Buchvorstellung
Fische eignen sich nicht für den Beginn eines angeregten Smalltalks, und mit meiner Begeisterung für diese aquatischen Lebensformen bin ich so allein wie ein einsamer Perverser, der nur selten Gleichgesinnte findet. Wenn Funny van Dannen singt: „Der Fisch ist mein Lieblingstier. Er ist interessant“, beginnen Sänger und Publikum zu lachen an.
Beim Wels (Silurus glanis) ist das anders. Er gehört zu den wenigen Fischen, die auch ganz normale Menschen interessieren. In seinem neuen Buch Welse – Giganten unserer Gewässer widmet sich Markus Bötefür diesem Tier mit dem Blick des Historikers, dem Wissen des Anglers und der Neugier eines Naturbeobachters.

Kaum ein heimisches Tier hat die Fantasie so lange beflügelt wie der Wels, der mit über drei Metern Länge zu den größten Süßwasserfischen Europas zählt. Er gilt als nachtaktiver Schattengänger, als Schrecken der Badeseen und als Unhold, der Schwäne und Hunde verschlingt. Welse liefern Stoff für Legenden, Schauergeschichten und Anglerträume. Bötefür nimmt die Gruselmärchen der Boulevardpresse auseinander, vom aggressiven Badegäste-Killer bis zum nimmersatten Gierschlund, der ganze Gewässer leerfrisst. Schritt für Schritt ersetzt er hartnäckiges Halbwissen durch zoologische und ökologische Fakten.
Das Buch lässt sich dem Nature Writing zuordnen, jenem Genre, das ich auf dem KRAUTJUNKER immer wieder gern vorstelle. Es verbindet naturwissenschaftliche Fakten mit Kulturgeschichte und persönlichen Erfahrungen zu einer klugen und unterhaltsamen Lektüre.

Bötefür steigt mit einer Familienanekdote ein: Ein anderthalber Meter großer Wels, den ein Angelfreund seines Vaters 1963 im Illmensee fing, wurde tags darauf von Schulklassen bestaunt, zwei Jahre vor der Geburt des Autors. Auch seine erste eigene Begegnung mit einem Waller spielt eine Rolle, ein Zufallsfang von gerade einmal 67 Zentimetern, der beim Fünfzehnjährigen die Lust auf fischereigeschichtliche Forschung weckte. So entsteht eine Nähe, die man in Sachbüchern selten findet.
Von dort führt die Reise durch die Jahrhunderte, von Plinius bis Conrad Gessner. Der Autor zeigt, wie der Fisch zu seinen vielen Namen kam und wie das einstige Donautier dank Klimawandel, Kanalbau und Besatz zum „Spätaussiedler“ in fast ganz Europa wurde. Dazu erfährt man, wie Welse leben, jagen und ihre Brut versorgen und was es mit dem Rummel der Sommerlöcher auf sich hat.
Natürlich kommen auch passionierte Angler auf ihre Kosten. Ansitz- und Spinnfischen, Ausrüstung und Köder, das Klopfen mit dem Wallerholz und der legendäre Wallergriff werden ebenso behandelt wie die Suche nach den besten Plätzen an Seen, Flüssen und Kanälen. Den kulinarischen Abschluss bildet ein Ausflug an den Bodensee, wo klassische und ungewöhnliche Welsrezepte Lust darauf machen, den Giganten auch einmal auf dem Teller kennenzulernen. Das Nachwort nimmt Bezug darauf, dass der Wels zum Fisch des Jahres 2026 gekürt wurde, was dem Buch zusätzliche Aktualität verleiht.

Was dieses durchgehend farbig bebilderte Buch besonders lesenswert macht, ist die spürbare Begeisterung seines Autors für den Spitzenprädator unserer Gewässer. Markus Bötefür schreibt flüssig, anschaulich und mit jener Vertrautheit, die nur aus jahrzehntelanger Beschäftigung mit einem Thema entstehen kann. Seine Geschichten und Beobachtungen machen aus einem Sachbuch einen lebendigen Streifzug durch die Natur- und Kulturgeschichte. Es richtet sich ausdrücklich nicht nur an spezialisierte Wallerangler oder Fischereibiologen, sondern an alle Naturliebhaber, die neugierig auf die verborgenen Welten unserer heimischen Gewässer sind.
Der nächste Sprung in den Badesee fällt nach der Lektüre jedenfalls etwas anders aus: weniger Gänsehaut, dafür ein gutes Stück mehr Respekt vor dem Giganten in der Tiefe.

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Dr. Markus Bötefür

Dr. Markus Bötefür blickt auf mehr als ein halbes Jahrhundert gelebte Passion am Wasser zurück. Als Historiker und bekannter Angelsportjournalisten Deutschlands verbindet er wie kaum ein anderer praktisches Fachwissen mit kulturgeschichtlicher Tiefe. Seine Expertise floss bislang in 18 Fachbücher zum Thema Angeln und Fischfang sowie in unzählige Kriminalromane. Auf dem KRAUTJUNKER wurde sein empfehlenswerter Titel Petri Heil: Die Kulturgeschichte des Angelns vorgestellt.
Seit vier Jahrzehnten bereichern seine packenden Reportagen und fundierten Beiträge regelmäßig die großen deutschsprachigen Jagd- und Fischereimagazine – von Fisch & Fang und Rute & Rolle bis hin zu Petri-Heil und Wild und Hund.
https://www.markus-boetefuer.de/
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Anmerkungen

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Titel: Welse – Giganten unserer Gewässer: Der Waller gestern, heute, morgen
Autor: Markus Bötefür
Verlag: Leopold Stocker Verlag GmbH
Verlagslink: https://www.stocker-verlag.com/buch/welse/
ISBN: 978-3-7020-2329-4
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