Der wilde Falk ist mein Gesell

am

Buchvorstellung von Beate A. Fischer

Mit der Falknerei hatte ich wenig Berührungspunkte, im meinem Jagdscheinkurs war eine Frau, die den Jagdschein machte, um mit Hund und Falke auf die Jagd gehen zu können und viel davon erzählte. Aber das ist auch schon ein paar Jahre her.

Der Autor (Lo)Renz Waller, geboren 1895, verstorben 1979, Kunstmaler und Falkner, gründete 1923 den „Deutschen Falknerorden“. Also jemand, der sich auskennt. Auch die Tatsache, dass das Buch erstmals erschienen 1962, nun bereits die 5. Auflage erlebt, spricht für Qualität. Mein Interesse wurde durch das Titelbild geweckt, eine historische Malerei und durch den Titel Der wilde Falk ist mein Gesell. Der Titel drückt für mich das aus, was ich in dem Buch wiedergefunden habe, ein großer Respekt vor dem Beizvogel, einem Partner bei der Jagd. Der Autor hat verschiedene Greife auf die Beizjagd geführt. Er schreibt von ihnen, ihren Eigenheiten und Vorlieben, ihrem Charakter. Sie haben Namen und der Autor erzählt von der Zeit, die er mit ihnen verbracht hat, wie sie zu ihm gekommen und auch wieder von ihm gegangen sind.

Neben einer Reihe spannender Beizjagdgeschichten lernt der interessierte Leser die Falknersprache (umfangreiches Glossar am Ende des Buches), eine Menge über Haltung, Pflege, Ausbildung und Behandlung des Beizvogels. Geräte und Hilfsmittel des Falkners werden erklärt. Vorgestellt werden verschiedene Beizvogelrassen und ihre Einsatzgebiete wie die Beizjagd auf unterschiedliches Haarwild (Hase, Kanin) und Federwild (Fasan, Rebhuhn, Moorhühner, Birkwild, Möwen, Kibitze, Schnepfen, Bekassinen, Reiher, Krähen, Elster).

Eher erklärende, erläuternde Abschnitte wechseln sich in lockere Folge ab mit Jagdgeschichten und Erzählungen aus dem Zusammenleben mit den Vögeln. Außergewöhnlich ist die Beschreibung der Jagd mit dem Adler, die der Autor wieder einstellte, nachdem der Adler mehrere Hunde gegriffen hatte. Interessanterweise wurde in Vorderasien der Adler zur Beizjagd auf den Wolf eingesetzt. Ein atemberaubender Gedanke, das Zusammentreffen zweier solche mächtiger Tiere.

Faszinierend ist für mich als Außenstehende, dass der in den Wildflug freigelassene Beizvogel (meistens) zum Führer zurückkehrt. Auch dieses Thema wird umfassend beleuchtet. Es scheint in der Tat so, dass sich zwischen dem Beizvogel und dem Führer eine enge Bindung aufbaut, Voraussetzung ist – wie meist – Zeit und Geduld.

Mich – als Führerin eines Vorstehhundes – hat das Zusammenspiel zwischen dem Vogelhund, meist Pointer, Setter, Kleiner Münsterländer und dem Beizvogel begeistert. Der Vogel beobachtet den Hund, wie dieser vorsteht und auf Befehl des Führers das Flugwild hochmacht, damit der Beizvogel es schlagen kann. 

Das Buch handelt im wesentlicher in der Lebenszeit des Autors, die von zwei Kriegen und der Nachkriegszeit geprägt ist, es wirkt trotzdem nah und modern. Der Autor holte sich zu Spezialthemen die Unterstützung seiner Mitautoren, die sich wunderbar in das Gesamtkonzept einfügen. Es wird von Anfang an Falknersprache vorausgesetzt, aber trotzdem ist das Buch – mit dem umfangreichen Glossar – auch für Ahnungslose wie mich – gut verständlich. Alles in allem ein spezielles, aber sehr empfehlenswertes Buch, das dem geneigten Leser bereitwillig und freundlich eine Tür in diese fremde Welt öffnet.    

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KRAUTJUNKER-REZENSENTIN:

Beate A. Fischer, geboren 1973, Jägerin seit 6 Jahren, Hundeführerin – verliebt in einem Vizsla sowie Co- und Stiefmutter eines Fox, schießt leidenschaftlich gern Jagdparcour und Flugwild, außerdem hat sich die afrikanische Sonne in ihr Herz gebrannt. Sie lebt im kühlen Nordfriesland auf einem Resthof, arbeitet als Rechtsanwältin und schreibt manchmal auch mal andere schöne Texte. 

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Von KRAUTJUNKER existiert eine Facebook-Gruppe.

Titel: Der wilde Falk ist mein Gesell

Autor: Renz Waller

Verlag: Neumann – Neudamm, 2019, 5. Auflage

Verlagslink: https://www.jana-jagd.de/buecher/falknerei/11666/renz-waller-der-wilde-falk

ISBN: 978-3-7888-1975-0

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