Jagdgedanken – Ein Hochstand-Brevier

Buchvorstellung

Der bücherliebende Journalist Bertram Graf v. Quadt kann der Jagd nicht entfliehen, diese Passion ist in seiner Familie seit Jahrhunderten erblich. Chronisch verfasst er Bücher über die Jagd und manch einer mag sich fragen: Wie passen Bibliomanie und Jagd zusammen? Der Jäger bewegt sich doch abseits der Wege im Wald und der Literat sitzt zwischen Bücherschränken am Schreibtisch.

Die Antwortet lautet: So unterschiedlich sind diese Leidenschaften nicht. Schreiben ist wie jagen. Wie ein Jäger auf seinem Hochstand kennt der Autor die einsamen Ansitze, während derer er das Unterholz seiner Gedanken mit den Augen durchdringen will, um Beute zu machen. Doch bis auf schattenhafte Bewegungen kommt nichts in Sicht außer seinen Zweifeln. Das erhoffte Wild, wie das ersehnte Wort, lassen sich nicht herbeizwingen. Wie ein Jäger den Finger am Abzug gerade lässt, ruht die Hand des Autors über der Tastatur. Schon möchte er den Ansitz beenden, da tritt urplötzlich ein kapitaler Gedanke aus dem Dunkel hervor. Zum ersten Mal ist das kapitale Stück im Ganzen zu sehen, von dem er zuvor nur Spuren fand. Jetzt gilt es. Ein kritischer Moment, in dem der Schuss oft genug buchstäblich in den Ofen geht. Doch die Augenblicke, da alles gelingt sind jene kostbaren, die alle Misserfolge und die einsame Schinderei wert sind. In den besten Fällen schleppt man aus der dornigen Wildnis des Unterbewusstseins eine Trophäe heraus, die ihren Platz an der Wand bekommt. Im Bücherschrank.

Dieses Büchlein beinhaltet die passenden Worte, die ein Jagdjahr beschreiben. Jedem Monat des Jahres sind drei Kurzgeschichten oder Essays gewidmet, die alltägliches und außerordentliches im Leben eines Jägers beschreiben. Einige sind humorvoll, andere melancholisch und die nächsten analytisch, so wie sich auch die Stimmungen der Leser im Tages- und Jahreslauf ändern.

Auch haptisch und optisch gibt Jagdgedanken – Ein Hochstand-Brevier eine gute Figur ab mit seinem hübschen festen Einband und den Zeichnungen von Rudi Kohl, welche die Texte illustrieren. Der bekannte Jagdblogger Werner Steckmann verfasste das Vorwort.

Die erste Botschaft des Buches ist für mich die, sich die Zeit zu nehmen, seiner Jagdpassion zu folgen. Die Zweite, das Banale sowie das Besondere eines Jahres intensiver zu beobachten und in Kunst zu verwandeln:
Reime Verse, skizziere Situationen, tanze zum Klang des Küchenradios, erzähle Geschichten oder singe beim Autofahren. Ganz egal, wie gut oder schlecht Du bist, mach es mit aller Leidenschaft, Wonne und Begabung, zu der Du fähig bist. Gib nicht auf, wenn Du Deinen eigenen Ansprüchen nicht genügst. Facharbeiter oder Kunsthandwerker werden mit genügend Übung ihr Material meistern, dem Künstler ist dies nie vollends vergönnt. Gedenke der Worte Gilbert Keith Chestertons, dass Engel fliegen können, weil sie sich auf die leichte Schulter nehmen.

Wir leben in einer uralten und wunderbar unübersichtlichen Welt voller Risiken und Chancen. Unsere Entwicklung vom Affen zum Urmenschen setzte ein, als wir vom Pflanzenfresser zum Fleischfresser wurden. Das Beutetier muss nur dort sein, wo das Raubtier nicht ist, um zu überleben. Der Jäger jedoch muss sich in die Beute hineinversetzen, ihren Spuren folgen und seine Erfolge planen. Je körperlich schwächer er ist, umso mehr Grips ist vonnöten. Doch richtige Menschen wurden wir erst, als uns die Kunst zu kulturellen Wesen machte.

Jetzt, wo wir an einem Punkt unserer Entwicklung angelangt sind, wo Technik und Zivilisation das eigentlich menschliche zu überlagern beginnen, können Jagd und Kunst ein Weg sein, Kraft und Inspiration zum Überleben zu schöpfen.

In unseren besten Stunden erkennen wir uns hierbei, wie wir sind. Einerseits rational und analytisch denkend, andererseits triebhaft und instinktgesteuert fühlend. In uns wird das alte Schauspiel aus der Wiege der westlichen Zivilisation aufgeführt, in dem Apoll und Dionysos miteinander ringen. Ein fesselndes Theaterstück, welches das Leben feiert und mit dem Tod endet. Seien wir selbstbestimmt. Genießen wir es.
Seien wir Jäger. Seien wir Künstler. Machen wir uns Jagdgedanken.

*

Geständnis des Autors:

Man kann sich gegen schwere erbliche Belastungen nicht wirklich zur Wehr setzen. Damit war die Jagd unausweichlich. Beim Blick in die Generationen gibt es auf weite Sicht keinen männlichen Vorfahr – und nur wenige weibliche – die nicht gejagt hätten. Vater, Mutter, beide Großväter und so weiter und so fort – alles Jäger, und zum Teil hochprofilierte Jäger: der Vater meiner Mutter, Herzog Albrecht v. Bayern, hat die bedeutendste Monographie des 20. Jahrhunderts über Rehwild verfasst („Über Rehe in einem steirischen Gebirsgrevier“) und darin mit viel Unsinn über diese Wildart aufgeräumt. Meine Mutter war an den Forschungen dazu intensiv beteiligt, gemeinsam mit meinem Vater hat sie die Erkenntnisse im gemeinsamen Revier im Allgäu umgesetzt. Nun will und muss aber jeder junge Mensch rebellieren. Ich habe mir dafür aber nicht das jagdliche Erbe ausgesucht, sondern die Schullaufbahn, das nie begonnene Studium, das Ergreifen anrüchiger Berufe (Jurnalist, pfui!) und anderes mehr. Und ich kann im Rückblick sagen: das war die richtige Entscheidung.

Anmerkungen

Von KRAUTJUNKER existiert eine Gruppe bei Facebook.

Titel : Jagdgedanken – Ein Hochstand-Brevier

Autor: Bertram Graf v. Quadt

Zeichnungen: Rudi Kohl

Verlag: Neumann-Neudamm

Verlagslink: https://www.jana-jagd.de/buecher/jagdbelletristik/erzaehlungen/11348/quadt-jagdgedanken-ein-hochstand-brevier

Foto des Autors: © Stephanie Schweigert

ISBN: 978-3788819484

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