkeit des Hundes, krankes Niederwild zur Strecke zu bringen, Schalenwild je nach Stärke zu stellen, gegebenenfalls auch niederzuziehen und abzutun. Das Jagen auf Schwarzwild beweist einen hohen Grad an Wildschärfe.

Abb.: Cocker Spaniel vom Schwarzen Bock; Halter und Bildquelle: Christian Fuhrmann

Raubwild- und Raubzeugschärfe

Raubwild- und Raubzeugschärfe ist die Eigenart des Hundes, Raubwild und Raubzeug bei der Jagdausübung schnell und sicher zur Strecke zu bringen, zumindest aber dieses Wild durch Verbellen sicher zu stellen, damit der Jäger es strecken kann.

Finderwille

Unter Finderwillen versteht man die angewölfte Fähigkeit des Hundes, auch unter erschwerten Umständen in enger Verbindung mit dem Spur- oder Fährtenwillen zum Erfolg zu kommen.

Abb.: Hugo, Plott Hound; Halter und Bildquelle: Gunter Hildebrand

Bringwille

Bringwille ist die Eigenschaft des arbeitsfreudigen Hundes, gefundenes Wild seinem Führer zu bringen.

Abb.: Quint von Walhalla, Weimaraner Kurzhaar; Halter und Bildquelle: Melanie Heimberger

Nase (J. O.)

Wenn im Jagdgebrauchshundwesen von der Nase gesprochen wird, ist nicht das für unsere Jagdhunde wichtigste Sinnesorgan selbst gemeint, sondern die Nasenleistung. Entsprechend wird die Nasenleistung auf Prüfungen auch unter dem Begriff „Nase“ bewertet.

Abb.: Magyar Vizsla; Halter und Bildquelle: Hartwig Witter

Zur gerechten Beurteilung der Nasenleistung spielen Wildart und Wildvorkommen, Witterungseinflüsse, etwa vorhandener Schweiß und Wundwitterung, Bodenbewuchs, Bodenverwundung und Gelände eine Rolle. Zur Stehzeit des Duftes einer Spur sei auf die wegweisenden Versuche von Dr. Konrad Most hingewiesen. Der Duft einer Spur steht bei unterschiedlichen Klimabedingungen und Bodenverhältnissen unterschiedlich lange. Einen groben Anhalt nach Most geben diese Werte:

  1. 0 Stunden auf trockenem Fels und Sandboden sowie auf Asphalt.
  2. Bis zu 3 Stunden bei trockener Luft, starkem Regen und starker Luftbewegung (abhängig von der Dichte der Bodenflora).
  3. 3 bis 12 Stunden bei Beschattung, nur mäßigem Regen, bewachsenem Boden und feuchter Laubstreu.
  4. 12 bis 48 Stunden bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit, Windstille, dicht bewachsenem Boden oder dichter Laubstreu.

Weiterhin hat die Mikrometeorologie (die Untersuchung der atmosphärischen Grenzschichten innerhalb der ersten hundert Meter über der Erdoberfläche) dazu beigetragen, die Kenntnisse zu erweitern. Hier sei besonders auf die Erkenntnisse von Dr. Zugschneid hingewiesen. Temperatur, Feuchtigkeit, Luftstrom, Luftdichte und Tageszeit sind alle von Bedeutung für die Geruchsentwicklung einer Spur, eines Geläufs oder einer Fährte. In diesem Zusammenhang sollte man auch beachten, dass die Ausbildung von Duftstoffen eine gewisse Zeit braucht. Sind die entsprechende Riechreizschwelle sowie der Wille zum Suchen bei unseren Jagdhunden genetisch bedingt vorhanden, so kann der Nasengebrauch selbst trainiert werden.

Abb.: Luxus, Bayerischer Gebirgsschweißhund; Halter und Bildquelle: Ales Maxa

Erstveröffentlichung in „Der Jagdgebrauchshund“

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Joachim Orbach

Seit 1968 führt Joachim Orbach Jagdhunde (Erd – u. Vorstehhunde). Im gleichen Jahr meldete er auch seinen Zwinger für die Teckelzucht an. Einige Jahre später führte er dann auch Deutsch Drahthaar und Kleine Münsterländer. Ab 1983 begann er damit Artikel für Jagdzeitungen, Mitteilungsblätter des JGHV und Zuchtvereine sowie Jagdblogs zu schreiben. Eine Liste seiner Veröffentlichungen findet sich auf www.jagfibel.de (Suchbegriff Joachim Orbach eingeben). Auch ist er für die Redaktion der Jagdfibel (s. Impressum), Pressesprecher der Bergischen Arbeitsgemeinschaft Schweiß sowie für den JGV Oberbergischer Jäger e.V. tätig. Er ist Mitglied im Forum lebendige Jagdkultur sowie Zucht – und Prüfungsvereinen für Jagdhunde.


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Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER gibt es nicht nur eine Facebook-Gruppe.

Die Fotos wurden am 26. Oktober 2026 von Mitgliedern der KRAUTJUNKER-Facebookgruppe auf meinen Aufruf hin in den Kommentaren hochgeladen. Herzlichen Dank an alle, die ihre Bilder zur Verfügung gestellt haben! Bitte habt Verständnis dafür, dass ich nicht alle Fotos verwenden konnte und meine Auswahl zwangsläufig ein wenig willkürlich ausfallen musste. Auch ließ es sich nicht immer vermeiden, dass die Bilder nicht unmittelbar zu den jeweiligen Textpassagen passen. Umso mehr freue ich mich über die große Resonanz und die vielen wunderbaren Einblicke in die Welt unserer Jagdhunde.


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